Vier Stimmen und die Suche nach Glück.


Andrea Levy: Eine englische Art von Glück

Vier Stimmen, die zwei Paaren gehören, erzählen in diesem Roman von Hoffnung, Liebe, Armut, Krieg und Rassismus. Gilbert und Hortense sind im Jahr 1948 von Jamaika nach London gezogen. Sie beziehen eine heruntergekommenes Zimmer im Haus von Queenie, einer attraktiven Engländerin. Deren Mann Bernard ist fast drei Jahre nach Kriegsende immer noch verschollen, aus seinem Einsatz in Indien ist er bisher nicht zurückgekehrt. Beide Paare verbindet zu diesem Zeitpunkt keine Liebe. Hortense heiratete Gilbert, der bei der Royal Air Force diente, lieh ihm Geld für die Reise nach England, damit er sie nachhole. Ihr Traum ist es, in England als Lehrerin zu arbeiten, in Jamaika hat sie eine Ausbildung am Leherausbildungscollege in Constant Spring absolviert. Insgeheim hofft sie auch, eine Spur von ihrer Jugendliebe Michael, der im Krieg in der RAF kämpfte und verschollen ist, zu finden. Stolz ist sie auf ihr perfektes Englisch, das Englisch von Wordsworth und Shakespeare. In England angekommen, muss sie feststellen, dass sie niemand versteht, ihr Englisch ist nicht das Englisch im Jahr 1948. Auch von den Lebensumständen ist sie entsetzt, die Hauptstadt des Commonwealth war in ihrer Vorstellung das Paradies, das sich in der Realität als wenig paradiesisch erweist. Gilbert arbeitet als Fahrer bei der Post und beide müssen sich mit dem Alltagsrassismus auseinandersetzen, das Mutterland heißt sie nicht willkommen und auch Hortenses Traum von der Arbeit als Lehrerin platzt.
Queenie lebt nach dem Tod ihres Schwiegervaters allein und vermietet die Zimmer an Jamaikaner, was den Zorn der Nachbarn erregt. Eines Tages steht ihr Mann vor der Tür, er hatte sich nach der Rückkehr aus Indien noch zwei Jahre in Brighton verkrochen, um an einer vermeintlichen Syphilis zu sterben, die sich letztlich als harmlose Entzündung entpuppte. Nach der Heimkehr ergeht er sich in rassistischen Sprüchen und versucht, die Jamaikaner aus dem Haus zu vertreiben.

In Rückblenden wird die Lebensgeschichte der vier Personen erzählt, jede Figur erzählt mit ihrer eigenen Stimme. Im Laufe der Zeit finden sich Überschneidungen der einzelnen Lebenswege, Hortense war in ihren Cousin Michael verliebt, der Jamaika wegen einer Affäre verlassen musste, in die RAF eintrat und in England ein kurzes Verhältnis mit Queenie beginnt. Queenie und Michael sehen sich nach dem Krieg nochmals und dieses Beisammensein wird Folgen haben, die das Leben der beiden Paare verändern.

Von Andrea Levys Roman wurden in Großbritannien mehr als 1 Million Exemplare verkauft, die Tochter jamaikanischer Auswanderer gewann mehrere renommierte Literaturpreise. „Eine englische Art von Glück“, im Original „Small Island“, ist ein opulenter Roman voller Tragik und trotzdem ein optimistisches Buch. Immer wieder finden sich Stellen, die wunderbar komisch sind und zumindest für Gilbert und Hortense scheint sich letztendlich der Traum vom Glück zu erfüllen.

Der Roman wurde von Bernhard Robben ins Deutsche übersetzt und ihm ist es zu verdanken, dass die speziellen Sprachstile der einzelnen Personen erhalten blieben. Vor allem die Übersetzung des jamaikanischen Englischs barg einige Schwierigkeiten, die Robben aber perfekt gemeistert hat.

„Eine englische Art von Glück“ ist jetzt als Taschenbuch bei Suhrkamp erschienen.

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