Zur Beratungsqualität Buchhandel vs. Amazon


Eines der Hauptargumente gegen Amazon und für den stationären Buchhandel ist ja die fehlende Beratung. Nun ist es sicher so, dass man mir zum Beispiel bei Hammett in Berlin treffsicher eine Krimiempfehlung auf Basis meiner diesbezüglichen Vorlieben aussprechen kann. Es gibt sicher die Situation, dass sich Buchhändler und Kunde seit Jahren kennen, einen ähnlichen literarischen Geschmack teilen und sich der Kunde auf die Empfehlung verlassen kann. Aber ist das der Normalfall? Ich denke nicht. Als ich vor einiger Zeit Kapielskis „Neue sezessionistische Heizkörperverkleidungen“ suchte (wurde zu dieser Zeit in mehreren überregionalen Feuilletons rezensiert, hätte man also schon mal gehört haben können), wurde ich in Buchhandlung xy gefragt „Kapielski? Wie schreibt man das?“ Da brauche ich dann gar nicht mehr darüber nachdenken, ob ich mich dort beraten lassen will. Auf der Basis von Nichtwissen kann es keine weitergehenden Empfehlungen geben. Und nun Amazon, die Rubrik „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch“. Da werden mir Bücher von Henschel, Droste, Goldt, Ulf Erdmann Ziegler, Matthias Altenburg empfohlen, da werde ich auf Müllers Subkultur Westberlin 1979-1989 aufmerksam gemacht, Urs Engeler ist aufgelistet und und und. Mit anderen Worten: Ich werde – zwar auf andere, auf einem Algorithmus basierende Weise – beraten. Und dies deutlich treffsicherer als vermutlich in 7 von 10 Buchhandlungen.