Bachmannpreis 2009 – Der zweite Tag, Teil 1


Bachmannpreis 2009 – Der zweite Tag, Teil 1

Der Vormittag.

1. Linda Stift (auf Vorschlag von Karin Fleischanderl): Die Welt der schönen Dinge

Der Text beschreibt das Innere eines Flüchtlingstransporters. Von Schleppern in einem LKW zusammengepfercht berichtet die Erzählerin von Enge, vom Verlust jeglicher Intimsphäre. Dies geschieht teilweise sehr detailliert, alles verdichtet sich. Der der Text bleibt unbestimmt, wenn es um die Gründe geht, die Menschen dazu treiben, ihre Heimat zu verlassen und unter Lebensgefahr eine neue zu suchen. Linda Stift packt da in einer Aufzählung alles rein, was jedem von uns auch einfallen würde.

Und dies ist auch das Problem des Textes. Sein Inhalt ist sehr ambitioniert, aber leider „Bachmannpreis 2009 – Der zweite Tag, Teil 1“ weiterlesen

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Bachmannpreis 2009 – Der erste Tag


Der erste Tag ist vorüber, die ersten fünf Autoren haben gelesen.

1. Lorenz Langenegger (auf Vorschlag von Alain Claude Sulzer): Der Mann mit der Uhr

Ein ziemlich dröger Beginn mit der Geschichte eines Mannes, Viktor, der in einer dunklen Hinterhofwohnung lebt, eher Einzelgänger, aber mit Freundin, Angst davor für einen Sonderling gehaltzen zu werden. Einen Job hat er nicht, obwohl er sich darum bemüht. Er sitzt gern auf Bänken auf  dem Spielplatz oder dem Friedhof sitzt. Dort trifft er einen Mann, der Zeit totschlägt, bis eine Entscheidung zu seiner beruflichen Karriere gefällt und ihm per Telefon mitgeteilt wird. Um die Aufregung zu unterdrücken, beginnt dieser Mann, Viktor von seinem (unspektakulären) Privatleben zu erzählen. Nach einer Stunde erhält er den Anruf mit dem positiven Bescheid und verschwindet grußlos.

Das alles ist dröge, stilistisch nicht auf der Höhe, mit hölzernen Dialogen. So richtig punkten kann er damit bei der Jury nicht, man könnte das Urteil vielleicht zusammenfassen: So lala.

Schwacher Auftakt.

2. Philipp Weiss (auf Einladung von Karin Fleischanderl): Blätterliebe

Ein Text über das Schreiben von Texten. Oskar, Autor, kommt mit Krämpfen und Übelkeit in die Notaufnahme. Der Arzt ermutet Überempfindlichkeit – typisch Künstler. Seine Freundin Simone, Kindergärtnerin, wacht auf, ohne zu wissen, wo Oskar ist, ist wütend und liebt ihn zugleich. Schlussendlich ist die Ursache von Oskars Beschwerden der am Abend vorher beendete Text, der als Mageninhalt im Beutel landet.

Stilistisches Element des Textes sind ständige Wiederholungen. Der Text kreist dadurch um sich selbst, ist verkünstelt. Das ist grundsätzlich noch kein Anlass zur Kritik. Aber Weiss nervt, „Bachmannpreis 2009 – Der erste Tag“ weiterlesen

Tage der deutschsprachigen Literatur 2009 – Bachmannpreis


Alle Informationen zu den diesjährigen Tagen der deutschsprachigen Literatur findet man auf den offiziellen Seiten.

Alle Informationen? Nein, eine Information hört nicht auf, der Auffindung Widerstand zu leisten!

Eigentlich ist die Seite zum Bachmannpreis durchaus lobenswert und durch das Text- und Video-Archiv eine schöne Fundgrube.

Aber liebe Gestalter von bachmannpreis.eu: Es ist immer eine gute Idee, bei einer Veranstaltung den genauen TERMIN selbiger zu nennen. Und zwar groß und an prominenter Stelle und nicht irgendwo auf einer Unterseite versteckt. Für alle, die keine Lust zum suchen haben:

Die Eröffnung ist heute, 24.6., am Abend. Gelesen und diskutiert wird zwischen Donnerstag und Samstag. Der Preis wird am Sonntag vergeben.

