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Das ist mal wieder ein kleiner Test, nachdem auf XING mal wieder jemand den Sinn von SEO in Frage stellte, da er es auch ohne SEO beim Knallerkeyword Farbmischmaschinen auf Seite 1 schaffte.

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Machtfrage Change: Oltmanns und Nemeyer eröffnen neue Blickwinkel


Mit „Machtfrage Change“ haben die Autoren Torsten Oltmanns und Daniel Nemeyer bewusst einen offensichtlich provokativen Standpunkt zum Thema Change Management veröffentlicht.  „Machtfrage Change“ oder vielmehr ist Change eine Frage der Macht?

Von der ersten Seite an machen die Autoren deutlich „Mehr als 80 Prozent aller Change-Management-Projekte scheitern“. Der Gründe für das „Große Scheitern“ liegen laut „Machtfrage Change“ im Umgang mit Macht, so „reiben sich Führungskräfte in internen Machtkämpfen auf.“

Das Buch bezieht sich bereits im zweiten Kapitel ganz klar auf das Thema Change Management. Anhand von Beispielen für gescheiterte Change-Management-Vorhaben leitet das Buch den Faktor „Macht“ geschickt ein. Das Scheitern der Veränderungsprozesse wird anhand  der Beispiele analysiert. Der Grund für das Scheitern – Interessenkonflikte auf Führungsebene.

Somit ist klar: Konflikte müssen entschieden werden, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Aber Wie?

Im Weiteren gehen die Autoren auf den Kernpunkt ein, der Macht als funktionales Mittel. Die Autoren finden eine klare Definition von „Macht“ und verdeutlichen, in wie weit Entscheider Macht benötigen. Mit der Gegenüberstellung „Kooperation statt Konflikt“ oder Konflikt statt Kooperation“ stellen die Autoren die Kernfrage: „Lassen sich unvermeidbare Konflikte in Veränderungssituationen durch den Einsatz von Macht entscheiden? Die Antwort ist ein klares Ja: Change braucht Macht.“ (Seite 153)

Oltmanns und Nemeyer zeigen im Darauffolgenden inwieweit Change Management von Macht beeinflusst wird. Sie zeigen dem Leser hilfreiche Ansätze, welche den funktionalen, zielgerichteten Einsatz von Macht für erfolgreiches und Change Management abbilden.

Das Buch „Machtfrage Change“ gibt einen guten Überblick und verhilft zu einem grundlegenden Verständnis von Change Management. Die verwendeten Beispiele sind gut gewählt und verständlich. „Machtfrage Change“ ist sowohl für Themeneinsteiger, als auch für praktische Anwender ideal.

Gebundene Ausgabe: 214 Seiten

Verlag: Campus Verlag; Auflage: 1 (10. Mai 2010)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3593392038

Ein feines Näschen. Posy Simmonds „Tamara Drewe“


Stonefield ist der ideale Ort, um als mehr oder weniger erfolgreicher Schriftsteller ein angenehmes Leben zu führen. Beth Hardiman hat einen Rückzugsort geschaffen, an dem die Literaten frei von den Sorgen des Alltags ihren Eitelkeiten nachgehen und sich ganz dem Schreiben widmen können. Beth entledigt sie allen Unannehmlichkeiten des Alltags, Kochen, Putzen, Waschen sollen nicht vom kreativen Schaffensprozess ablenken. Unterstützung erhält sie von Andy, von dem niemand sehr viel weiß. Andys Familie gehörte die Farm, auf der sich das Schriftstellerrefugium befindet. Der Familienbesitz musste verkauft werden, als gescheiterter Designer arbeitet Andy als Gärtner und Hausmeister.

Zu den zeitweiligen Bewohner gehören noch diverse, meist weibliche, Hobbyautoren, die dilettierend an etwas schreiben, das ein wenig in Richtung magischer Realismus geht.

Eigentlich also eine ländliche Idylle, mitten in England.

Eigentlich. Tatsächlich aber – wie sollte es auch anders sein – ist die Idylle trügerisch.

Beths Mann Nicholas, erfolgreicher Autor von Kriminalromanen, betrügt sie regelmäßig. Mit einer Mischung aus selbstgefälliger Duldsamkeit und Resignation toleriert Beth die Eskapaden, zumal Nicholas immer wieder zurückkehrt, mehr aus Eigennutz denn aus wahrer Zuneigung.

