Gucken wie New York. Andreas Stichmanns Erzählband „Jackie in Silber“


stichmannDieser Band versammelt 11 Erzählungen und ist zugleich das literarische Debüt des 1983 geborenen Andreas Stichmann. Beeindruckend geht Stichmann mit dem Material Sprache um, die Erzählungen entwickeln langsam, zunächst fast unmerklich einen Sprachsog, dem man nicht entrinnen kann, dem man nicht entrinnen will. Mit minimalen Mitteln lässt Stichmann in jeder Erzählung eine abgeschlossene Welt entstehen. Die Geschichten handeln von Menschen, die versuchen, in oftmals absurden Situationen zu bestehen, ihren Alltag zu meistern. Fast immer scheitern sie, aber sie scheitern mit Würde, der Autor stellt seine Figuren niemals bloß, irgendwo am Horizont ist fast immer ein Funken Hoffnung. In einer der besten Erzählungen des Bandes, „Die Blumen“ sucht der Ich-Erzähler, ein konventioneller Mann im mittleren Alter, nach menschlicher Nähe und Anerkennung. Er kümmert sich um die alte Nachbarin, geht deren Enkelin zur Hand, die ihm dafür mit Gefühlskälte begegnet, die sie als Coolness ausgibt. Charlotte zeigt ihm zwar irgendwann ihre Vagina, aber alles endet in Sprachlosigkeit und Unverständnis. Und doch, ganz am Ende stellt der Erzähler das Blumenbild fertig, an dem er seit langer Zeit arbeitet. In dieser Erzählung zeigt sich auch in besonderem Maß Stichmanns Talent zur feinen Komik. Charlotte Jensch, die Enkelin, „will offensichtlich fremd erscheinen, schlendert etwas polnisch oder isländisch umher und guckt irgendwie New York.[…] sie sagt „Reality is a believe system. Da ist es klar, dass sie vom Dorf kommt.“ Andreas Stichmann erhält für „Jackie in Silber“ im Sommer 2009 den Clemens-Brentano-Preis der Stadt Heidelberg.

Erschienen bei mairisch.

Informationen und Leseprobe

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