Eine Welt zwar bist du, o Rom. Christoph Brech: ROM. Ein Fototagebuch


Brech_Rom.inddImmer schon war Rom der Anziehungspunkt für Künstler, die ihre Spuren in Rom hinterließen und ihre Sicht von Rom in alle Welt trugen. Goethe beginnt die Römischen Elegien mit

Saget, Steine, mir an, o sprecht, ihr hohen Paläste!
Straßen, redet ein Wort! Genius, regst du dich nicht?

Um die Stadt sprechen zu lassen, bedarf es der Liebe und so endet die erste Elegie mit den Worten

Eine Welt zwar bist du, o Rom; doch ohne die Liebe
Wäre die Welt nicht die Welt, wäre denn Rom auch nicht Rom.

Christoph Brech liebt. Er liebt die Stadt und in seinem Foto-Tagebuch liefert er einen unvergleichlichen Einblick.
Zwischen März 2006 und Februar 2007 verbrachte der Münchner Foto- und Videokünstler als Stipendiat der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo ein Jahr in Rom. Neben anderen Arbeiten entstand in dieser Zeit der vorliegende Bildband. Ungewohnte Motive eröffnen neue Sichtweisen, die sich abseits vielfach dokumentierter Szenerien bewegen. Alltägliches neben scheinbar Austauschbaren, scheinbar Bekanntes wird durch eine neue Perspektive zu etwas Unbekanntem. Hinter vielen Bildern verbirgt sich eine Geschichte, die sich dem Betrachter erst nach intensivem Blick erschließt. So entstehen Wechselspiele zwischen den jeweils gegenüber befindlichen Bildern, die Bilder zeugen von Brechs kompositorischer Raffinesse. „ROM. Ein Foto-Tagebuch“ ist ein Kaleidoskop voller trauriger, fröhlicher, dramatischer und melancholischer Bilderzählungen.
Man spricht gern, häufig zu Unrecht, von opulenten Prachtbänden, aber mir fällt in diesem Fall keine treffendere Bezeichnung ein.

ROM. Ein Fototagebuch ist bei Wienand erschienen.

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Stapel ungelesener Bücher. Update 6


Neuzugänge in den letzten  Wochen:

Stephan Thome: Grenzgang (Surhkamp)

Rose Tremain: Der weite Weg nach Hause (Suhrkamp)

Abraham Verghese: Rückkehr nach Missing (Insel)

Peter Bosch: Der Spurenzeichner (Albatros)

Philip Kerr: Die Berlin-Trilogie (Rowohlt)

Ugo Riccarelli: Der vollkommene Schmerz (Zsolnay)

Auf dem Stapel:

Meriwether Lewis & Wiliam Clark: Tagebuch (Zweitausendeins)

Chandler Brossard: Wacht auf! Wir sind gleich da! (Rogner & Bernhard)

David Lodge: Therapie und Denkt. Zwei Romane in einem Band. (Gerd Haffmans bei Zweitausendeins)

Sir Arthur Conan Doyle: Memories and Adventures (Wordsworth Literary Lives)

Matias Faldbakken: Unfun (Blumenbar)

Donald A. Prater: Thomas Mann. Deutscher und Weltbürger. (Hanser)

Matthias Frings: Der letzte Kommunist (Aufbau)

Ralf Rothmann: Feuer brennt nicht (Suhrkamp)

Ingo Schulze: Handy (Berlin Verlag)

Ketil Bjornstad: Vindings Spiel (Suhrkamp Tb)

Ketil Bjornstad: Der Fluß (Insel)

Peter Crane: Wir leben nun mal auf einem Vulkan (Weidle)

Hanne Kulessa: Der Große Schwarze Akt (Weidle)

Raymond Federmann: Pssst! Geschichte einer Kindheit (Weidle)

Chuck Palahniuk: Das letzte Protokoll (Goldmann)

Ian Flemming: James Bond jagt Dr. No (Heyne)

Hanns-Josef Ortheil: Die Nacht des Don Juan

Plutarch: Die großen Griechen und Römer, Bd. 1 (Wunderkammer)

Dietmar Dath: Dirac (Suhrkamp)

Donald Windham: Dog Star (Lilienfeld)

Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

Nick Hornby: A long way down

Markus Werner: Am Hang

Peter Handke: Der Bildverlust oder Durch die Sierra de Gredos

Lewis Carroll: Sylvie und Bruno

Runter vom Stapel, beendet oder in “Bearbeitung”:

Zeus Weinstein: Das umfangreiche Sherlock Holmes Handbuch (Kein & Aber)

Ursula Krechel: Shanghai fern von wo (Jung & Jung)

Philip Kerr: Die Berlin-Trilogie (Rowohlt)

Renatus Deckert: Die Nacht, in der die Mauer fiel (Suhrkamp Tb)

Das Schlechtschreiben sollten sich eigentlich nur Leute erlauben, die stetig hohe Auflagen loswerden. Thomas Kapielski: Mischwald


kapielski coverEr hat Merve gerockt, hat das Zweitausendeins-Niveau nochmals angehoben und nun mischt er die altehrwürdige edition suhrkamp auf.

Nichts weniger als die Gottesbeweise hat er einst niedergeschrieben (Zweitausendeins Taschenbuch), Merve führt ihn in einer Reihe mit Foucault, Virillio und Deleuze und den Bachmann-Preis hat er auch nicht gewonnen. Nun also Suhrkamp, was ja dann auch schlüssig ist, mehr Berliner als Kapielski geht nicht und Suhrkamp kann ihn dann einfach fragen wenn eine richtige Kneipe für die Verlagsweihnachtsfeier gesucht wird.

Mischwald ist die Prosa-Sammlung betitelt, ein Beinahe-Tagebuch. Der Band schließt sich an das 2004 erschienene Weltengunst an, mit dem sich Kapielski vorerst von der längeren Prosaform, dem schriftgewordenen atemlosen Vortrag von Einem, der, einmal in Fahrt gekommen, nicht mehr zu stoppen ist, zugunsten von kurzen und kürzesten Textpassagen verabschiedet hat.

Gleich zu Beginn der Aufzeichnungen erklärt Kapielskis alte Wirkungsstätte, die Braunschweiger Kunsthochschule, auf Anfrage des Stern, Herr Kapielski sei am 14.1.2006 verstorben. Irrtum ausgeschlossen. Und unbeirrt führt Kapielski Buch über das Dies und das Das, über Alles und Jedes.

Aus der Kombination von sieben Flaschen Salvator und einem Andre-Rieu-Konzert im Fernsehen entsteht ein einzigartiger Rauschzustand, der einige Anstrengung erfordert, nicht wonnetrunken einzupuschen.

Leise Töne werden angeschlagen, seine Ehe wird geschieden, das Verhältnis zu seinem Sohn verschlechtert sich.

Weggefährten und Stammtischbrüder sterben und Kapielski denkt über seinen Grabstein nach. Macht bloß so weiter! Soll draufstehen.

Zornig wird Kapielski ob der duckmäuserischen Reaktionen auf die Morddrohungen „Das Schlechtschreiben sollten sich eigentlich nur Leute erlauben, die stetig hohe Auflagen loswerden. Thomas Kapielski: Mischwald“ weiterlesen