Glen Larson, Akademiker, will seinen Aufenthalt in Stonefield nutzen, um die Arbeit an seinem Roman – dem großen Roman – voranzubringen. Seine Zeit verbringt er dann aber doch hauptsächlich mit dem, was heutzutage unter dem Begriff Prokrastination subsumiert wird, also mit allem außer Schreiben.

Der Alltagstrott wird gehörig durcheinander gewirbelt, als Tamara Drewe auftaucht und in das benachbarte Haus ihrer Eltern einzieht. Tamara zog einst nach London. Dort unterzog sie sich einer kosmetischen Operation, in der ihre Knollennase gerichtet wurde. Aus der äußerlich unscheinbaren Frau wurde eine Schönheit, die als Kolumnistin Karriere machte. Und kurz nach ihrer Ankunft in Stonefield allen anwesenden Männern den Kopf verdreht.

Soweit der ziemlich konventionelle Plot – eine Bearbeitung des Romans „Am grünen Rand der Welt“ von Thomas Hardy – , an dessen Ende zwei Tote und eine Art Happy End stehen. Posy Simmonds macht daraus ein kleines Meisterwerk.

Die Autorin hat ein feines Gespür für psychologische Kammerspiele. Ihre Zeichnungen konzentrieren sich auf Wesentliches, sie wirken ruhig. Der größere Teil ist in einem blaugrau gehalten, das immer mal wieder von einzelnen Farbakzenten durchsetzt wird. Ansonsten dominieren gedeckte, warme Farben, viel Grün und Braun ist zu sehen. An Sequenzen mit drei oder vier Panels schließen sich größere Bilder an.

Im Text wechseln sich  klassische Sprechblasen mit längeren Textabschnitten, Monologen, die neben den Bildern angeordnet sind, ab. Während fast alle Figuren in der Ich-Form sprechen,  kommt Tamara Drewe nur in Ausschnitten aus ihrer Kolumne zu Wort. Alles dreht sich um sie, der Leser aber muss sie nicht hören, um zu verstehen, warum.

Das Zusammenspiel Text-Bild funktioniert, beide Elemente sind gleichberechtigt und sorgen dafür, dass der Plot an Tiefe gewinnt.

Ich will dir den besten Fick deines Lebens verpassen. „Ein feines Näschen. Posy Simmonds „Tamara Drewe““ weiterlesen

Meine Lieblingsbücher der ersten Jahreshälfte 2010


Bald ist Fußball-WM, da lese ich weniger, deshalb heute schon meine Favoriten der ersten sechs Monate 2010.

zeitgenössische Belletristik

Thomas Lang: Bodenlos (C.H.Beck)

Klassiker

Grimmelshausen: Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch
Aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts von Reinhard Kaiser

Warlam Schalamow: Erzählungen aus Kolyma, Bd. 1-3 (Matthes & Seitz)

Krimi

Giancarlo de Cataldo: Romanzo Criminale

Sachbuch

Küster/Hoppe: Das Gartenreich Dessau-Wörlitz. Landschaft und Geschichte (C.H.Beck)

Comic/Graphic Novel

Guy Delisle: Aufzeichnungen aus Birma (REPRODUKT)

ohne Kategorie:

Volker Strübing: Mister und Missis.Sippi (Voland & Quist)

Ärgernis der ersten Jahreshälfte:

Man hatte gehofft, dass Stephenie Meyer ihren antiseptischen Vampirschmonzettenzyklus endlich bis(s) zum Erbrechen ausgereizt hatte, aber nein, das Grauen geht weiter. Van Helsing – wo sind Sie?

Und eure Favoriten?

Auf archaische Roheit zurückgeworfen. Stig Dagerman „Schwedische Hochzeitsnacht“


Hildur wird heiraten. Keine Liebesheirat; eine Vernunftsehe wird sie mit Westlund eingehen. Schwanger ist sie von einem Habenichts, den sie liebt, heiraten wird sie Westlund, Schlachter, verwitwet, doppelt so alt und halbwegs vermögend. Auf den Vater ihres Kindes wird sie nicht warten, man nimmt, was man hat. „Man nimmt, was man hat“ zieht sich als Motto durch den als Band 304 in der „Anderen Bibliothek“ erschienenen Roman „Schwedische Hochzeitsnacht“.

