Was ich lese, wenn ich keine Bücher lese


Zeitungen

Ich habe keine Tageszeitung im Abo – mir fehlt dazu tatsächlich die Zeit, da ich dummerweise immer versuche, alles zu lesen (man hat es ja bezahlt), was bei der Süddeutschen mindestens zwei Stunden täglich in Anspruch nimmt. Aber ich kaufe Tageszeitungen, meist ein- oder zweimal in der Woche. Die Qualität einer Tageszeitung bemisst sich für mich an der Qualität ihres Feuilletons, freitags kaufe ich häufig die SZ, auch wegen des SZ-Magazins, sonnabends wahlweise die SZ, die FAZ, mitunter auch die Welt, die allein wegen der sonnabendlichen Literarischen Welt, mit wenigen Ausnahmen ist hier das Feuilleton  nicht der Rede wert. Sonntags muss ich häufig arbeiten, sodass ich die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung seltener lese, als ich das eigentlich möchte. Einige Monate hatte ich ein Sonnabend-Abo der taz, bis ich dann feststellte, dass ich nur wenige Seiten aus der Sonntaz wirklich wirklich gern las, zu wenig Text für zu viel Geld. Meine perfekte Zeitung erschiene sonnabends, enthielte die gesammelten Wochenfeuilletons aus SZ und FAZ sowie die Seite drei der Süddeutschen plus der Literarischen Welt. Zudem gibt es immer mal wieder Phasen, in denen ich regelmäßig die Zeit kaufe, momentan ist grad keine derartige Phase. Pflicht sind die Literaturbeilagen von SZ, FAZ, taz und Zeit zu den beiden Buchmessen. Die lokale Neue Presse lese ich mehrmals monatlich ganz genau am Abend vorher – als Korrekturleser. Allerdings passiert es dann regelmäßig, dass ich nach Hause komme, Lieblingsfrau mich fragt, was alles so passiert sei und ich antworten muss, dass ich das schon wieder vergessen habe. Neue Presse und die zweite Regionalzeitung, die Hannoversche Allgemeine Zeitung, liegen in meinen Lieblingscafes und in der Stammkneipe aus, da werfe ich dann immer einen Blick rein.

Zeitschriften

Im Abo habe ich die dreimal jährlich erscheinende Leipziger Literaturzeitschrift edit, die ebenso häufig erscheinende Bella triste aus Hildesheim sowie die österreichische Volltext. Die beiden ersten vermitteln einen guten Überblick zu Tendenzen der jungen Literaturszene, Volltext überrascht immer mal wieder mit der Themenauswahl. Von Zeit zu Zeit lese ich auch das Bücher Magazin. Dort finden sich immer ein paar lesenswerte Artikel, zudem sind die Macherinnen äußerst sympathisch.

Außerdem kommt zweimal im Jahr Bauhaus – die Zeitschrift der Stiftung Bauhaus ins Haus, die schon allein aus optischen Gründen die 8 Euro pro Ausgabe wert ist. Immer kaufe ich die 11 Freunde am Kiosk, meistens die Spex, manchmal – themenabhängig – die Brand eins, gelegentlich Cicero mit Literaturen als Beilage. Da ich für Leo – Das Anhalt Magazin die Bücherseite mit Inhalt fülle, bekomme ich jede Ausgabe zugeschickt und lese sie auch, ein Stück Heimat.

Webseiten

Natürlich SPON, im Schnitt zweimal am Tag. Neben den Seiten der üblichen Tageszeitungen sowie den heimatlichen Dessauer Lokalseiten der Mitteldeutschen Zeitung schaue ich regelmäßig auf den Seiten vom Freitag, der Jungle World, Falter, Spex und Vice vorbei. Außerdem spült meine Facebook-Timeline regelmäßig Lesenswertes rein. Längere Artikel und alles, was ich archivieren möchte, lade ich mir via Readability auf mein Tablet. Dort habe ich auch Flipboard eingerichtet, unter anderem mit Monopol, Neon, Wired, jetzt.de, Intro, The Atlantic Monthly und n+1 – wobei ich überall nur unregelmäßig reinschaue.

Reportagen.fm stellt immer freitags die drei (subjektiv) besten Reportagen der vergangenen Woche zusammen. Seit einigen Monaten entwickelt sich Waahr zu einer schier unerschöpflichen Fundgrube älterer Feuilletons, die Seite bietet Stoff für Monate. Von Zeit zu Zeit suche ich auch gezielt nach Artikeln von Autoren wie Moritz von Uslar, Peter Glaser, Kathrin Passig, Diedrich Diederichsen, Benjamin von Stuckrad-Barre und einigen anderen. Im Medien-Menü von Christoph Koch (dem ich quasi die Idee zum Artikel geklaut habe, was aber nicht schlimm ist, da er sie von The Atlantic Wire hat) finde ich fast immer Seiten, die ich noch nicht kannte.

Blogs

Ich bin kein großer Blogleser, zumindest verfolge ich nur wenige Blogs regelmäßig. Meist verliere ich sie wieder aus den Augen, ich habe es mit Feedreadern versucht, was fast immer damit endete, dass ich alles nach Wochen ungelesen gelöscht habe. Es gibt aber Ausnahmen, einige Blogs lese ich wirklich gern und regelmäßig – Blogs von Menschen, die ich kenne, die meisten der von mir gelesenen Blogautoren waren im letzten Sommer in Berlin auf einer Grillparty. Anne Schüßler war nicht auf der Party, hatte aber eine Einladung. Sie klaut mir jeden Monat mehrere Stunden Lebenszeit, die ich mit ihren gesammelten Lieblingstweets verbringe. Sie erklärt das Internet und auch sonst lese ich sie gern. Einer der wenigen Blogs, vermutlich sogar der einzige, auf dem ich jeden Beitrag gelesen habe, ist der von Frau Meike. Johannes Mirus hat in letzter Zeit nicht viel zu lachen, auf 1ppm beschäftigt er sich unter anderem mit den Klassenerhaltschancen des 1. FC Nürnbergs – wahrlich kein Spaß. Mit Serotonic gibt es zahlreiche Übereinstimmungen im Seriengeschmack, sie darf mich gern mal zu einem Bananenbrot einladen. Und gerade fällt mir ein, dass es noch ein Blog gibt, auf dem ich alles gelesen habe, Asal schreibt tolle Texte.

Zudem macht das Lesen vom Umblätterer ebenso klüger wie das Lesen vom Begleitschreiben.

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2 Gedanken zu “Was ich lese, wenn ich keine Bücher lese

  1. Oha, merci! Ich bin da ganz aufrichtig gerührt über das Kompliment eines Mannes, der so viel liest.
    Aber Herr Möller, lesen Sie doch bitte Die Zeit! Ich habe seltsamerweise auch immer Zeit-Phasen, meine ist gerade und die Feuilletons im November und Dezember hätte ich allesamt heiraten können! Ich habe, wie Sie ja wissen, so wenig Zeit zum Lesen, darum stapelt sich hier immer die Lektüre. Ich schaue dann immer ganz neidvoll, aber auch angeregt, auf das, was Sie so treiben und empfehlen! (Ich bleibe mal beim Sie, es klingt irgendwie angemessen. Würde ja auch sicher Meike so machen.)

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