Büchertipps für untern Weihnachtsbaum 2


Graphic Novel: Malet/Tardi „120, rue de la Gare“

Leo Malet ist einer der großen Kriminalautoren des 20. Jahrhunderts. Seine Romane um den Privatdetektiv Nestor Burma sind meisterhafte Portraits des Lebens in Paris. Jacques Tardi hat in Zusammenarbeit mit Malet einige der Burma-Romane graphisch umgesetzt. Das Ergebnis ist eine faszinierende Einheit von Kriminalhandlung und Bildern, in denen die Welt von Nestor Burma lebendig wird. Nestor Burma trägt zahlreiche autobiographische Züge seines Autors. „120, rue de la Gare“ ist der erste Burma-Roman – und die zweite Zusammenarbeit von Malet und Tardi -, er erschien 1943. Der Privatdetektiv betritt die Bühne, nachdem er aus dem deutschen Stalag Sandbostel entlassen und fährt mit einem Zug in die nicht besetzte französische Zone. Zuvor hat ihm ein sterbender Gefangener die Adresse 120, rue de la Gare genannt. Während eines Aufenthaltes trifft Burma einen seiner Angestellten, der ihm ebenfalls die Adresse nennt, bevor er erschossen wird. Die sich daraus entspinnende Story, die nicht in Paris, sondern in Lyon spielt, ist ein rasantes Wechselspiel aus Ungewissheiten, Doppelbödigkeiten und Albträumen, von Tardi mit zahllosen bildlichen Anspielungen und Rätseln versehen. In Schwarz-Weiß gehalten lassen die Zeichnungen das triste Leben im Frankreich der frühen Vierzigerjahre wiederaufleben. „120, rue de la Gare“ ist ein anspruchsvolles und unterhaltsames Werk, ein Muss für jeden, der sich für Krimis und Graphic Novels begeistert.

Erschienen bei Edition Moderne.

Literaturzeitschrift: edit (Jahresabo)

edit ist eine Zeitschrift für junge deutschsprachige Literatur. Herausgegeben wird sie in Leipzig, sie erscheint dreimal jährlich. Jede Ausgabe versammelt Lyrik, Erzählungen, Grafiken und Auszüge längere Texte von jungen Autoren, Rezensionen, Essays. Trotz relativ geringer Auflage ist edit eine der maßgeblichen Literaturzeitschriften, vielleicht sogar die maßgebliche. Die Herausgeber haben seit 1993 ein hervorragendes Gespür für die Entdeckung begabter Autoren. Zu denjenigen, die in edit veröffentlichten, gehören Namen wie Sibylle Berg, Marcel Bayer, Georg Klein, Jenny Erpenbeck oder Thomas Lang. Jede Ausgabe ist eine Fundgrube, die Aufmerksamkeit auf talentierte Autoren richtet und die zugleich die Entwicklung der Gegenwartsliteratur verdeutlicht.

Ein Jahresabo kostet 14 EUR, zu bestellen unter http://www.editonline.de

Sprach- und Gedankenkunstwerk: Raymond Federmann/George Chambers „Penner-Rap“

Zwei Penner, Penner Eins und Penner Zwei, treffen sich und unterhalten sich. Sie unterhalten sich über das Leben, Frauen, Sex, Geschenke, Deutschland und vieles andere. Die kurzen Passagen des Buches sind subtile Betrachtungen, Sprachspiele, Kurzessays und philosophischer Gedankenaustausch. „Penner-Rap“ – erinnert nicht von Ungefähr an „Warten auf Godot“ – ist ein Sprachkunstwerk, bei dessen Lektüre man ständig auf Sätze stößt, die schön und tiefgründig zugleich sind.

Jedes einzelne der kurzen Kapitel besitzt mehr Tiefgang als das Gesamtwerk eines Coelhos. „Penner sind vielleicht Arschlöcher, aber nicht alle Arschlöcher können Penner sein.“

Erschienen bei Suhrkamp.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s