Links des Tages 28.01.2011


geyst, der zweimal vergeblich versuchte, Mitglied der Partei Die Partei zu werden, hat eine Antwort bekommen, die neue Fragen aufwirft;

Ende der Märchenstunde berichtet, dass ein Mitglied der Gewerkschaft der Polizei eine ihrer Rezensionen „geborgt“ und unter seinem Namen veröffentlicht hat;

Jürgen Dollase in der FAZ über populistische fernsehköche im Allgemeinen und das neue Buch von Tim Mälzer und Eckart Witzigmann im Besonderen;

jetzt.de im Gespräch mit Jonathan Safran Foer und Karen Duve über Massentierhaltung;

die Zeit über den Wikileaks-Band von Suhrkamp und

Georg Diez auf SPON über den Untergang Europas durchden  Diogenes Verlag und den Suterismus

 

 

 

 

 

Links des Tages 26.01.2011


jetzt.de über Niki Lauda, der etwas gegen schwule Tanzpaare hat und

mit einem Interview mit Michail Chordokowskij;

die Süddeutsche mit einer Bildstrecke junger deutscher Fotografie;

die taz plädiert dafür, Weißrussland zu besuchen;

Deutschlandradio Kultur über Susan Caseys Buch „Monsterwellen“;

Thomas Hummitzsch auf Glanz & Elend über Blutchs Comic „Peplum“;

SPON über eine Studie zur Nacktheit auf Theaterbühnen;

auf Soundlcoud.com ist das neue Album von Joan as Police Woman im Stream zu hören und

der Rote Blog über die Gründe, die zu den langen Vertragsverhandlungen zwischen Hannover96 und Mirko Slomka geführt haben.

 

 

 

 

 

 

Links des Tages 25.01.2011


Das Literaturcafe berichtet, wie Bertelsmann mithilfe von Sebastian Fitzek neue Daten von Facebook-Nutzern sammeln möchte;

die taz schreibt darüber, wie Suhrkamp Berlin bereichert;

die Süddeutsche veröffentlicht einen Aufruf von Jürgen Habermas und Julian Nida-Rümelin, die Ungarns Umgang mit Kritikern der aktuellen Politik anprangern;

auf ZEIT ONLINE beantwortet Jonathan Safran Foer Leserfragen;

die Welt berichtet über die Aufarbeitung der Geschichte der Erfurter Firma Topf & Söhne, die die Verbrennungsöfen für die nationalsozialistischen Vernichtungslager entwickelte und herstellte;

der leipziger Verlag Faber & Faber sucht einen Mehrheitseigner und lässt bis dahin das Programm ruhen und

Wortmax beschäftigt sich mit dem Nasenformer Zello- Punkt;

Düsteres Vergnügen. Marco Dzebro „Dorian. Ein Scheitern in Postkarten“


Nach dem Briefroman und dem E-Mail-Roman jetzt also der Postkartenroman. Marco Dzebro legt mit „Dorian. Ein Scheitern in Postkarten“ seinen ersten Roman vor.

Dorian berichtet in Postkarten über den Zeitraum von einem Jahr aus New York.

Jede Karte beginnt mit den Worten Meine Stadt ist …, gefolgt von Vergleichen, die tief aus der Kiste geholt sind, auf deren Schild Lebensfreude durchgestrichen ist.

Da kommt schnell der Verdacht auf, dass es sich der Autor da recht einfach gemacht hat.

Und tatsächlich wird der Leser diesen Verdacht zu Beginn der Lektüre nicht los.

Meine Stadt ist ein Gedicht namens Hass, lautet der erste Satz. In dieser Tonalität geht es weiter. Wenn es Untertitel und Klappentext nicht bereits verraten würden, man käme ziemlich schnell darauf, dass die Postkarten vom Scheitern und von Verlorensein berichten.

Meine Stadt ist deine Adoptivtochter, die beim Duschen jedes Mal vergisst, die Tür zu schließen, bevor sie sich wie eine billige Schlampe schminkt, um mit ihren Freundinnen in der Disco an abgestandenem Bier und abgestandenen Typen zu lutschen.

Kein Lichtblick, nur Verkommenheit, ausgebreitet auf rund 170 Seiten, in kurzen Absätzen, Meine Stadt ist … Das nervt, so meint der Leser und will das Buch weglegen. Eine Seite noch. Und etliche Seiten später stellt er fest, dass er das Buch immer noch in der Hand hält. Denn von Seite zu Seite verfällt er dem Sprachrhythmus, der stärker und stärker zum Tragen kommt, der eine Sogwirkung entfaltet. Und das ist konsequent, ist es doch der Sog der anonymen Stadt, der Dorian verschlingt, am Ende ist er verschwunden.

New York wird zur austauschbaren Oberfläche, die Karten könnten ebenso aus London, Paris, Berlin oder Tokio stammen. Die Großstadt als Gebilde, in der der Einzelne verschwindet, untergeht.

