Zur Frankfurter Buchmesse ist ja schon alles gesagt, allerdings noch nicht von mir.


Zwei Tage waren es diesmal – und die Erkenntnis, dass man nach zwei Tagen erschöpfter sein kann als nach drei oder, wie in Leipzig, sogar vier Messetagen. Eine weitere Erkenntnis: eine Stunde in der Buchhandlung seines Vertrauens, und man hat gefühlt doppelt so viele Bücher in der Hand gehabt als auf der Messe, der diese Dinger ihren Namen gaben.

Zumindest hatte die Frankfurter Messe den diesjährigen Termin mit dem Europa-League-Spielplan abgestimmt, eine Woche später und ich wäre wirklich in Gewissenskonflikte geraten.

Was ist übrigens der Unterschied zwischen einem Europa-League-Spiel und der Frankfurter Buchmesse? Richtig, am Ende der einen Veranstaltung hat ein nicht unbeträchtlicher Teil der Besucher einen im Tee, bei der anderen gibt es nur alkoholfreies Bier.

Eine Premiere gab es für mich in diesem Jahr, also genaugenommen mehrere, die aber alle durch die eine begründet waren. Ich habe erstmals direkt in Frankfurt genächtigt. Das hatte zur Folge – davon später.

Mein Gastgeber war Stefan Geyer., der gerade bei S.Fischer eine Anthologie herausgegeben hat. „Auf buntbewegten Gassen. Literarische Spaziergänge von Schiller bis Kafka.“ – ein wundervolles Buch, das Spaziergehmuffeln wie mir einen guten Grund gibt, eben nicht zum Spaziergang zu müssen, sondern auf dem Sofa Kafka, Fontane und andere auf ihren Wegen zu begleiten.

Bereit für einen Kaffee führte der erste Weg zum Börsenverein. Dort gab es zwar keine Bücher zu sehen, aber eine liebe Freundin (die hiermit daran erinnert wird, dass sie gefälligst bald nach Hannover – sie weiß schon). Kaffee war gut und der Joachim Kurz traf dann auch ein. (Anmerkung: Auf ausdrücklichen Wunsch eines nicht näher genannten Herrn K. sei noch angemerkt, dass der Joachim Kurz mich, wie in jedem Jahr, den ganzen Tag über begleitet hat und es wie immer ein großes, großes Vergnügen war!

Ein Muss auf jeder Buchmesse ist der Gang zum Stand von Voland & Quist. Leif und Sebastian warteten unter anderem mit „Tattoogeschichten“ auf. Was soll man sagen? Schöne Bücher konnten die beiden schon immer, aber dieser Band ist ein echtes gestalterisches Highlight.

Außerdem freuten sie sich über den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache für Nora Gomringer, die sich damit in Gesellschaft mit Loriot oder Udo Lindenberg befindet.

Danach ging es um die Ecke zu Markus Hablizel und dem gleichnamigen Verlag (also gleichnamig ohne „Markus“). Wir kannten uns noch nicht persönlich, aber das Schöne war, dass es zumindest mir nicht so vor kam. Im Herbstprogramm erschienen ist „Skunk“ von Justin Courter, der Roman, für dessen Übersetzung und Veröffentlichung Markus eigens den Verlag gegründet hat.

(Das Teil ist so brandheiß, dass ist noch nicht auf der Verlagsseite zu finden)

Schon der Klappentext lässt erahnen, warum.

Stefan G. hatte übrigens Standdienst bei der Edition Faust, die nicht nur eine interessante Webseite betreibt, sondern auch noch eine kleine, sehr schicke Reihe schön gestalteter Hefte veröffentlicht hat.

Nächster Programmpunkt: ein *hüstel* Kaltgetränk mit Carsten Tergast. Der freute sich über den Erfolg des neuen Buchs von Michael Winterhoff, an dem er, wie an allen anderen Winterhoff-Büchern, nicht unwesentlich beteiligt war.

Wie bei den letzten Malen auch ließ sich feststellen, dass Carsten trotz des Bestsellererfolges die Bodenhaftung nicht verloren hat und sich mit ganz normalen Menschen wie mir abgibt. Eben ein Typ wie du und ich, zumindest fast, er ist Werder-Fan.

