Die Besten Bücher 2009 – Meine Wahl


Auf lovelybooks läuft bis zum 13. Dezember die Abstimmung zum Leserpreis 2009. Da steht dann „Unendlicher Spaß“ in der Kategorie „Allgemeine Literatur“ neben „Die Hütte“, und sowieso hab ich von allen nominierten nur drei Bücher gelesen, zwei aus der Kategorie „Krimi“, eins aus der Kategorie „Bestes Cover“.

So denn hier meine ganz eigenen, völlig undemokratisch ermittelten Bücher 2009.

Kategorie „Allgemeine Literatur“

Tom McCarthy; 8 1/2 Millionen (diaphanes)

Kategorie „Romantik“

Erin Cosgrove; Die Baader-Meinhof-Affäre (blumenbar)

Ist ein bisschen geschummelt, der Roman wurde 2005 veröffentlicht, aber egal.

Kategorie „Krimi“

Don Winslow; Frankie Machine (Suhrkamp)

Kategorie „Fantasy“

Gordon Dahlquist; Die Glasbücher der Traumfresser (Blanvalet)

Die Entscheidung fiel leicht, Fantasy-Romane hab ich in den letzten 12 Monaten genau einen gelesen. Gäbe es eine Kategorie Science Fiction, dann hätte Dietmar Daths „Die Abschaffung der Arten“ haushoch gewonnen. Und dies nicht nur, weil es der einzige Science Fiction Roman war, den ich las.

Kategorie „Historischer Roman“

Dieses Genre glänzt selten mit literarischen Höhepunkten, Jaume Cabres „Senyoria“ (Suhrkamp) sei zumindest lobend erwähnt.

Kategorie „Bester Titel“

Weisse Wannen – technisch und juristisch immer wieder problematisch? (Deutscher Beton- u. Bautechnik-Verein e.V. Stuttgart Fraunhofer-Informationszentrum Raum u. Bau (Herausgeber)

Kategorie „Bestes Cover“

Dietmar Dath; Sämmtliche Gedichte (Suhrkamp)

Kategorie „Bester Klappentext“

Thomas Kapielski; Mischwald (edition suhrkamp) – er lautet: Kunst ist schlimmer als Heimweh

Und dann noch ein paar Kategorien, die ich bei lovelybooks vermisse.

Kategorie „Sachbuch“

Da kann ich mich nicht entscheiden zwischen:

Sigrid Damm; Das Leben des Friedrich Schiller. Eine Wanderung. (insel)

und

Ulrich Rauff; Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben (C.H.Beck)

Kategorie „Bildband“

Christoph Brech; ROM (Wienand)

Kategorie „Hörbuch“

P.G. Wodehouse; Ohne mich, Jeeves! Gelesen von Felix von Manteuffel (Edition Epoca, 8 CDs)

Kategorie „Da wird mir schon beim Lesen des Klappentextes kotzübel“

William P. Young; Die Hütte. Ein Wochenende mit Gott. (Allegria)

Kategorie „In keiner Kategorie erwähnt, aber trotzdem unbedingt kaufen“

Wolfgang Welt, Doris hilft (Suhrkamp)

William Butler Yeats; Irlands Königreich der Schatten (JUNG UND JUNG)

Harry Rowohlt; Gottes Segen und Rot Front (Kein & Aber)

Nachtrag: Ich hab natürlich ganz viele wirklich gute Bücher vergessen, Thome wäre zu erwähnen, und Federman, und und und.


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Das größte Operndrama von allen ist die Hinrichtung eines Menschen. Mo Yan „Die Sandelholzstrafe“


SandelholzstrafeEs ist ein untergehendes Imperium, in dem Mo Yans epischer Roman „Die Sandelholzstrafe“ angesiedelt ist. Das 20. Jahrhundert steht vor der Tür und die Qing-Dynastie, seit dem 17. Jahrhundert Herrscher über China, ist innenpolitisch zum Spielball der westlichen und japanischen Kolonialmächte geworden. Erstarrt in überholten Ritualen erweist sich die Dynastie als unfähig, sich selbst zu reformieren. Die Kolonialmächte haben Kaiserinwitwe Cixi umfangreiche Rechte abgerungen. In der Provinz Shandong bauen deutsche Ingenieure und chinesische Kulis eine Eisenbahnstrecke, deren Verlauf nahe der Provinzstadt Gaomi, Heimat von Mo Yan und Handlungsort der meisten seiner Romane, durch die Ruhestätten der Ahnen führen soll.

Vor dieser historischen Kulisse setzt die Handlung ein. Der Begriff Kulisse ist nicht nur im übertragenen Sinn anzuwenden. Yans Roman orientiert sich im Aufbau an der Katzenoper, einer traditionellen, volkstümlichen Opernform. Im Nachwort stellt der Autor den prägenden Einfluss der Katzenoper auf sein Schreiben heraus. Bereits in jungen Jahren verfasste er ein Oper in neun Akten, die den Titel des Romans trägt und aus der einzelne Passagen den Kapiteln vorangestellt sind. Die Geschichte basiert auf einem (historischen?) Stoff, der bereits zum Zeitpunkt der Romanhandlung Einzug in die Volksoper fand.

„Die Sandelholzstrafe“ ist Gesellschaftspanorama und tragisch-komische Familiengeschichte.
Als Hauptpersonen treten auf:
Meiniang, Tochter von Sun Bing, verheiratet mit Xiaojia, hat eine heftige Affäre mit Qian Ding
Zhao Jia, Vater von Xiaojia, vormals Henker am kaiserlichen Hof in Peking
Xiaojia, Schweine- und Hundemetzger, geistig verwirrt
Sun Bing, Vater von Meiniang, Erneuerer der Katzenoper
Qian Ding, Präfekt der Provinz

Gleich zu Beginn offenbart Meiniang dem Leser, dass sie am Ende des Romans ihren Schwiegervater Zhao Jia töten wird. Der Alte ist ein Meister seiner Profession, als Henker am Kaiserhof hatte er die Kunst der Hinrichtung perfektioniert. Einen letzten Auftrag bekommt er, nachdem Sun Bing die Schändung und Ermordung seiner Frau und Kinder bei einem durch deutsche Soldaten vollführten Massaker rächte. Sun Bing wird zum Anführer einer Rebellentruppe, die das Lager der Eisenbahnerbauer angriff. Er wird gefasst und zum Tode verurteilt. Um ein Exempel zu statuieren, soll sich seine Hinrichtung über fünf Tage hinziehen, pünktlich zur Eröffnung der Linie soll Sun Bing sterben. Zhao Jia wählt die Sandelholzstrafe aus, in deren Verlauf ein Sandelholzstab quer durch „Das größte Operndrama von allen ist die Hinrichtung eines Menschen. Mo Yan „Die Sandelholzstrafe““ weiterlesen