Das war die Leipziger Buchmesse 2011. Zumindest für mich.


Wir sind betroffen

Die FAZ hat ja seitens der Buchmesse mangelnde Empathie mit Japan beklagt und fehlende kollektive Schweigeminuten. Deshalb bitte ich den geneigten Leser, vor der Lektüre des nächsten Absatzes eine solche einzulegen. Danke.

Anmerkung: Natürlich eignet sich die Lage in Japan nicht für billige Scherze. Ein solches Einfordern von Betroffenheitsheuchelei allerdings ist mir zuwider.

Der Preis der Leipziger Buchmesse

Die Frau Auffermann, Vorsitzende der Jury, hat Japan nicht erwähnt.

Der Verfasser dieser Zeilen konnte Japan nicht erwähnen, weil er keine Rede gehalten hat. Dafür hat er – unter Zeugen – alle 3 Gewinner richtig vorausgesagt. Leider hat er vergessen, vorher ins Wettbüro zu gehen. Dumm.

Die Begründung für die Preisvergabe an Clemens J. Setz für seinen Erzählband „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ enthielt lauter prima Sätze wie „In seiner bewusst artifiziellen, hochverspiegelten Prosa porträtiert sich der Autor als Exorzist einer aus den Fugen geratenen Phantasie, als moderner Schamane in Blaubarts letzter Kammer, der im fahlen Flimmern der Medialität die Schmutzarbeit des Zuendedenkens für uns erledigt.“ Hab ich nicht verstanden, klingt aber lustig.

Der Button

Die amtierende Miss Bookfair, Wibke Ladwig, verteilte fleißig Buttons ihres Projektes Wortweide – für meinen PC, noch in DM bezahlt, fast zu gewaltig – das war praktisch. Alle Teilnehmer des Twittagessens konnten sich später wieder erkennen, und auch sonst sah man, wo Wibke überall schon war.

Zweitbeliebtester Button war der vom Hermann Schmidt Verlag Mainz, da konnte man was gewinnen, was ich aber zu spät mitbekommen hab.

Bücherklau

Bei Dumont war am Sonntag noch exakt ein Exemplar von Houellebecqs „Karte und Gebiet“ zu finden, Diogenes meldete Astrid Rosenfelds „Adams Erbe“ als meistgeklautes Buch, Sebastian und Leif von Voland & Quist stellten fest, dass der Stapel von Schmidts „Weltall, Erde, Mensch“ auch schon mal höher war und bei Milena hing am Sonntag ein Zettel „Bitte keine Bücher mehr klauen, sieben sind genug. Wir sind jung und brauchen das Geld!“ Das beweist zwar alles literarischen Geschmack, aber:

Bücherklauen ist ja eigentlich pfui. Nicht ganz so schlimm wie Handtaschenraub, aber eben doch schlimmer als älteren Damen die Einkäufe nach oben tragen.

Vor allem aber: Wenn man schon Bücher klaut – wie gesagt, ist pfui – dann nicht bei Indie-Verlagen. Ihr wisst nicht, was ein Indie-Verlag ist? Die findet man meistens in Halle 5 und sie sind an der Größe des Messestandes zu erkennen. Größe heißt in diesem Zusammenhang klein! Also wenn man schon Bücher klaut, dann doch eher bei den Konzernverlagen. Das sind die mit den ganz großen Ständen.

Richtigstellung

Frank Krings hat öffentlich behauptet, er hätte ein Beck’s unter anderem mit mir am Stand von Eichborn getrunken.

Dazu stelle ich fest: Diese Behauptung ist falsch. Es waren 2 Beck’s. Allerdings kleine.

Überhaupt: Eichborn

Ein bisschen Wehmut am letzten Messetag am Stand von Eichborn. Dominique Pleimling, verantwortlich für die Social-Media-Aktivitäten, verlässt den Verlag. Und wer mal mitbekommen hat, wie begeisternd Dominique von Büchern allgemein und Eichborn-Büchern speziell erzählen kann, muss sagen: Schade für Eichborn. Freuen können sich die Studenten der Buchwissenschaft an der Uni Mainz, denn da geht er hin.

Eichborn hingegen geht nach Berlin. Mal abwarten, ob es was bringt.

Schon in Berlin

ist ein Teil des Salis Verlages aus Zürich, der sich in Zukunft verstärkt auch deutschen Autoren widmen möchte. Ich bin sicher, das wird gut.

Salis hat sich in diesem Jahr den Stand mit Walde & Graf geteilt. Wenn Bücher Frauen wären, dann wären die Bücher von Walde & Graf verdammt heiße, coole Bräute.

Angucken, kaufen!

