Lieblingszeug 2013


Romane

Ernst Haffner „Blutsbrüder. Ein Berliner Cliquenroman“

Eine Wiederentdeckung, die es in sich hat. Haffner, dessen Spur sich nach 1933 verliert, beschreibt in seinem Roman die Geschichte gestrandeter Jungs im Berlin der Zwanziger Jahre. Und dies gelingt im derart eindrücklich, dass man den Gestank in den Spelunken förmlich riechen kann, der Moloch Großstadt plastisch vor dem inneren Auge aufbaut. Zum Schluss ein Funken Hoffnung.

Leon de Winter „Ein gutes Herz“

De Winter entwirft einen wahrhaft skurrilen Plot, in dem der ermordete Theo van Gogh zum Schutzengel des Kriminellen Max Kohn wird, der das Herz eines Priesters verpflanzt bekommen hat, der der Liebhaber von Kohns großer Liebe war, die jetzt mit einem Autor namens Leon de Winter zusammenlebt. Daraus entspannt sich ein Thriller um islamistische Terroranschläge in Amsterdam, reale und fiktive Personen treten auf, de Winter schert sich dabei nicht um politische Korrektheit. Und weil er zudem noch frei von Eitelkeit ist, wird „Ein gutes Herz“ zu einem Lesevergnügen.

Diogenes

Comics

Derf Backderf „Mein Freund Dahmer“

Eine Biographie der Jugendjahre Jeffrey Dahmers, der zwischen 1978 und 1991 17 Männer ermordete. Backderf erzählt in teils drastischen Bildern von der verkorksten Kindheit und Jugend, erzählt von den vielen Anzeichen, die auf Dahmers psychische Störungen hindeuteten, erzählt, dass kein Erwachsener diese Anzeichen beachtete. Dahmer galt seiner Umwelt als Freak, der zeitweise sogar seinen eigenen Fanclub hatte. Backderf kann genau berichten – er war mit Dahmer auf der Highschool. Als ihn seine Freundin 1991 anrief, um ihm zu sagen, dass der Serienmörder gefasst wurde und dass er mit ihm auf die Schule ging, fällt Backderf Dahmer übrigens erst als Zweiter ein.

Jean-Yves Ferri/Didier Conrad „Asterix bei den Pikten“

Ja, es ist noch nicht der ganz große Wurf, an die gute alte Zeit Goscinnys kommt der erste Band mit neuem Texter und neuem Zeichner, der Asterix und Obelix nach Schottland führt, nicht heran. Und ja, die Messlatte lag nach „Gallien in Gefahr“ ziemlich in Bodennähe. Aber es ist ein Anfang, der hoffen lässt. „Asterix bei den Pikten“ enthält durchaus witzige Momente und gelungene Anspielungen. Und ein neuer Asterix-Band ist immer besser als kein Asterix-Band. Erfreulich, dass Zeichner Conrad dem Stil Uderzos treu bleibt und nicht versucht, alles auf links zu krempeln.

Sachbuch

Ulrich Holbein „Ein Chinese in Rom. Jean Paul und Goethe: Ein untendenziöses Doppelporträt“

Vor 250 Jahren wurde Jean Paul geboren. In der Flut der vielen lesenswerten Neuerscheinungen zu diesem Anlass ragt Holbeins Doppelporträt heraus. Holbein gehört zu den größten deutschen Sprachkünstlern, unendlich belesen und sich jeglicher Kategorisierung entziehend. Jean Paul und Holbein sind Brüder im Geiste. So ist denn auch nicht überraschend, wem seine Sympathien in dieser vor doppelbödiger Sprachkomik sprühenden Biographie der beiden Antipoden gehören. „Goethe wurde – dank Goethe-Lobby und Goethe-Mafia – fast so weltberühmt wie Jesus, The Beatles, Osama, Obama oder Lady Gaga. Jean Paul muß im Google aus Jean-Paul-Belmondo-Gewimmel hervorgefizzelt werden und hat zu erdulden, daß Hochkulturträgerinnen, denen man dringend was über Jean Paul erzählen möchte, irritiert zurückfragen: ‘Sartre?’“

Helmut Böttiger „Die Gruppe 47“

Ohne die Gruppe 47 wäre die deutsche Literatur nach 1947 schwer vorstellbar. Zu groß die Namen derjenigen, die dort Erfolge feierten, zu vernichtend die Niederlagen anderer. Ein Haifischbecken aus Eitelkeiten und Grabenkämpfen. Und trotzdem oder gerade deswegen prägte die Gruppe 47 die literarische Entwicklung bis in die heutige Zeit hinein. Böttiger liefert eine famose Gesamtdarstellung, fundiert und gut geschrieben. Dafür gab es zu Recht den Preis der Leipziger Buchmesse.

