Irgendwie nett. Daniel Kehlmanns „Ruhm“


kehlmann1Daniel Kehlmann kann es. Er versteht sein Handwerk, er hat ein Gespür für raffinierte Plots und seine Texte sind von einer Leichtigkeit, die selten zu finden ist.
„Ruhm“ besteht aus neun kunstvoll ineinander verwobenen Geschichten, in denen sich Realität und Phantasie verflechten. Da ist der Mann, der aus Versehen die Mobilfunknummer eines bekannten Schauspielers bekommt und für einen kurzen Augenblick am Telefon dessen Identität annimmt, da ist der Schauspieler, der auf einmal keine Anrufe mehr bekommt. Ein Bestsellerautor, der mit esoterischen Geschwafel international erfolgreich ist, schreibt einen Brief, in dem er sein ganzes Werk negiert – schöner Seitenhieb auf Herrn Coelho – und eine Krimiautorin verschwindet auf einer Reise in Zentralasien. Ein weiterer Autor schlachtet das Leben ihm nahe stehender Menschen aus und eine Ärztin einer Hilfsorganisation hat genau davor Angst.
Immer wieder mischt sich ein allmächtiger Autor, nennen wir ihn Daniel Kehlmann, in das Leben seiner Figuren ein, Fiktion wird zur Wirklichkeit, Wirklichkeit zur Fiktion.
Es stört auch nicht wirklich, dass man den Figuren recht teilnahmslos begegnet, Zuneigung oder Abscheu stellt sich nicht ein. Dazu sind sie gelegentlich zu überzeichnet, vor allem der Nerd Mollwitz ist bloße Karikatur.
Alles zusammen ergibt rund 200 Seiten, die, nun ja, nett sind. Und genau da liegt das Problem. „Ruhm“ ist nett zu lesen, es gibt wenig, was man an dem Buch wirklich kritisieren kann. Es ist eine kleine Mahlzeit zwischendurch, mehr als drei bis vier Stunden benötigt man nicht. Aber sie mundet nur beim Essen. Der Geschmack verfliegt schnell, man erinnert sich kurz danach schon nicht mehr daran, etwas gegessen zu haben. Und zwei Stunden später hat man wieder Hunger.

„Ruhm“ ist erschienen bei Rowohlt.

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3 Gedanken zu “Irgendwie nett. Daniel Kehlmanns „Ruhm“

  1. Hallo,

    genau so sehe ich das Buch auch. Von einem Daniel Kehlmann hätte ich mehr erwartet, wenn die Unterhaltung eben ganz „nett“ war, mehr aber eben auch nicht. Schade, denn schließlich ist es auch recht teuer für das bisschen Stoff bzw. Papier.
    Mir hat besonders gut die Geschichte von der alten Dame gefallen, die in die Schweiz zum Sterben fuhr. Genau diese wird aber auch überall gelesen und zitiert und nur deswegen muss man sich das Buch wirklich nicht kaufen!

    Viele Grüße,

    Karla

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