Kleinere, unabhängige Verlage: Voland & Quist


Der in Sachsen beheimatete Verlag wurde 2004 von Sebastian Wolter und Leif Greinus gegründet. Der Name ist ein Konstrukt aus zwei literarischen Gestalten. Voland ist der Teufel in Bulgakows „Meister und Margarita“, Quist, als charakterlicher Gegenpart zu Voland, ist der Figur des Quinten Quist aus Mulischs „Die Entdeckung des Himmels“ entlehnt, einer Figur, die den himmlischen Auftrag ausführt, die mosaischen Gesetzestafeln in den Himmel zu bringen. Die Schwerpunkte des Verlagsprogramms liegen auf Lesebühnenliteratur, spoken-word-lyrics, und auf zeitgenössischer Literatur aus Osteuropa, die in der Reihe Sonar erscheint. Lesebühnenliteratur bedingt Hörbarkeit und aus diesem Grund liegt jedem Buch von Voland & Quist eine CD oder DVD bei, die umfangreiche Auszüge aus den Werken enthält. Als einziger Verlag im deutschsprachigen Raum verbindet Voland & Quist konsequent die beiden Medien Buch und CD. Mehr Informationen auf

Voland & Quist.de

Dort finden sich auch Hör- und Leseproben zu allen Veröffentlichungen. Der Verlag betreibt auch ein spannendes Verlagsblog Hier finden sich regelmäßig Informationen, Videos und Interviews. An dieser Stelle mal noch ein Kompliment für die Präsentation im Internet, an der sich die meisten Verlage ein Beispiel nehmen können.

Empfohlen:

Jochen Schmidt: Schmidt liest Proust

Edo Popović: Kalda

Kleinere, unabhängige Verlage: Zeter & Mordio


Zeter & Mordio – Verlag für Nebenwelten
Ein Verlag aus meiner direkten Nachbarschaft, der Nordstadt in Hannover.  Zeter & Mordio wurde im Jahr 2004 von maYa birken gegründet. Der Verlag bietet verschiedenen Künstlern eine Plattform, um ungewohnten Ansätzen nachzugehen und künstlerischen Austausch jenseits vom Mainstream zu ermöglichen. Zeter & Mordio organisiert auch zahlreiche literarische Veranstaltungen, nicht nur im Raum Hannover, sondern bundesweit, deshalb auch das Motto: Wir wollen Literatur unters Volk bringen und nicht in Bücherregalen verstauben lassen.
Sämtliche Informationen und Termine sind auf http://www.zeterundmordio.de zu finden.
Und dass maYa Birken nicht nur Verlegerin, sondern auch Grafikdesignerin ist, sieht man den Veröffentlichungen auch an.

Empfohlen:

Toby Hoffmann: Luftsprengen

maYa birken und mehmet yaman (Hrsg.) : not testified. moderne mythen

twitternde Verlage


Mittlerweile nutzen zahlreiche Verlage Twitter. Ich hab an dieser Stelle mal nur Verlage aus dem Bereich Belletristik ausgewählt und auch nur Verlage, die regelmäßig Twitter nutzen.

Kein & Aber

Voland & Quist

zeter & mordio

Patmos

Mare

Berlin Verlage

Worthandel

Dörlemann

Bernstein Verlag

KiWi

Piper

Randomhouse

Eichborn

Verlag vergessen? Ergänzungen bitte als Kommentar.

Meine Lieblingsbücher der ersten Jahreshälfte 2009


Wieder mal Zeit für eine Zwischenbilanz. Die Favoriten aus den Monaten Januar – Juni 2009.

