Literaturkritik – es wird mal wieder diskutiert. Warum und worüber eigentlich?


Ein Stürmchen geht derzeit um. Es geht um die Frage der „Demokratisierung der Literaturkritik“ oder einfacher: „Dürfen Blogger das?“, „Können die das?“ In der letzten Woche diskutierten darüber Stefan Mesch und der Literatur- und Medienwissenschaftler Harun Maye, Sigrid Löffler hat vor nicht allzu langer Zeit die Frage, ob Literaturkritik in Blogs stattfindet, pauschal verneint, es geht hin und her. Ich verstehe das nicht.

Diese ganze Diskussion könnte man sich ersparen, würde man einfach mal die Begrifflichkeiten schärfer definieren. So werden zum einen unter „Literaturblogger“ einfach alle wahllos zusammengefasst, die sich in irgendeiner Art und Weise online über Bücher äußern. Das ist, als ob man im Printbereich alles von Zeit, FAZ, SZ über Special-Interest-Magazine bis hin zu Buchtipps in Stadtmagazinen oder Frauenzeitschriften unter „Feuilleton“ einordnet. Zum anderen wird pauschal von „Literaturkritik“ geredet, auch das ist so, als ob man im Printbereich einen Greiner-Radisch-Mangold-Winkels-Dath-Text mit einer 500-Zeichen-Empfehlung oder einem Kochbuchtipp gleichsetzt. Was für den Printbereich niemand mit Verstand tun würde, wird für den Onlinebereich aber getan. Es gibt sowohl gedruckt als auch online Literaturkritik UND Buchempfehlungen (dies schließt auch die Negativvariante ein, das Abraten von bestimmten Büchern).

Nicht alles eine Soße

Es gibt eben nicht DEN Literaturblogger. Gedruckt als auch online gibt es Menschen, die sowohl umfangreiches Wissen um Literatur haben als auch die handwerklichen Fähigkeiten, Texte einzuordnen und darüber zu schreiben. Und es gibt Menschen, die eine weniger umfassende Herangehensweise haben, die aber trotzdem in der Lage sind, zu sagen: Dieses Buch hat mit gefallen/nicht gefallen und das mit persönlichen, gefühligen Eindrücken erklären. Beide Varianten haben ihre Berechtigung, die Gemeinsamkeit liegt aber lediglich darin, dass der Gegenstand Texte sind. Stefan Mesch hat versucht, dies in der Diskussionsrunde einzuordnen.* Kritiken von Lothar Struck, Mara Giese, von Thomas Hummitzsch auf Intellectures, Rezensionen auf Fixpoetry und an vielen anderen Orten sind nicht weniger fachlich fundiert, oftmals sogar stärker als Kritiken in den klassischen Feuilletons. Eine Trennung zu ziehen, weil die Motivation (an dieser Stelle setze ich sogar ein Fragezeichen) und der Ort des Erscheinens unterschiedlich sind, ist albern und vollkommen unnötig. 

* Ich war nicht anwesend, dies ließ sich unter anderem dem Beitrag auf buzzaldrins.com entnehmen.

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