Das Leben der Boheme. Michel Georges-Michel: Die von Montparnasse


Paris, Montparnasse zu Beginn der Zwanziger Jahre. Der Hügel auf dem linken Seine-Ufer ist Sammelpunkt der internationalen Boheme. In den Cafes treffen sich Künstler wie Picasso, Schriftsteller wie Hemingway, Nutten, wohlhabende Ausländer auf der Suche nach Unterhaltung, erfolgreiche und erfolglose Gestalten gleichermaßen. Michel Georges-Michel, 1883 geboren, 1985 gestorben, war selbst Teil der Szene. Aus seinem Vorhaben, „das Leben der Maler unserer Generation, die in einer für die Kunst neuen Umgebung Neues versucht haben“ zu portraitieren, so schreibt er in der Vorbemerkung, entstand ein Roman. Ein Roman, der ein beeindruckendes Zeugnis der Pariser Kunstszene abliefert, der lustvoll die Rauschzustände, in denen Kunst geboren wird, beschreibt und das Elend der zu Lebzeiten Glücklosen artikuliert. Amadeo Modigliani war einer der glücklosen Künstler, denen zu Lebzeiten der Erfolg verwehrt blieb. Georges-Michel schrieb keinen biografischen Roman, seine Hauptfigur Modrulleau ist aber eine Art Ebenbild des Italieners Modigliani, auch wenn der Autor vorgibt, die Figur Modrulleaus aus verschiedenen realen Figuren zusammengesetzt zu haben. Modrulleau, fast mittellos, wird durch einen Kunsthändler ausgebeutet, malt Bilder für ein lächerliches Gehalt. Zwischen dunklem Atelier, Cafes und karger Wohnstätte verbringt er seine Tage und Nächte, getrieben von der Suche nach neuen Darstellungsmöglichkeiten. An seiner Seite die aufopferungsvolle und duldsame Geliebte, im Roman Haricot-Rouge genannt, angelehnt an Jeanne Hébuterne. Der ausbleibende Erfolg und die zunehmende Verelendung führen zu einem tragischen Ende. Verschuldet stirbt Modrulleau. Seine Werke erzielten unmittelbar nach seinem Tod hohe Preise. „Die von Montparnasse“ setzt einer einzigartigen Zeit ein Denkmal. Georges-Michel hat einen feinen Blick für das Leben der Boheme, mit all den Höhepunkten und Abgründen. Zentraler Punkt des Romans ist das (noch heute existierende)Cafe „Rotonde“, in dessen stetiger Veränderung bereits die Ahnung vom Ende dieser Epoche angedeutet wird. Hier wird diskutiert, gesoffen, gestritten, Geld geschnorrt und geträumt. Drinnen und draußen tobt das Leben und Georges-Michel zeichnet dies meisterhaft nach. Erstmals auf Deutsch wurde dieser Roman im Jahr 1931 veröffentlicht, liegt dieser atemlos zu lesende Roman in der Übersetzung von Marcus Seibert nun wieder vor und darf wiederentdeckt werden. Und vielleicht bekommt der Leser eine Ahnung davon, wie sich die ‚Pest von Montparnasse’ ihre Opfer suchte: „Eine nicht bekämpfbare seuchenartige Sehnsucht nach diesem Ort, der im Augenblick einer der interessantesten des Erdballs ist.“

Michel Georges-Michel
Die von Montparnasse
Ein Roman über die Grossstadtbohème
Mit Illustrationen von Léonard
Foujita, einem Glossar
sowie einer editorischen Notiz
Aus dem Französischen von
Marcus Seibert
(Die Originalausgabe erschien
1924 unter dem Titel «Les
Montparnos» bei Fayard.)
231 Seiten
10 einfarbige Abbildungen
15 ˣ 21 cm, gebunden

ISBN 978-3-03774-002-6
32.00 CHF / 19.95 EUR

Erschienen bei Walde & Graf

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