Noch ein paar Buchtipps. Unkommentiert.


Im Jahr 2008 ebenfalls gelesen und für gut befunden:

Richard David Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele? (Goldmann)

Roberto Cotroneo: Diese Liebe (Insel)

Perihan Magden: Zwei Mädchen. Istanbul-Story (Suhrkamp)

Ingeborg Bachmann/Paul Celan: Herzzeit. Briefwechsel (Suhrkamp)

Hans Magnus Enzensberger: Hammerstein (Suhrkamp)

Rüdiger Safranski: Romantik. Eine deutsche Affäre (Hanser)

James Hamilton-Paterson: Kochen mit Fernet-Branca (Klett-Cotta)

Massimo Carlotto: Die dunkle Unermesslichkeit des Todes (Tropen b. Klett-Cotta)

Supatopcheckerbunny & Hilfscheckerbunny: Was wir uns überlegt haben zu verschiedenen Themen! (Fischer)

Freistil. Best of European Commercial Illustration 3. (Verlag Hermann Schmidt Mainz)

Meisterwerke der Buchkunst. (Taschen)

Lyrik für Anfänger und Fortgeschrittene. Toby Hoffmann „luft sprengen“


luftsprengen-coverGewonnen hat er den Ravensburger Literaturpreis, aufgetreten ist als Performance-Poet in ganz Europa. „luft sprengen“ ist ein Lyrikband, an dem auch diejenigen Freude haben werden, die vor Gedichten eher zurückschrecken. 45 Gedichte, sprachschön, zornig, einfühlsam aber nicht gefühlsduselig, traurig aber nicht wehleidig.
Die Gedichte rennen gegen Inhaltsleere an, gegen Autoritäten und gegen Stumpfsinn.
Toby Hoffmann
„macht sich gedanken darüber
was wohl besser ist
ein buch oder eine frau“
und liefert Texte, die knallen, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt.
Lyrik ist schwierig? Quatsch, man muss sich nur trauen! Und „luft sprengen“ ist ein Band für Anfänger und Fortgeschrittene.

Toby Hoffmann „luft sprengen“

ISBN 978-3-9809552-7-0
Taschenbuch, 2007, 140 Seiten

Erschienen bei Zeter & Mordio, dort im Shop erhältlich oder im Buchhandel

Bielefeld und andere Legenden. maYa birken und mehmet yaman (Hrsg.): not testified – moderne mythen


In diesem Buch sind Beiträge von 18 Autoren versammelt, die sich auf sehr unterschiedliche Weise mit dem Thema der Entstehung und Wirkung von urbanen Legenden beschäftigen. In „Not testified“ wird der Frage nachgegangen, was dran ist an der Bielefeld-Theorie, wie Gerüchte entstehen und mit welchen Auswirkungen sie sich verbreiten und wie man im Internet Wahres von Falschem unterscheidet.
not testified Cover2.inddDie Anthologie ist aber kein populärwissenschaftliches Sammelwerk. Jeder Autor stellt seine ganz eigene Sichtweise dar. Dadurch entsteht eine textliche Formenvielfalt, die man wohl so nirgendwo anders findet. Mal lyrisch, mal erzählend, mal wissenschaftlich verleiten die Beiträge dazu, eigene Wahrnehmungen zu hinterfragen, ohne in biedere Ernsthaftigkeit zu verfallen. Alles getreu dem vorangestellten Zitat von Charles Haddon Spurgeon: Die Lüge reist einmal um die Erde, während sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.
Zu den Autoren gehören unter anderem der Soziologe Prof. Dr. Johannes Stehr, ZEIT-Kolumnist Christoph Drösser, der Journalist und Blogger Patrick Gensing und der Lyriker und Kabarettist Mirco Buchwitz.
„Not testified“ ist nicht nur unterhaltsam, das Buch wurde auch von den Herausgebern äußerst ansprechend gestaltet.
Und das Bielefeld in Wahrheit nur da ist, um einer Gruppe Außerirdischer als Landeplatz zu dienen, das haben wir doch schon immer geahnt.

„Not testified“

ISBN 978-9809552-2-5
Taschenbuch, 2006, 216 Seiten mit zahlreichen Illustrationen, 13,90 EUR,

ist im Buchhandel und direkt bei Zeter & Mordio erhältlich.

Exotik, Abenteuer und die Göttin Kali – Emilio Salgaris Die Geheimnisse des schwarzen Dschungels


cover_esalgari_001Deutschland hat Karl May, Frankreich Jules Verne, England Sir Henry Rider Haggard und Italien hat Emilio Salgari.

Als Schriftsteller erlangte er durch seine Abenteuerromane auch über Italien hinaus Bekanntheit. Der 1862 in Verona geborene Salgari war ein Vielschreiber, er veröffentlichte in weniger als 30 Jahren zwischen 82, die Zahl ist gesichert, und 105 Romanen, die genaue Anzahl kann nicht festgestellt werden.

Berühmt wurden vor allem sein Zyklus über den schwarzen Kosaren und die 11-bändige Sandokan-Reihe. Der erste Band dieser Reihe, „Die Geheimnisse des schwarzen Dschungels“, ist gleichzeitig auch Teil des ersten Verlagsprogramms des Wunderkammer Verlags.

Salgari wurde in Deutschland auch als der italienische Karl May bezeichnet. Die Biographien beider weisen etliche Parallelen auf, auf die Dr. Paolo Barbon im Vorwort eingeht. Beide Autoren haben die Schauplätze, die sie in ihren Romanen beschrieben, nicht bereist. Karl May unternahm seine Orient- und Amerikareise erst nachdem er die wichtigsten Werke verfasst, Salgari hat mit Ausnahme einer Kreuzfahrt von Venedig nach Brindisi, mit einem Abstecher nach Dalmatien, zeitlebens keine größere Reise unternommen.

Beide Autoren erzielten mit ihren Werken riesige Auflagen. Anders aber als Karl May gelang es Salgari nicht, seine Erfolge auch in Wohlstand umzusetzen. Kleines Kuriosum am Rande: Salgari hat unter Pseudonym den Roman Il Figlio del Cacciatore d’Orsi , eine Raubübersetzung von Mays Der Sohn des Bärenjägers veröffentlicht.

Deutschland und Italien kamen im großen Wettlauf um die Kolonien zu kurz, deshalb blieb, im Gegensatz zu England, das Verhältnis zu außereuropäischen Kulturen ein vermitteltes. In „Die Geheimnisse des schwarzen Dschungels“ wird dies besonders deutlich durch die zahlreichen Beschreibungen von Landschaften, Flora und Fauna. Allesamt scheinen sie direkt aus diversen Nachschlagewerken abgeschrieben zu sein, der lexikalische Stil ist nicht zu überlesen. Der Text ist gespickt mit fremdartigen Namen und Bezeichnungen, die dem zeitgenössischen Leser einen Hauch von Exotik vermitteln sollten.

Der Roman erschien zuerst zwischen Januar und April 1887 als Fortsetzungsroman in einer Tageszeitung. Dementsprechend unvermittelt beginnt auch die Handlung, „Exotik, Abenteuer und die Göttin Kali – Emilio Salgaris Die Geheimnisse des schwarzen Dschungels“ weiterlesen