Wolfgang Welt: Doris hilft. (Suhrkamp)

Raymond Federman: Pssst! Geschichte einer Kindheit. (Weidle)

Thomas Kapielski: Mischwald (edition suhrkamp)

Christian Hawkey: Reisen in Ziegengeschwindigkeit (kookbooks)

Harry Rowohlt: Gottes Segen und Rot Front. (Kein & Aber)

Briefwechsel Goethe-Schiller im Blog und in Echtzeit


Morgen, am 13. Juni 2009 startet ein Blog, in dem der Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller in Echtzeit veröffentlicht wird. Echtzeit bedeutet, dass 1011 Briefe jeweils am Tag des Verfassens, zeitversetzt um 215 Jahre, im Blog veröffentlicht werden. Das Projekt ist auf 11 Jahre angelegt, dem Zeitraum  des Briefwechsels.Unter Briefwechsel Schiller-Goethe lässt sich die Korrespondenz verfolgen.

Idee und Umsetzung: Dr. Giesbert Damaschke

Die Situation der Indie-Verlage. Voland & Quist über Risiken und Chancen


Im Voland & Quist Verlagsblog ist eine spannende Betrachtung zum Ist-Zustand der Indie-Verlage zu finden. Besondere Bedeutung misst V & Q dabei dem Internet zu:

Da wir unabhängigen Verlage kaum Einfluss darauf haben, ob wir im Buchhandel oder in den Feuilletons stärker wahrgenommen werden, müssen wir andere Wege finden, mit Lesern direkt in Kontakt zu treten. Man kann und muss das auf Messen, Buchmärkten, Lesefestivals usw. tun – und ergänzend dazu vor allem über das Internet. Hier stehen wir im Moment fast gleichberechtigt neben den großen Verlagen: Bei Facebook z.b. haben Voland & Quist oder mairisch mehr Fans als KiWi oder Klett-Cotta, ein Blog ist im Netz so nah wie der andere, professionelle Webpräsenzen kosten weniger als eine große Anzeige in der FAZ.

Indie-Verlage seien näher an ihrem Zielpublikum,  ein Vorteil den großen Publikumsverlagen gegenüber.

Der ganze Artikel im Voland & Quist Verlagsblog.

alle finden es toll, nur kaufen tut kaum einer


Lyrik zu verlegen ist ein hartes, ein fast aussichtsloses Geschäft. Viel gelobt werden diejenigen Verlage, die es dennoch wagen. Kaufen kann man sich von diesem Lob aber nichts und einen Verlag finanzieren schon gar nicht. Kookbooks machte Anfang des Jahres mit der Aktion „Kunst braucht Mäzene“ auf die prekäre Situation aufmerksam und vor Kurzem gab Urs Engeler, Verlag Urs Engeler Editor, vielfach für seine verlegerische Arbeit ausgezeichnet, bekannt, dass dem diesjährige Herbstprogramm kein weiteres Programm folgen wird. Urs Engeler Editor ist, neben Kookbooks und luxbooks einer der wenigen Verlage, die konsequent Lyrik veröffentlichen. Zumindest bis zum Herbst 2009. Zu den Autoren gehören Pasolini, Pastior, E.E. Cummings, Michael Donhauser und Gellu Naum.

Der Verlag konnte sich nie allein tragen, seit der Gründung 1995 wurde er von einem Mäzen unterstützt. Dieser hat nun das Ende seines finanziellen Engagements verkündet. Und wenn nicht noch ein kleines Wunder geschieht, dann verliert die deutschsprachige Verlagslandschaft ein weiteres Kleinod.

Ganz hoffnungslos ist es nicht, Urs Engeler gegenüber dem Börsenblatt:

Wenn von jedem Buch, das ich im Buchhandel absetzen konnte, noch ein Exemplar nachbestellt worden wäre, wären wir nicht in der Bredouille. Wenn sie dieses eine auch noch streichen, potenzieren sich natürlich die Schwierigkeiten. Wenn sie das verkaufte noch mal nachbestellen, möglicherweise sogar ein zweites versuchen – dann könnten wir weiter machen. So banal ist das. Ansonsten werde ich natürlich alles tun, um die Bücher lieferbar zu halten. Ich will ja weiter machen, ich möchte, dass diese Bücher gelesen werden.

Bestellen kann nicht nur der Buchhandel, sämtliche Bücher können direkt über die Verlagsseite bezogen werden. Man muss es einfach nur machen!