Lesen! mit Elke Heidenreich wird fortgeführt. Im Internet.


Nachdem das ZDF aus bekannten Gründen Elke Heidenreichs Sendung „Lesen!“ abgesetzt hat, wird jetzt monatlich eine neue Folge auf den Seiten der Litcologne zu sehen sein.

Die erste Folge gibt es hier.

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Ein wahrhaft närrisches Unterfangen. Ulrich Holbein „Narratorium“


Von echten und falschen Narren, von Dennis Abner, Katzenmensch bis Zirpuanna, Unratberührer. Ulrich Holbeins gewaltiges „Narratorium“.

holbein-coverWelchen Weg beschreitet jemand, der „unfähig zu praktischem Beruf“ ist, dem das Ziel Philosoph ebenso verschlossen bleibt, „zuwenig Homophonie“, wie Asket oder Sexsüchtiger, „zuwenig Humorlosigkeit“, und dem es auch nicht zum Mystiker reicht, da „zuviel IQ und zuviel Wissen um Hirnphysiologie“? Nun, im Fall Ulrich Holbeins bekommt die Welt einen der ungewöhnlichsten Autoren deutscher Zunge. Gewöhnlichkeit ist seine Sache nicht und Gewöhnlichkeit ist auch nicht Sache der 255 fiktiven und realen Figuren, deren Lebensabriss in „Narratorium“ versammelt ist.

 

In Brants „Narrenschiff“ geht stolz voran der Büchernarr, der von sich sagt „Danñ jch on nutz vil bűcher han Die jch nit lyß / vnd nyt verstan“. Holbein hat verstanden, deshalb trifft auch zu „Wer vil studiert / würt ein fantast“. Ein Fantast ist er, der Universalbelesene.

 

Ulrich Holbein wurde 1953 in Erfurt geboren, seine Familie machte 1957 rüber. Als studierter Theo- und Biologe und freier Maler arbeitete er auch mal als Hilfspfleger. Seit Ende der 70er hat er sich ganz dem Leben als Autor verschrieben, in diversen Verlagen sind diverse Bücher erschienen, darunter „Ein wahrhaft närrisches Unterfangen. Ulrich Holbein „Narratorium““ weiterlesen

Packendes Debüt. Mireille Zindel „Irrgast“


zindel_irrgast_cover_wElisabeth Vil, Ärztin aus Zürich, erlebt, wie ihr verhasster Freund vor ihrer Haustür ermordet wird. Sie entzieht sich daraufhin völlig der Außenwelt, meidet jegliche sozialen Kontakte. Erst als die resolute Anna unvermittelt auftaucht und sich in Elisabeths Leben drängt, beginnt sie wieder, sich ganz langsam aus ihrer Starre zu lösen. Das hört sich jetzt erstmal wie ein Film mit Veronica Ferres in der Hauptrolle an, ist aber Literatur weit jenseits von irgendwelchem Betroffenheitskitsch. „Irrgast“ kommt mit einem Minimum an Personen aus, ist eine Mischung aus Kriminalroman und psychologischer Erzählung auf engstem Raum. Während der Suche nach dem Mörder verwischen sich die Wahrnehmungsebenen, Traum und Wirklichkeit sind bald nicht mehr voneinander zu trennen, die Handlung nimmt unerwartete Wendungen. Plötzlich ist Elisabeth selbst des Mordes verdächtig, ein Kater taucht auf und Anna verschwindet.

Sprachlich auf das Notwendige reduziert, ist „Irrgast“ ein packender, eindringlicher und wundersamer Roman, das literarische Debüt von Mireille Zindel.

„Irrgast“ ist im Salis Verlag erschienen.

Chancenlos und doch … David Signer: Keine Chance in Mori


signer_mori_cover_wTheaterregisseur Serge hat endlich die Chance, an einem renommierten Theater ein Stück zu inszenieren. Dann erhält einen Anruf des einflussreichen Herrn Cronenberg, Vater seiner Freundin und von Max. Der ist in Westafrika verschwunden, wo er für eine Versicherung eine Risikoanalyse anfertigen sollte. Cronenberg erteilt Serge den Befehl, sich auf die Suche nach Max zu machen. Es wird eine Reise ohne Wiederkehr, der Leser erfährt dies bereits auf der ersten Seite.

Serge erhält immer wieder E-Mails von Max, in denen dieser berichtet, dass er sich mit Fatou verlobt hat und diese scheinbar von Rebellen entführt wurde. In Afrika angekommen, findet sich zunächst keine Spur des Verschwundenen, nur ein paar Schriftstücke geben vage Hinweise. Es entwickelt sich eine abenteuerliche Suche, auf der Serge durch einen Hexer den Hinweis auf ein Rebellennest in der Wüste namens Mori bekommt. Serge reist dorthin und immer stärker verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Bald kann er nicht mehr unterscheiden, wer Freund und wer Feind ist und weiß nicht mehr, welches Spiel mit ihm gespielt wird. Am Ende erkennt Serge, dass er keine Chance hat und doch …

„Keine Chance in Mori“ ist der erste Roman des Ethnologen David Signer. Ein kluger, gut geschriebener und spannender Unterhaltungsroman.

Erschienen bei Salis.

Die persönlichen Bücher des Jahres 2008


1. ein Buch, das man immer wieder lesen kann:

Thomas Mann „Buddenbrooks“

2. ein Klassiker:

Herman Melville „Moby Dick“

3. ein besonders schön gestaltetes Buch:

ausnahmsweise zwei Antworten:
Maria Cecilia Barbetta: „Änderungsschneiderei LOS MILAGROS“
und
das Verlagsverzeichnis 2007/2008 des Verlags Hermann Schmidt Mainz

4. ein besonders unterhaltsames Buch:

David Signer „Keine Chance in Mori“

5. ein Sachbuch, das man lesen sollte:

Kathrin Passig/Sascha Lobo „Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin“

6. mein persönliches Buch des Jahres:

Marcel Beyer „Kaltenburg“

7. ein Buch, über das ich mich geärgert habe:

Ein richtig schlechtes Buch war in diesem Jahr nicht dabei, etwas enttäuscht war ich von Sven Regeners „Der kleine Bruder“ .

8. kein Buch, aber doch ein Geschenktipp:

„Simon Templar“, die Serie auf DVD (die würde zumindest ich gern geschenkt bekommen)

9. ein Buch, das ich auch 2008 wieder nicht geschafft habe zu lesen:

James Joyce „Ulysses“

Mehr Antworten gibt es bei XING, in der Gruppe „Bücher, Bücher, Bücher“

Und eure Bücher 2008?