So hätte James Joyce geschrieben, wenn er nicht bescheuert gewesen wäre. Flann O’Brien „Auf Schwimmen-Zwei-Vögel“


O’Briens Roman gehört sicher zu den ungewöhnlichsten Romanen der Weltliteratur. Die Handlung? Nun ja, ein Student versucht sich als Autor und beginnt einen Roman mit drei Anfängen (ein vierter kommt rasch hinzu) und einer offenen Anzahl von Enden. Er entwirft eine staatliche Anzahl von Figuren, er wechselt die Gattungen, die Handlungen mäandern so vor sich hin, das Ende rückt in immer weitere Ferne. Es kommt der Zeitpunkt, an dem die Figuren die Schnauze voll vom ziellosen Hin und Her haben, sich in einem Kino versammeln und mit dem Autor Klartext reden, damit die Sache endlich ein Ende habe. Der 1939 erschienen Text entzieht sich jeglicher Kategorisierung, es ist ein beispiellos aberwitziges Buch. O’Brien mixt gnadenlos Alltags-Stereotypen mit keltischen Mythen, parodiert den Typus des genialischen Dichters, haut auf literarische Theorien ein, kommentiert seine Arbeit innerhalb des Textes und schafft damit noch eine dritte Textebene und bleibt dabei vor allem: unheimlich komisch. Als Myles na gCopaleen (Myles von den Pferdchen) schrieb O’Brien lange Zeit eine Kolumne für die Irish Times. In dieser führte er häufig einen Dialog mit dem „einfachen irischen Volk“. Das einfache irische Volk bescheinigte „Auf Schwimmen-Zwei-Vögel“ dann auch: „So hätte James Joyce geschrieben, wenn er nicht bescheuert gewesen wäre.“ Und ob der Roman nun Vorreiter der Postmoderne ist oder tatsächlich das sinnfreieste Meisterwerk der Weltliteratur nach Ulysses – vollkommen egal. Wer immer auch einen Sinn für Absurdität hat und dieses Buch noch nicht gelesen hat, der hole das schleunigst nach. Übersetzt wurde es, und damit schließt sich der heutige Kreis, von Harry Rowohlt. „Auf Schwimmen-Zwei-Vögel“ ist in der O’Brien-Gesamtausgabe oder einzeln zu erhalten. Als Hörbuch ist es ebenfalls bei Kein & Aber erhältlich.

Da es im Buchhandel unter Umständen als „nicht lieferbar“ geführt wird (es aber lieferbar ist), bestellt man es besser gleich über den Verlag selbst.

Adventskalender-Overkill und drei Empfehlungen


Nachdem in den letzten Tagen gefühlt jeder zweite Tweet bei Twitter einen Link zu einem ganz, ganz, aber echt wirklich ganz ganz tollen Adventskalender enthielt und man gar nicht soviel Glühwein trinken konnte, um das zu ertragen, hab ich dann doch drei wirklich nette Kalender gefunden, bei denen der weihnachtliche Gedanke nicht  das Sammeln von E-Mail-Adressen ist.

Da hätten wir zuerst das Twitteratürchen der Protextbewegung. Mal einfach (heute), mal etwas schwerer gilt es eine literarische Figur anhand eines Tweets zu erkennen. Zu gewinnen gibt es täglich den Titel „Twitterkönig“ und was für ins Bücheregal zu stellen.

Dann haben wir da den Karlas Adventskalender auf Buchkolumne. Täglich per Videopodcast verlost Karla Bücher oder Anverwandtes. Dass sie dabei eine Nikaulausmütze trägt – die ich, außer natürlich beim Nikolaus selbst, eigentlich nur noch bei Trägern aus der tiefsten Provinz verortet hätte,  in Hannover auf dem Weihnachtsmarkt erkennt man daran den Braunschweiger – ist dann auch egal, die Arbeit, die sie in den Kalender steckt, verdient, dass ihr Blog von Besuchern überrannt werden  wird.

Schlussendlich ein Kalender, der die Essenz von Allem beinhaltet.