Serien

Game of Thrones“, Staffel 3

J.K. Rowlings heult ja schon, wenn sie einen Nebencharakter sterben lässt. George R.R. Martin erledigt in einem einzigen Kapitel gleich mal eine Handvoll Hauptcharaktere, „The Lannisters send their regards“ ist das Stichwort. Staffel drei plätschert im Vergleich zu den ersten beiden Staffel eine ganze Weile so vor sich hin, um dann auf ein gewaltiges Finale – in der vorletzten Folge – hinauszulaufen. Wobei hinplätschern in Bezug auf Game of Thrones bedeutet, dass es immer noch Tote und Sex im Dutzend gibt, es wird kastriert, gemordet, die Drachen wachsen … Neue Charaktere tauchen unvermittelt und ohne Einführung auf, erklärt wird das erst später. An Komplexität der Handlung kann es sowieso keiner mit George R.R. Martin aufnehmen. Noch vier Monate, bis die vierte Staffel startet. Ich zähle schon die Tage.

Trailer

Once upon a Time“, Staffel 1-3

Die Serie steht zumindest in Deutschland im Schatten anderer großer Serien, zu Unrecht. Die Macher vermischen Elemente unzähliger Märchen, die Handlung spielt parallel im Märchenreich und in der Echtzeit, in Storybrooke/Maine, in der die Bewohner durch einen Fluch der bösen Königin leben, ohne ihre Vergangenheit zu kennen. Dann kommt Emma Swan nach Storybrooke, Tochter von Schneewitchen und Prinz Charming, die auch nichts von ihrer Vergangenheit ahnt. Daraus entspannt sich ein fantasievoller, spannender, optisch hervorragend umgesetzter Handlungsreigen, in dem im Laufe der Zeit nichts mehr so ist, wie es zunächst schien. Groß: Robert Carlyle als Rumpelstilzchen. In der dritten Staffel geht’s dann nach Neverland, wo Peter Pan als Inkarnation des Bösen herrscht.

Trailer 1. Staffel

The Newsroom“, Staffel 1-2

Spielt im fiktiven Kabelsender ACN Networks. Die Nachrichtenredaktion um Anchorman Will McAvoy (Jeff Daniels) versteht sich als Gegenpol sensationsheischenden Erscheinungen wie Fox News. Ziel ist es, investigativen Journalismus zu betreiben, Zielscheibe ist dabei vor allem die Tea-Party-Bewegung. Anhand realer Ereignisse werden die Schwierigkeiten im Tagesgeschäft geschildert, die Konflikte mit der Chefetage, mit politischen und persönlichen Gegnern. Aaron Sorkin hat aus diesem Stoff eine packende Serie gemacht.

Eröffnungsszene erste Staffel

Hannibal“, Staffel 1

Mads Mikkelsen gibt in dieser Adaption des Hannibal-Stoffes den Dr. Lecter und er tut dies mit Bravour. Dr. Lecter wird vom FBI gebeten, bei der Suche nach Serienmördern zu helfen. Das macht er gern, schließlich kennt er sich damit ja ein bisschen aus. So hilft er dem FBI-Agenten Will Graham dann auch mal damit, dass er die Morde kopiert, was Will Graham, sowieso schon in einem Albtraum lebend, schließlich verdächtig macht, selber ein Serienkiller zu sein. Helle Momente gibt’s in dieser Serie keine, nur Hannibal Lecter ruht in sich, zufrieden mit seinem Leben.

Trailer

Filme

Django Unchained“

Es ist ein Tarantino-Film und es ist neben „Pulp Fiction“ sein bester. Mehr muss man dazu nicht sagen.

Les Miserables“

Es ist ein Musical, und zugeben, auf die Idee gekommen zu sein, Russell Crowe singen zu lassen, will im Nachhinein auch keiner. Und trotzdem gehört „Les Miserables“ zu den Filmen, für die das Kino erfunden wurde (das habe ich im letzten Jahr auch über „Gefährten“ gesagt). Bildgewaltig, monumental, pathetisch, episch. Und manchmal muss es genau so ein Film sein.

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