„Ich habe in meinen Fotografien nichts mitzuteilen, keine besondere Aussage zu machen.“ Araki meets Hokusai


Araki meets Hokusai (Doppelband)

„Pornographie!“ rufen die einen, „Kunst!“ rufen die anderen. Die Fotografien des Nobuyoshi Araki rufen immer wieder zwiespältige Reaktionen hervor. Nobuyoshi Araki gehört zweifellos zu den renommiertesten Fotokünstlern der Welt. 1940 in Tokio geboren, lebt und arbeitet er bis zum heutigen Tag in der japanischen Hauptstadt. Sein künstlerischer Weg begann mit der Fotografie von Alltagsszenen, bekannt wurde er mit dem Band „Sentimental Journey“, in dem er Fotos seiner Hochzeitsreise veröffentlichte. Ein, wenn nicht gar das zentrale Thema seiner Arbeit wurde aber die erotische Fotografie, die sich immer auf dem schmalen Grad bewegt, der Erotik von Pornografie trennt. Araki selbst hat diesen Unterschied nicht gemacht, „Ich habe in meinen Fotografien nichts mitzuteilen, keine besondere Aussage zu machen.“ sagt er. Insofern können seine Arbeiten beim oberflächlichen Blick als pornografisch interpretiert werden, teils wurden sie auch in Pornomagazinen veröffentlicht. Die Bilder verbergen nichts. Es greift aber zu kurz, ihn auf den pornografischen Aspekt zu reduzieren. Die Bilder sind sorgfältige Inszenierungen, in denen die Kunst der erotischen Fesselung, Shibari, prägend ist. Was heute gemeinhin unter dem Begriff Bondage subsumiert wird, kann in Japan auf eine lange Tradition zurückgreifen. Auffallend ist das Selbstbewusstsein seiner Modelle, in den Blicken findet sich nichts Erniedrigtes. Der Körper ist gefesselt, der Geist ist frei. Araki bewegt sich in Traditionslinien, die er immer wieder bricht und modifiziert. Gegenstände aus der Alltags- und Popkultur stehen gleichberechtigt neben traditionellen Gewändern und überlieferten Gesten. Wie stark, wenn auch nicht sofort erkennbar, der Bezug zu tradierten japanischen Darstellungsformen ist, erschließt der zweite Band mit japanischen Holzschnitten aus der Sammlung Thun. In der Gegenüberstellung lassen sich Bezüge herstellen, finden sich Motive, die in den Fotografien Arakis aufgegriffen werden. Die Holzschnitte stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, neben Blättern von Hokusai bieten vor allem die Arbeiten von Katsukawa Shuncho und Ikeda Yoshinobu Eisen Darstellungen, die man im Werk Arakis wieder findet. Der Doppelband ist der Katalog einer Ausstellung, die 2008 in der Kestnergesellschaft Hannover stattfand.

Erschienen bei Kehrer.

Zwei Bücher im Schuber
17,5 x 25,5 cm
288 Seiten
201 Farbabbildungen

Deutsch/Englisch
ISBN 978-3-939583-78-3
38 Euro
2008

Coverbild: Kehrer Verlag

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