 

Am späteren Nachmittag benötigt man auf der Messe keine Uhr mehr, man weiß, es ist 16.30, wenn eifrig die Gläser auf die Standtische geräumt werden. 16.50 kommen dann die Flaschen hinzu und ab 17.00 sammeln sich Menschentrauben bei mare oder Kunstmann. Bei letzteren gab es sogar tschechische Kaltgetränke, die nicht aus Trauben hergestellt wurden. Hat man mal eins probiert. Kunstmann hatte auch was zu feiern,die Biographie eines nahezu unbekannten Fußballers von 1860 München verkauft sich ja überraschend gut.

Der Tag auf der Messe endete, wie er begann, nur diesmal gab es beim Börsenverein keinen Kaffee, sondern Cocktails wurden für einen guten Zweck verkauft. Und da es für einen guten Zweck war … Der Joachim Kurz war immer noch dabei, er entschied sich für einen „Journalist“. Und wie es sich für Journalisten gehört, war der richtig heftig.

Wenn man denn nun schon in Frankfurt nächtigt, Stefans Standdienst war in der Zwischenzeit beendet, dann muss man ja wohl zum Abendessen in ein Apfelweinlokal. Haben wir dann auch gemacht, es musste  auch eine Grundlage – oder besser Zwischenlage – für die S.Fischer-Party geschaffen werden. Dieser Apfelsaft war auch lecker, ich weiß nur nicht, warum die in Frankfurt ihn Wein nennen.

Auf der Fischer-Party war es voll, es gab Getränke auf Traubenbasis, es war voll und es gab …

Vorabsacker danach im Klabunt, festgeredet, Absacker dann in der Küche. Ende des Donnerstags.

Am Freitag hatte sich dann Stefans neuer Messegast mit Adresse, U-Bahnlinie und allem geirrt, das bescherte etwas mehr Schlaf. Die Frankfurter Nacht führte aber trotzdem zu einem anständigen Kater, aber nicht gejammert. Also nur ein bisschen. (Mein Nachfolger als Messegast hatte dann später am Abend, so erzählt er es in seinem taz-Blog, die Adresse komplett vergessen. Die war zwar auf dem Handy gespeichert, dummerweise hatte das keinen Saft mehr.)

Pünktlich morgens um 12 dann wieder auf der Messe, es stand das Twittagessen an – mittlerweile einer der Höhepunkte jeder Buchmesse.

Die lange Nacht war mir offenbar nicht anzusehen, denn die schönen Frauen wollten sich reihenweise mit mir fotografieren lassen.

Siehe hier

die Heike und ich,

hier

(Schüchtern im Hintergrund Miriam, vorn Karla, die ich anschließend noch bei Diogenes getroffen habe. Wir haben einen neuen Rekord an gewechselten Wörtern aufgestellt, ein richtiges Gespräch! Ja, ja! Ganz hinten versteckt sich der Holger Ehling, der zusammen mit Wibke Ladwig, Steffen Meier und anderen ein Buch rausgebracht hat, in dem es wohl irgendwie ums so ein neuartiges Ding namens Internet geht.),

und hier

Ähm, okay, das ist keine schöne Frau, das ist Holger Reichard aus Braunschweig, und Braunschweiger sind bekanntlich immer begeistert, wenn sie einen Hannoveraner sehen. In Braunschweig kommt der Hannoveraner ja aus dem fotografiert werden und Autogramme geben gar nicht mehr raus. Vermutlich schafft der Hannoveraner es auch deshalb nie, zum Beispiel mal bei der putzigen blau-gelben Hobbyfußballertruppe vorbeizuschauen.

Der Holger hat auf der Messe einen Vertrag für ein neues Buch abgeschlossen, wenn das so gut ist wie sein letztes,

dann darf er es mir schenken. Oder zumindest signieren, ist dann auch egal, dass er aus Braunschweig ist und ich in Hannover lebe. (Und hiermit sei dann auch feierlich gelobt, dass in meinem nächsten Buchmesserückblick der Name Braunschweig, oder einer der anderen Namen, die man hier für diese Stadt gebraucht, nicht auftauchen wird. Irgendwann fällt einem ja auch nichts mehr ein.) Außerdem hat Holger mir fest versprochen, mich in diesem Jahr noch zu besuchen und darauf freue ich mich!