Der 1949 beendete Roman ist der letzte von nur vier Romanen, die Stig Dagerman Zeit seines Lebens verfasste. 1954, im Alter von 31 Jahren, nimmt  sich Dagerman das Leben. Seine kreative Lebenszeit umfasste nur vier Jahre, vom ersten Roman im Jahr 1945 bis zu „Schwedische Hochzeitsnacht“. Prägend wird eine Reise ins zerstörte Deutschland. Der Band „Deutscher Herbst“ macht den Autor auch international bekannt. Dagermans Beschreibungen aus einem zerstörten Land mit einer demoralisierten, hungernden Bevölkerung sind gekennzeichnet von Mitgefühl, der Kontrast zum vom Krieg unbeschadeten – aber nicht gänzlich unbelasteten – Schweden  wird sich auf das Schaffen des jungen Autors auswirken. Nach seiner Deutschlandreise entstehen noch zwei Romane, danach schweigt der Autor, sein Leben endet in einer abgedichteten Garage.

Mit „Schwedische Hochzeitsnacht“ führt der Autor den Leser in die Region seiner Kindheit und entwirft ein groteskes Alptraumbild des Lebens in der dörflichen Provinz. Der Mensch erscheint als von seinen Trieben gesteuertes Wesen, Triebe, die sich immer und immer wieder gegen die Vernunft durchsetzen. Verstörend ist die nahezu vollständige Abwesenheit von positiv besetzten Emotionen wie Liebe und Mitgefühl.

Die Handlung beginnt in der Nacht vor der Hochzeit, ein Fremder klopft an das Fenster von Hildurs Haus und entschwindet unerkannt.

Hildur bekommt von ihrer Mutter Ratschläge für die Ehe; Und  niemals Nein sagen, wenn er will. Die Hochzeit wird sie über sich ergehen lassen, „Und hinter den Augen hat Hildur Eis.“

Die ältere Schwester Irma blickt neidvoll und missgünstig auf Hildur, die anders als sie selbst, ihr unehelich gezeugtes Kind legitimieren kann. Für sie, die Schwester, hält das Leben nichts mehr bereit.

Robert, der Bruder, gibt sich der unglücklichen Liebe zu Rullan, Bedienung im Dorfcafe, hin, als Zeichen der Zuneigung schnitzt er ihr eine perfekte Harke; und zerstört diese später. Das ersehnte Statussymbol Motorrad ist unerreichbar.

In der Scheune haben drei Landstreicher Quartier bezogen. Westlund erwacht am Morgen der Hochzeit, bekommt Frühstück von der Magd Svea, mit der – und mit Rullan – er ein Verhältnis hat. Danach bekommt er Besuch von Simon, ebenfalls Schlachter und damit Konkurrent. Es entspannt sich ein absurder Versuch, den jeweils anderen auszustechen. Mal mit dem Verweis auf das jüngere Baujahr des Autos, mal mit der Tatsache, dass der eigene Knecht den vornehmen Namen Hagström trägt, während der andere nur ein banaler Karlsson ist. Viele Schnäpse später entschließt „Auf archaische Roheit zurückgeworfen. Stig Dagerman „Schwedische Hochzeitsnacht““ weiterlesen

Marcel Reich-Ranicki wird 90. Und ich gratuliere.


Marcel Reich-Ranicki hat sich immer an „Gegnern“ abgearbeitet, die sich auf Augenhöhe befanden.
Literaturkritik ist mitunter ungerecht und MRR selbst hat zugestanden, dass es im Wesen des Kritikers liegt, sich zu irren.

Seine Urteile waren immer fundiert, jeder Verriss und auch jede Lobrede war begründet, auch wenn die Begründungen nicht immer von jedem geteilt wurden. Reich-Ranicki hat sich dabei immer auch einer klaren Sprache bedient, seine Kritiken konnte man auch ohne literaturwissenschaftliches Studium verstehen.
Sein eigentliches Verdienst aber ist, dass er, häufig lautstark, die Literatur immer wieder ins allgemeine Bewusstsein gerufen hat, ihr eine breite Öffentlichkeit verschafft hat.
Und auch wenn seine Verrisse stärker im Gedächtnis bleiben – er hat häufiger gelobt als verrissen.
In den letzten Jahren ist er stiller geworden. Und das ist schade. Die Literatur braucht laute Stimmen.
Marcel Reich-Ranicki hat sich zum Geburtstag gewünscht, dass er noch einige Jahre bekommt.
Und das wünsche ich ihm auch.