Dorian ist ein sehr eigenwilliger Roman, vielleicht ist es auch gar kein Roman. Es ist eine Sammlung von Miniaturen, die böse und traurig sind, voller gewaltvoller, makabrer Sprachbilder.

Meine Stadt ist die von allen begeistert aufgenommen Fleischbrockensuppe des Cateringauftrags, zu dessen Gelingen das Hochzeitspaar, welches seit mehreren Stunden nicht mehr gesehen wurde, einen großen Teil beigetragen hat.

Und aus dem anfänglichen Verdacht ist ein düsteres Vergnügen geworden.

Marco Dzebro
Dorian
Ein Scheitern in Postkarten
Taschenbuch, 176 Seiten
12,90 € [D], 13,30 € [A], 23,90 CHF (Schweiz: unverb. Preisempfehlung)
ISBN: 978-3-941639-04-1

Erschienen bei Asphalt & Anders

Leseprobe

Links des Tages 24.01.2011


Auf Der Freitag.de schreibt Mikael Krogerus über seinen Film des Jahres 2010, das Video „I will survive Auschwitz“;

Stefan Sichermann im Bildblog über Ursache und Wirkung und den  Umgang der Boulevardmedien mit dem Tod von Carolin W.;

Jutta Winkelmann rechnet auf taz.de mit der öffentlichen Verachtung für die Teilnehmer des Dschungelcamps ab;

Euroweb ist nerdcore.de wieder los;

der von Radio Fritz entfernte offene Brief an die schwangere Kristina Schröder ist trotzdem noch zu lesen;

der Tagesspiegel über Asterix-Zeichner Albert Uderzo, der Ärger mit dem Fiskus hat und dem die Mitautorenschaft abgesprochen wurde;

Jutta Ladwig auf Glanz & Elend über Stevensons „Der Master von Ballantrae“;

Kultiversum über die geplante Fusion von Eichborn und Aufbau;

seit Samstag hat die VIP Art Fair, die erste virtuelle Kunstmesse, ihre Seiten geöffnet;

auf Spex.de kann man „Größenwahn“ aus dem neuen Album von Andreas Dorau hören und

Henryk M. Broder auf Welt.de über Manfred Lütz‘ „Irre! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen.“

Links des Tages 21.01.2011


Das SZ-Magazin versammelt Kölner, Ex-Kölner und solche, die gern Kölner wären, zur großen Gesprächsrunde (und dreisten Klickstrecke, aber trotzdem lesenswert);

Bora Cosic in der NZZ über den Maler Miodrag Djuric;

die FAZ über die bevorstehende Kooperation von Eichborn und Aufbau;

laut Journalistenorganisation cbj ist Tunesien jetzt zensurfrei, dafür hat das EU-Land Ungarn sie wieder eingeführt, was – wie der Tagesspiegel schreibt – zur Rückkehr des politischen Witzes führt;

Tilman Rammstedt auf jetzt.de über die Schriftstellerei als Beruf;

der Schweizer Tagesanzeiger über Ulrich Greiners in der Zeit getroffene Einschätzung „Martin Suter kann nicht schreiben“ (da der Tagesanzeiger meinen Kommentar nicht veröffentlich hat, stelle ich ihn hier rein: Frage an Kommentator namens Sam Brown: Sie schrieben, ‚Die meisten Literaturnobelpreisträger sind „unlesbar“ und keiner kann nachvollziehen, wofür diese Preise erhalten.‘ Wie viele der rund 110 Preisträger haben Sie gelesen, um diese Aussage qualifiziert und nicht als dummes Gequatsche zu treffen?);

auf der Seite von Deutschlandradio Kultur kann man Jon Fosses Hörspiel „Ich bin der Wind“ anhören

und auf Hannover96.de erstrahlt die aktuelle Bundesligatabelle.

 

 

 

 

 

Links des Tages 20.01.2011


Deus ex Machina darüber, ob RSS nun ausgedient hat oder nicht;

auf blublublu.org kann man sich den Film „The BIG Bang“ des italienischen Streetartisten Blu anschauen, in dem die Evolution auf Hunderten Wänden weltweit dargestellt wird.

