Weichgespült. „The Iron Lady“


Zwei Oscars hat „The Iron Lady“ bekommen, für die beste weibliche Hauptrolle und für das Make-up von Meryl Streep. Daran gibt es nichts, gar nichts zu kritisieren. Sonst aber doch einiges.

Der Film zeigt in Rückblenden den Aufstieg Margaret Thatchers, Tochter eines Kaufmanns, von der Abgeordneten der Konservativen zur britischen Premierministerin. Erzählt wird in Rückblenden, die an Demenz erkrankte Ex-Premierministerin erinnert sich an Stationen ihres Lebens. An ihrer Seite Mann Dennis, ein Kunstgriff, schnell wird erkennbar, dass er nur noch als Vorstellung existiert, in der Realität verstarb er Jahre vorher. Thatcher schwankt zwischen wachen Momenten und Demenzphasen, und der Film drückt hemmungslos auf die Mitleidstube. Und das ist ärgerlich.

Schon die Eingangsszene kann man perfide nennen. Der Zuschauer begegnet der alten, dementen Margaret Thatcher, die von Streep wunderbar liebenswert verkörpert wird, beim Einkauf von Milch. Nur verliert man dadurch jegliche Möglichkeit, die Film-Thatcher mit einem kritischen Blick zu betrachten. Das aber gibt das Drehbuch sowieso nur in kurzen Momenten her. Zu unkritisch betrachtet, zu distanzlos erscheint die Person. Die argentinische Junta nennt sie am Beginn des Falkland-Kriegs „faschistische Bande“, unerwähnt bleibt, dass sie mit der faschistischen Bande um Augusto Pinochet deutlich weniger Berührungsprobleme hatte. Man sieht sie mit Nelson Mandela tanzen, kein Wort darüber, dass sie den ANC als terroristische Organisation bezeichnete. Die brachialen Einschnitte in das soziale Netz und die gewalttätigen Auseinandersetzungen werden thematisiert, „The Iron Lady“ lässt aber keinen Zweifel daran, dass Thatchers Weg der richtige war.

Auch an anderer Stelle verschenkt der Film Potenzial. Stets betonte Thatcher, dass sie, aus kleinen Verhältnissen stammend, um ihren Aufstieg kämpfen musste.  Der Weg von der Abgeordneten zur Premierministerin wird aber im Schnelldurchlauf abgehandelt. In der Erzählung konzentriert sich der Film auf zwei Figuren, Thatcher selbst und ihren Mann Dennis, von Jim Broadbent mit sichtlicher Freude verkörpert. Alle anderen sind lediglich Randerscheinungen, die kurz auftauchen, um sofort wieder zu verschwinden. Die Szenen zwischen Margaret und Dennis nehmen den größeren Teil der Handlung ein, zu viel, um die Politikerin mehr als in Umrissen zu zeichnen. Und das ist schade. „The Iron Lady“ hätte eine differenzierte Betrachtung der vielleicht umstrittensten Figuren im Großbritannien des 20. Jahrhunderts werden können. So ist es eine wohlwollende, weichgespülte Huldigung mit nur wenig Kanten auf  eine Person, die zeitweise die meistgehasste  im Vereinigten Königreich war.

 

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