Über die Gefahren des Nichtrauchens und andere Lebensweisheiten. P.G. Wodehouse „Mulliner schenkt ein“


Es ist schwer, ein Werk von Wodehouse exemplarisch herauszugreifen. P.G. Wodehouse zeichnete sich vor allem durch Unfähigkeit aus. Durch die Unfähigkeit nämlich, auch nur eine einzige langweilige Zeile aufs Papier zu bringen. Das konnte er nicht. Warum jeder, wirklich jeder Wodehouse lesen sollte, habe ich an anderer Stelle ausführlicher beschrieben. Seit 2000 wird P.G. Wodehouse im deutschsprachigen Raum in einer Form veröffentlicht, die seiner würdig ist, in schöner Ausstattung und in neuer, funkelnder Übersetzung von Thomas Schlachter. Der Band „Mulliner schenkt ein“ versammelt neun Erzählungen, an deren Beginn immer eine Auseinandersetzung im Schankraum des Angler’s Rest steht. Mr. Mulliner nimmt das Streitthema zum Anlass, um ungefragt– ob die Anwesenden wollen oder nicht, nur selten gelingt einem die rechtzeitige Flucht – anhand einer Begebenheit in seiner weit verzweigten Verwandtschaft die Welt zu erklären. So warnt uns Mulliner eindrücklich vor den Gefahren, die mit dem Versuch einhergehen, das Rauchen aufzugeben. Sein Neffen Ignatius nämlich, Portraitmaler von wachsendem Renommee, wurde dadurch zur öffentlichen Gefahr. Die Mußestunden zwischen seinen Aufträgen verbrachte Ignatius damit, wechselweise Ukulele zu spielen und um die Hand von Hermione, schöne Tochter der Rossiters vom Kensington Square, anzuhalten. Nach jeder Abfuhr grübelte er bei einer Pfeife darüber nach, weshalb ihn dieses schönste Geschöpf auf Erden nicht erhörte. Hilfe suchend wandte sich Ignatius an Hermiones Brüder. Cyprian, Kunstkritiker und Visage wie ein Kamel, erklärte, es liege daran, dass Ignatius Hermione an ihren Bruder George erinnere. George hingegegen, Schnorrer und Visage wie ein Schwein, erklärte, es liege daran, dass sich Hermione bei Ignatius an Cyprian erinnert fühle. Verzweifelt erstellte Ignatius Listen, und siehe da, die einzige Gemeinsamkeit der beiden Brüder: Starke Raucher! Schweren Herzens entschloss sich der Liebende, seinem geliebten Tabak zu entsagen. Schnell vorüber die Phase, in der man durch die Straßen läuft und in einem Zustand geistiger Überlegenheit auf die mitleiderregenden Raucher blickt. In der folgenden Phase der Unruhe wurde der Entschluss gefasst, der Menschheit, und besonders den Rossiters, Gutes zu tun. Kurzerhand wurde Cyprian für den nächsten Tag ins Atelier eingeladen, um die Werke Ignatius’ zu begutachten, George wurde für den nächsten Tag geladen, um ihm ein Darlehen zu geben und Mrs. Rossiter und Hermione wurden ins Atelier gebeten, um ein kostenloses Portrait der Tochter anzufertigen. Soweit wäre also alles schön geworden, wenn nicht – ja wenn nicht am nächsten Tag die Phase des „Gutes tun“ schlagartig in eine ganz, ganz andere Phase des Nikotinentzugs gewechselt hätte. Und so kommt es zu einem einzigartigen Showdown. In den anderen Erzählungen erfahren wir mehr über englische Jagdsitten und darüber, dass die Fähigkeit, ein eierlegendes Huhn zu imitieren, der Schlüssel zum privaten Glück sein kann. „Mulliner schenkt ein“ ist erstmals auf Deutsch erschienen und für Wodehouse-Neulinge ein großartiger Einstieg. Danach ist man bereit für Blandings Castle und die Begegegnung mit Bertie Wooster und seinem Butler Jeeves. Daniel Kehlmann schrieb über Wodehouse: Wodehouse nicht zu lesen, das ist so, als würde man niemals Schokolade essen. Recht hat er.

„Mulliner schenkt ein“ ist erschienen bei Edition Epoca.

