„Ich bin nicht Brouillé“ Richard K. Breuer „Brouillé“


Ich mach so was ja nicht. Bücher im Eigenverlag taugen fast nie etwas und Bücher von Menschen zu rezensieren, die man persönlich kennt, ist auch undankbar. Hier kommt beides zusammen. Und ich mach so was ja nicht, aber diesmal doch.

„Brouillé “ ist der zweite Band eines Zyklus’, der am Vorabend der Französischen Revolution spielt. Ein Quelle im Wald, ein Schloss in der Nähe von Paris und das Dorf Clichy-sur-Bois liefern den geografischen Rahmen der Handlung.

„Brouillé “ ist ein ganz klassischer Krimi, kein Reißer, eher die Sorte Häkelkrimi. So kommt er zumindest vordergründig daher.

Ein ermordeter Gutsverwalter, dessen Tod niemanden sonderlich betrübt. Ein Marquis, ein polnischer Gelehrter und ein junger Amerikaner – hier mag Thomas Jefferson Inspiration gewesen sein – machen sich auf den Weg, die Geschehnisse aufzuklären, jeder auf die ihm eigene Weise.

Zwischendurch findet der Leser reichlich Anspielungen auf tagesaktuelle Probleme, das Dorf Clichy-sur-Bois mit seinen aus dem Süden zugezogenen Fremden, die sich den Konventionen nur schwerlich anpassen, konnte anno 1789 allerdings noch nicht gekärchert werden. Die Bezüge kommen nicht aufdringlich daher, ohne moralischen Zeigefinger; sie fügen sich in den Handlungsrahmen ein.

Die Handlung nimmt den gewohnten, ziemlich gemächlichen Krimiverlauf und es kommt, auch hier bleibt Richard K. Breuer ganz dem klassischen Kriminalroman verhaftet, zur abschließenden Versammlung aller Verdächtiger, in deren Verlauf der Täter enttarnt werden soll.

An dieser Stelle aber gibt der Autor dem Affen ordentlich Zucker. Die Lösungsansätze steigern sich in einer wunderbaren Spirale. Eine nahe liegenden Auflösung macht den Anfang, wird aber sofort wieder zugunsten einer etwas skurrileren Antwort verworfen. Dieses Spiel wiederholt sich, die Erklärungen werden immer absurder –gleichzeitig bleiben sie aber, auch dies ein Gebot des Kriminalromans, logisch. Nachdem der Fall geklärt ist, sind alle zufrieden, selbst eine Leiche ist mächtig stolz auf sich. Und dann gibt es einen großen Knall.

Der zentrale Satz des Romans lautet „Ich bin nicht Brouillé“, und wem fällt da nicht sofort Frischs „Ich bin nicht Stiller“ ein? Mir zumindest, auch wenn beide Romane sonst nichts miteinander gemein haben, man kann es aber ja mal erwähnen.

„Ich bin nicht Brouillé“ steht für das, was Breuers Roman weit mehr als die bloße Handlung auszeichnet. Der Autor hat ein feines Gespür für Situationskomik, und er versteht es, komische Dialoge zu schreiben. Brouillé existiert nämlich nicht, der polnische Gelehrte Mickiewicz soll diesen Namen zur Tarnung tragen. Kleines Problem: Mickiewicz lügt nie und fügt deshalb immer, wenn er als Brouillé vorgestellt wird, den erwähnten Satz hinzu. Für die daraus resultierenden Dialoge allein lohnt der Kauf des Buches.

Und so findet der Leser mit „Brouillé“ einen Roman, der sicher keine große Literatur ist. Er will es aber auch gar nicht sein, er will unterhalten. Und dies gelingt auf sehr angenehme Art und Weise.

Richard K. Breuer
Brouillé (sprich Bruje)
Mosaik eines Kriminalfalles
am Vorabend der Französischen Revolution
BAND II – Cahiers de Doléances – 1789

Umfang: 360 Seiten
Format: 13,5 x 19 cm
Taschenbuch mit Klappen
Verkaufspreis: € 15,90

ISBN 978-3-9502498-2-8
Auch als E-Buch erhältlich.

Informationen zu Autor, den bisher erschienenen Bänden und dem nächsten Band „Madelaine“ – für den Richard K. Breuer ein interessantes Finanzierungsmodell entwickelt hat, finden sich auf seiner Webseite.

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4 Gedanken zu “„Ich bin nicht Brouillé“ Richard K. Breuer „Brouillé“

  1. Auch von mir eine herzliche Danksagung. Ich lese gerade Rotkäppchen 2069, amüsiere mich trefflich und habe mich schon ein wenig auf die nächste Lektüre von Richard Breuer gefreut.
    Umso besser, wenn man darin bestärkt wird 😉

    Übrigens, Frau Nachbarin @bücherkinder , lesen Sie’s! Ich denke, es lohnt sich 😉

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