Sein Kollege Weyershausen war nicht auf dem Twittagessen, sondern damit beschäftigt, gegen Roboter kämpfenden Enten zu zeichnen. Aber der twittert  auch nicht, hat jetzt aber eine eigene Facebookseite.

Ich zähle jetzt nicht auf, wer sonst alles so dort war, weiß sowieso jeder selber und ich habe viele bereits auf Facebook erwähnt. Und jeder weiß auch, bei wem ich mich gefreut habe, ihn/sie zu treffen. Allerdings sollte es schöne Tradition werden, dass die Wibke Ladwig zu jedem Messe-Twittagessen neue Wortweide-Buttons mitbringt.

Denk dir also schon mal was für Leipzig aus, liebe Wibke!

Kurzer Rundgang durch die Hallen, schnell noch bei Salis und Walde & Graf auf einen Kaffee vorbei geschaut. Von Salis sei allen „Bruttoglobaltournee“ ans Herz gelegt, von Walde & Graf habe ich im Urlaub „Das Fest des Monsieur Orphée „ verschlungen. Zum diesem Buch gab es auch die schicksten Beutel der ganzen Messe, da bin sogar meinem Vorsatz, keine Beutel mitzunehmen, untreu geworden.

17.00, Sekt bei UTB. Es sind halt Schwaben, bei Taschen gabs im letzten Jahr Champagner. Die waren in diesem Jahr allerdings dann gar nicht mehr auf der Messe. Und da ich auf UTB und Heike Schmidt nicht verzichten möchte: Dann lieber Wasser als Champagner, ich komme auch so vorbei! Wäre auch besser für meine immer noch vorhandenen Kopfschmerzen gewesen – aber man will ja nicht jammern.

Ohne UTB wüssten Tim und ich auch heute noch nicht, dass es Homiletik gibt und was das ist (Predigtlehre); falls jemand mal bei „Wer wird Millionär“ damit konfrontiert wird, mag er mich angemessen beteiligen.

Feierabend, zum Bahnhof, dort noch die obligatorische Abschluss-Fleischkäsesemmel, rein in den Zug und irgendwann zu Hause.

Fazit: Buchmesse? Ich bin echt zu alt für so ’nen Scheiß! Wann beginnt die Leipziger? Hoffentlich bald!

12 Gedanken zu “Zur Frankfurter Buchmesse ist ja schon alles gesagt, allerdings noch nicht von mir.

  1. … schön, dich dort getroffen zu haben. Unsere literaturwissenschaftlichen Gespräche kamen diesmal zu kurz, dafür also Homiletik. Um deine Connections zur Europa League zwecks Terminabstimmung beneide ich dich übrigens maßlos. Ich kann dasselbe leider nicht für die Terminkoordination zwischen Krautfest und Buchmesse sagen…

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      • ich zitiere mal: „Bei Blasmusik und Schlachtplatte, Krautwetthobeln und Spitzkrautstemmen lassen sich Jahr für Jahr die begeisterten Zuschauerinnen und Zuschauer mittragen von der besonderen Krautfestatmosphäre.“ Überflüssig, zu erwähnen, dass es dort auch ein Krautkönigspaar, die Bartträger-Weltmeister und vieles mehr gibt. Zur Illustration hier wenigstens ein Bild unseres Oberbürgermeisters:

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      • Blashobeln und Schlachtstemmen klingt großartig. Ihr da unten im Süden wisst eben, wie man richtig feiert. Nicht umsonst werden die Schwaben ja auch die Brasilianer Deutschlands genannt.

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  2. Vielen Dank für den schönen Bericht, zu der Ausführlichkeit hat es bei mir dank krankheitsbedingten Erinnerungslücken leider nicht mehr gereicht. Und Du wirst sehen, wir werden uns steigern und am Ende im nächsten Jahr noch einen Kaffee/variables Kaltgetränk miteinander trinken! 😉

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  3. Fein, jetzt weiß ich, dass es ein Leben außerhalb unserer 4qm Frankfurt gab und wie es aussah! Vielen Dank dafür, Herr Ethnograph 😉 (Der Skunk zieht übrigens auf unserer demnächst runderneuerten Webseite ein, ma kieken, wann!)

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