Kandinsky. Das druckgrafische Werk


Kandinsky CoverIn diesem Katalog zur im März beendeten Ausstellung im Lenbachhaus München sind sämtliche 230 Druckgrafiken Kandinskys enthalten. Die Ausstellung zeigt erstmals seit 1966 das grafische Gesamtwerk des Wegbereiters des Expressionismus, Schöpfer des ersten abstrakten Bildes der Kunstgeschichte, Lehrer am Bauhaus in Weimar, Dessau und Berlin. Exemplarisch lässt sich anhand der Druckgrafiken der Wandel von der gegenständlichen Darstellung hin zum Abstrakten nachvollziehen. Die frühesten Grafiken, aus den Jahren 1902 und 1903, fangen Alltagszenen ein („Promenade“ (1902) oder „Am Strand“ (1903), bedienen sich aus dem Fundus russischer Märchen und spiegeln die Fülle russischer Trachten wieder. Beeindruckend in ihrer Schlichtheit die „Hügellandschaften aus dem Jahr 1904. Erste Ansätze zur Verfremdung werden deutlich.

Die meisten der versammelten Grafiken entstammen der Zeit vor 1911, dem Jahr, in dem Kandinsky und Franz Marc den Blauen Reiter gründeten. Kandinsky benutzte bis zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich die Technik des Holzschnitts. Mit der Entwicklung der abstrakten Malerei erfahren die Grafiken nicht nur eine Änderung des Bildgegenstands, auch die Technik verändert sich, Kaltnadelradierungen und Lithographien dominieren. In der Lithographie sah Kandinsky eine Annäherung an das handgemalte Bild, „sie erzeugt einen gewissen Ersatz für das Bild.“ (Kandinsky)

Bezeichnend ist, dass die ersten Lithographien zeitgleich mit seiner Berufung an das Bauhaus in Weimar entstanden, entspricht die Lithographie doch den Prinzipien des Bauhaus – preiswerte Herstellung in großen Mengen. Die Radierung gilt Kandinsky als aristokratisches, im Gegensatz zur demokratischen Lithographie, da nur wenige Blätter hergestellt werden und die Vorlage nicht zu korrigieren ist. Die Verwendung der unterschiedlichen Techniken und die daraus resultierenden gestalterischen Möglichkeiten lassen sich im besonderen Maße im 1922 gefertigten Zyklus „Kleine Welten“ beobachten.

Die letzte Grafik ist mit 1942 datiert, das zeitliche Spektrum umfasst somit die ganze Schaffensperiode eines der einflussreichsten Künstlers des 20. Jahrhunderts. Der Katalog ist ergänzt durch begleitende Beiträge von Melanie Horst, Volker Adolphs und Christoph Schreier. Die Ausstellung ist noch bis zum 12. Juli im Kunstmuseum Bonn zu sehen, danach wird sie im Sprengel Museum Hannover gezeigt.

Buchauszüge

Kandinsky. Das druckgrafische Werk

Hg. Helmut Friedel, Annegret Hoberg
Texte von Volker Adolphs, Melanie Horst, Christoph Schreier
Texte in Deutsch und Englisch
296 Seiten mit 237 farbigen und 45 s/w Abb.
24,5 cm x 29,5 cm
Halbleinen
Preis: EUR 44,00 (SFr 75,00)
ISBN 978-3-87909-964-1

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