Nicht direkt mit der Messe

zu tun, aber trotzdem dort kurz getroffen: Patrick Schmitz. Patrick ist ein Freund von Holger Reichard – Mitglied der Bumsdorfer Auslese und Beweis dafür, dass intelligentes Leben in Braunschweig möglich ist – und eröffnet demnächst einen Laden, in dem er Bücher, Kunst und Kitsch verkauft. Büchern aus unabhängigen Verlagen, Unikate von jungen Designern und überhaupt. Schöne Sache, das.

Italienische Zustände

erklärt de Cataldos Roman „Schmutzige Hände“, der Nachfolger von „Romanzo Criminale“. Und nachdem ich den Roman bereits in der Verlagsanzeige fürs Börsenblatt gelobt habe, tu ich das jetzt auch hier. Mittlerweile habe ich dann auch die letzten 10 Seiten gelesen, die in den unkorrigierten Fahnen fehlten.

Tolle Erinnerung an Hannover

hatte der nette Herr vom Druckladen des Gutenberg-Museums in Mainz. Der kannte als einzigen Ort das Polizeipräsidium. Dorthin brachte man ihn vor vielen Jahren, um zu klären, ob es sich bei ihm um denjenigen handelt, der in der Nacht zuvor einen Taxifahrer ermordet hatte. War er aber nicht.

Einen ziemlich schicken Druck haben wir dort am Stand gekauft.

Gekauft

hab ich mir auch Warlam Schalamows „Über Prosa“ bei Matthes & Seitz. Für Glanz & Elend wird es Thomas Hummitzsch rezensieren, der war schneller als ich.

Getroffen hab ich ihn auch in Leipzig nicht, aber irgendwann wird es wohl mal klappen.

Die schönste Ausrede,

um nach der Lesung keine Bücher signieren zu müssen, hatte Sven Regener. Der hat sich als soziophob bezeichnet, aber gleich nachgeschoben: Bühne geht.

Und als Rampensau weiß er halt, wie man eine Halle auch ohne Musik rockt, großer Spaß bei seiner Lesung aus „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“ im Werk II. Nicht nur das Publikum, auch Regener selbst fand seine Text komisch, einige Lachanfälle mitten im Vortrag.

Meistfotografierter Mann der Buchmesse

war vermutlich Tim Maicher von Bookrix. Die schönsten roten Schuhe hatte mal wieder Heike Schmidt – mit der ich mich auch über Sinn und Unsinn von Lektüreprüfungen während des Komparatistik-Studiums unterhielt – von UTB an, Carsten Tergast war auch da und nicht im Einkaufszentrum, genau wie Holger Ehling, dessen „England, glorious England“ sich zu recht gut verkauft hat.

Immer verlassen

darauf, dass sie Fisherman’s Friend einstecken hat, kann man sich bei Gesine von Prittwitz. Und auch sonst ist es immer wieder ein großes Vergnügen, sie zu treffen.

Anzahl der gewechselten Worte

mit Karla Paul: 0.

Negativrekord, aber sie hat das Twittagessen geschwänzt und ist mir auch sonst nicht über den Weg gelaufen.

Und sonst so?

Am ersten Tag hatte ich wieder mal die falschen Schuhe an, danach nicht mehr.

Und Susanne braucht keine Angst zu haben.

Advertisements

16 Gedanken zu “Das war die Leipziger Buchmesse 2011. Zumindest für mich.

  1. Was soll ich schreiben? Glücklicherweise ist ja jedes halbe Jahr Messe, ich verschiebe den Schwatz also getrost auf Frankfurt (oder fährst Du gar wie ich zur Republica, zu den Liebesromantagen oder zur Booklover Conference?)!
    Sehr schöner Artikel, kurz und knackig zusammengefasst, bin ganz Deiner Meinung in allen Punkten! 🙂
    LG Karla

    Gefällt mir

  2. Schöner Artikel! Mein erstes Twittagessen war so zu sagen ein voller Erfolg. Dank Heike habe ich dann auch mal alle persönlich kennengelernt (Danke hier nochmal für das Vorstellen). Freue mich schon auf das nächste Jahr und Twittagessen mit euch allen

    Gefällt mir

  3. Klasse, die Wortweide-Sache! Sind ganz begeistert und verliebt!

    Schade, dass der Dominique geht. Aber vielleicht haben wir Buwi-Studenten aus Erlangen Chancen, dass er mal ein Vortrag bei uns hält. Und außerdem dürfen wir jetzt den Eichborn-Verlag mit unserer Studenteninitiative „LooksIntobooks – Consulting für Verlage“ unterstützen.

    🙂

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s