Graphitti-Blog über die Logik von Homöopathie-Anhängern;

die taz über das vorübergehende (?) Ende von „Niiu“;

die FAZ im Gespräch mit Stephane Hessel über dessen Forderung nach mehr Empörung;

der Perlentaucher braucht Geld;

Cicero beschäftigt sich mit der Frage, ob Kehlmann Wegbereiter für Sarrazin war

und auf Hannover96.de ist immer noch die aktuelle Tabelle zu bewundern

 

 

 

 

 

 

 

Links des Tages 19.01.2011


Völker Strübing schreibt auf dem Schnipselfriedhof über seine Schwierigkeiten, Leute wiederzuerkennen und hat mal jemand nicht wiedererkannt, den er … lest es selbst;

in der taz hat Alem Grabovac an allem Schuld und die Schnauze voll;

im Tagesspiegel wird der erste Teil der Comic-Trilogie „Herr der Fliegen“ gefeiert;

auf Welt Online unterhalten sich Stuckrad-Barre und Karasek über „alternativlos“, das Unwort des Jahres;

Jessica Hische hat eine schöne Grafik entworfen, die sich mit dem leidigen Thema „Should I work for free?“ befasst;

der Salis Verlag hat einen neuen Internetauftritt;

Netzpolitik berichtet über Nerdcore und Euroweb;

Gerhard Henschel und die Wahrheit über Spuk in der Nachbarschaft von Stephen King

und Hannover96.de zeigt die aktuelle Bundesligatabelle.

 

 

 

Links des Tages 18.01.2011


Thomas Lehr in der FAZ zur Debatte über den „West-östlichen Diwan“;

ebenfalls in der FAZ das neue Projekt „Dudenbrooks“ von Jochen Schmidt und Line Hoven;

die NZZ über das Suhrkamp-Archiv und die Suhrkamp-Ära;

auf ebay wird die Identität von Banksy versteigert;

auf Glanz&Elend schreibt Jürgen Nielsen-Sikora über Byung-Chul Hans „Müdigkeitsgesellschaft“;

nach Diogenes tummelt sich jetzt auch  Rowohlt auf Facebook;

auf Begleitschreiben setzt sich Gregor Keuschnig kritisch mit den Dokumentationen von Christoph Lütgert auseinander;

und auf Hannover96.de gibt es die aktuelle Bundesligatabelle zu sehen.

Meine Lieblingsbücher der zweiten Jahreshälfte 2010


Der Januar nähert sich langsam seinem Ende, hier noch die nachgereichte Favoritenliste.

zeitgenössische Belletristik

Colin McAdam: Fall

Ein Internat in Kanada, zwei Jungen, ein Mädchen. Aus einem eigentlich ziemlich konventionellen Plot konstruiert McAdam einen Roman, der sich inhaltlich und stilistisch fern jeglicher Internatsromantik  bewegt. Aus unterschiedlichen Perspektiven, mit unterschiedlichen sprachlichen Mitteln wird eine Coming-of-Age-Geschichte erzählt, die unaufhaltsam auf ein Ende zusteuert, das kein gutes sein kann. 

Erschienen bei Wagenbach

Klassiker

Michel Georges-Michel: Die von Montparnasse

Ein Roman, der ein beeindruckendes Zeugnis der Pariser Kunstszene abliefert, der lustvoll die Rauschzustände, in denen Kunst geboren wird, beschreibt und das Elend der zu Lebzeiten Glücklosen artikuliert.

Erschienen bei Walde & Graf

 

Krimi

Don Winslow: Tage der Toten

Als Krimi kommt das Buch daher, und es ist auch ein rasanter Plot, den Don Winslow da entwirft. „Tage der Toten“ ist aber weit mehr als das. Es ist der Blick in die Abgründe eines Landes, das als Spielball zwischen Organisierter Kriminalität und Machtinteressen des Nachbars im Norden immer stärker zu einem Schlachtfeld wird. Einer der besten Romane des Jahres, vielleicht sogar der beste.

Erschienen bei Suhrkamp

Sachbuch

Fritz J. Raddatz: Tagebücher 1982-2001

Jahrmarkt der Eitelkeiten, Namedroping, bösen Seitenhiebe, Lästereien, Selbstmitleid, Zweifel, Einblick in die Literatur- und Feuilletonschickeria der Bundesrepublik – ein Vergnügen.
Nach der Lektüre ist man froh, dass man nicht mit Literaten und Kulturmenschen befreundet ist, sondern mit ganz normalen Leuten.

Erschienen bei Rowohlt

Comic/Graphic Novel

Peer Meter/Isabell Kreitz: Haarmann

In Bildern, die Hannovers Altstadt und das ärmlich Leben der 20er Jahre lebendig werden lassen, erzählt dieser vorzügliche Bildroman die Geschichte von Fritz Haarmann, der bis 1924 24 junge Männer ermordete, ihre Knochen in der Leine versenkte und das Fleisch (darauf deuten Indizien hin) in der Nachbarschaft verkaufte. „Haarmann“ verzichtet dabei auf drastische Bilder. Im Zusammenspiel der eindrucksvollen schwarz-weiß-Bilder und dem behutsam verwendeten Text entstand ein eindrucksvolles Werk, dass nicht nur Chronik der Taten eines Massenmörders ist, sondern auch das Versagen von Polizei und Justiz aufzeigt.  Meisterhaft.

Erschienen bei Carlsen