  • P. G. Wodehouse
  • Mulliner schenkt ein
  • Erzählungen
  • Aus dem Englischen von Thomas Schlachter
  • Deutsche Erstausgabe
  • Gebunden
  • 238 Seiten
  • EUR 19.95 / EUR 20.60 (A) / CHF 34.00
  • ISBN 978-3-905513-48-6

Dekonstruktivismus im Kriminalroman. Gilbert Adair „Der Tod des Autors“


Gilbert Adair gehört zu den klügsten und einfallsreichsten Krimiautoren der Gegenwart. Seine Romane sind raffiniert konstruiert und heben sich auf intelligente Weise aus dem Krimieinheitsbrei, der vielfach die Bestsellerlisten beherrscht, ab. Mal sprengt er die Genregrenzen, mal seziert er den klassischen Kriminalroman, um daraus den klassischsten aller klassischen Kriminalromane hervorzubringen. So mixt er in „Mord auf ffolkes Manor“ (CH Beck) gleich drei Grundmotive – die von der Außenwelt abgeschnittene Gesellschaft, aus der jeder ein Motiv hat, es aber niemand gewesen sein kann, da die Leiche in einem von innen verschlossenen Raum gefunden wurde – zu einer Geschichte, die an Kunstfertigkeit selbst Agatha Christie übertrifft. Im Roman „Der Tod des Autors“ stellt Adair die Frage, wie weit ein (französischer) Literaturwissenschaftler gehen würde, um seine Verstrickung mit den Deutschen während der Besetzung Frankreich zu verschleiern. Nach dem Krieg zieht es Leopold Sfax in die USA, um einen Neubeginn zu starten. Niemand ahnt, dass Sfax durchaus aus Überzeugung in jungen Jahren zahlreiche Artikel verfasste, in denen er Partei für die Nazis ergriff. Sfax macht schnell akademische Karriere. Berühmt wird er mit einer Literaturtheorie, die er aus nur einem Grund verfasste; um sich von seinen Jugendsünden reinzuwaschen. Kern der Theorie ist der Dekonstruktivismus, der ein Loslösen der Person des Autors von dem Geschriebenen postuliert. Dem Autor wird die Kontrolle über das, was er schreibt, abgesprochen, das Schriftwerk wird autonom und kann Bedeutungen enthalten, die nicht in der Absicht des Autors liegen. Der Romantitel ist hier natürlich doppeldeutig, zum Tod im Kriminalroman kommt der deutliche Bezug zum literaturwissenschaftlichen Dekonstruktivismus, als dessen Motto eben „Der Tod des Autors“ steht. Geprägt wurde diese Begrifflichkeit von Roland Barthes, der sie als erster verwendetet und am konsequentesten diese Position vertrat. Zentraler Deuter literarischer Werke ist nicht mehr der Autor, sondern der Leser, erst durch seine Interpretation bekommt ein Werk seinen Sinn. Leopold Sfax vertritt in seiner Theorie aber auch Positionen Paul de Mans, zu dem es auch biographische Bezüge gibt. Nach dem Tod Paul de Mans, eines flämischen Literaturwissenschaftlers, der in Yale einen Lehrstuhl für Komparatistik innehatte, fand man heraus, dass de Man zwischen 1940 und 1941 antisemitische Texte in belgischen Zeitungen veröffentlichte. De Mans Theorie besagt, dass Texte sich rhetorischer Mittel bedienen, um einen logischen Aspekt zu vermitteln und dass die rhetorischen Mittel das Gegenteil von dem sagen, was der Text übermitteln will, die gegenseitige Bedingung von Blindheit und Einsicht. Aber genug der Literaturtheorie und keine Angst, es ist auch ein Roman, an dem Nicht-Literaturwissenschaftler viel Freude haben werden. Der Romantext ist auf mehreren Ebenen verteilt. An eine fiktive Biographie Sfax’ schließt sich die wahre Biographie an, eine Studentin taucht auf, um Sfax’ Biographie zu verfassen. Leopold Sfax will diese Gelegenheit nutzen, um sich endgültig von der Schuld aus seiner Vergangenheit zu befreien. Und bald gibt es auch den ersten Toten, weitere Tote folgen. Die Erzählperspektive wechselt, am Ende wird ein Toter zum Erzähler. Gilbert Adair treibt ein munteres Spiel mit dem Leser, führt ihn immer wieder auf ungeahnte Wege. Mit der „Der Tod des Autors“ gelingt Adair quasi die Quadratur des Kreises, nämlich aus Literaturtheorie und dem Spiel mit Intertextualität einen äußerst unterhaltsamen Krimi zu formen, ein großes Vergnügen.

„Der Tod des Autors“ ist erschienen bei Edition Epoca.

  • Gilbert Adair
  • Der Tod des Autors
  • Roman
  • Aus dem Englischen von Thomas Schlachter
  • Format: 13 x 19 cm, Gebunden mit Schutzumschlag
  • 154 Seiten
  • EUR 19,95, Fr. 36.-
  • ISBN 3-905513-08-0
  • 1997, Edition Epoca, Zürich