Versoffenes Viech


Das Federschwanz-Spitzhörnchen tankt regelmäßig große Mengen alkoholhaltiger Getränke und wird trotzdem nicht besoffen. Zusammen mit seinen Kumpels, anderen Kleinsäugern, veranstaltet es nächtliche Zechgelage an der Bertam-Palme und süppelt dort große Mengen vergorenen Blütennektars. So sieht es aus, irgendwie wirkt es schon ein bisschen angetüdert, oder? Das Federschwanz-Spitzhörnchen kann Alkohol offenbar deutlich schneller abbauen als der Mensch. Und da Tiere ja nichts ohne Grund tun, nehmen Wissenschaftler an, dass die sich durch den Suff ergebenen psychologischen Effekte für das Spitzhörnchen von Nutzen sind. Außerdem deute die Beobachtung darauf hin, dass übermäßiger Alkoholkonsum nicht erst seit der Erfindung des Biers eine beliebte Freizeitbeschäftigung ist. So berichtet zumindest SPON. Für mich jedenfalls ist die Wahl zum „Tier des Jahres“ entschieden, eindeutiger Sieger nach Punkten: das Federschwanz-Spitzhörnchen, da kann der Wisent ( Tier des Jahres 2008 ) einpacken. Der steht bloß doof in der Gegend rum und kackt auf die Wiese, aber davon, wie man sich einen prima Abend macht, davon hat der keine Ahnung.

Ich hab keine von 121,617,892,992


121,617,892,992, das ist die Zahl der Seiten, die cuil, DIE neue, hyperfantastische, Google in allen Belangen überlegene neue Suchmaschine durchsucht. Blöd nur, dass meine Seiten da nicht dabei sind. Geht aber nicht nur mir so, auch andere haben ein Existenzproblem.

Bescheidenheit scheint aber eine Stärke von cuil zu sein, die Suchhanfrage „cuil“ zeigt cuil nicht unter den ersten fünfzig Treffern an.

Von Augsburg nach Zürich über das Scheißkaff. Peter Hein: Geht so


Peter Hein (der Peter Hein von Fehlfarben) ist als Flaneur unterwegs, unterwegs abseits touristischer Pfade, mitunter auch auf den Pfaden, aber eher selten. Ziellos erkundet er Orte, die mal exotisch sind (Aschaffenburg oder Bad Salzungen), mal mittelmäßig bekannt (Berlin, Hamburg) oder auch überall sein können (Scheißkaff oder Irgendeine). Den Blick auf das Nebensächliche, das Abseitige gerichtet, im Versuch, drohender Unterhopfung entgegenzuwirken, sind Heins Wegbeschreibungen mal pauschal wertend, mal liebevoll, mal angewidert, erstaunt, gelangweilt – aber nie langweilig. So hat Augsburg „irgendwo einen amtlichen Dom, Name entfallen“, Alte Meister, „Ein paar Flamen, also Gemüse und Häfen“, Brecht, dessen Spuren unbeachtet bleiben und vor allem eine beachtliche lokale Brauereiszene. Insgesamt also „eine rundum angenehme Überraschung“, dieses Augsburg. Mitunter sind Städte auch nur Schein, in Zürich morgens festgestellt, dass „man doch Luzern – oder was auch immer- mit Zürich verwechselt“ hat und das berühmte Verkehrshaus auf einen Besuch noch warten muss. Und auch zu Berlin fällt Hein nur eine Aufzählung der Clubs ein, in denen er irgendwann mal gespielt hat. Interessanter sind da die Un-Orte, Industriegebiete, Vorstädte, die austauschbaren Innenstädte und die Erkenntnis, dass alles noch viel schlimmer sein könnte.
Erschienen im Lilienfeld Verlag

Nächte mit Cărtărescu I


Mannmannmann, aber ich hab es mir ja ausgesucht. Mircea Cărtărescu, Die Wissenden. Was für Sätze. „Was sollte ich tun, wenn ich, immer tiefer und tiefer hinabsteigend in die Katakomben des Imaginären, dessen Boden durchstieße und mich wiederfände in Gesellschaft der schreckenrregenden, blut- und spermabeschmierten Götzen der Archetypen, der Triebe Hunger und Durst, des Brechreizes?“ Der Roman beginnt, der 15-jährige Mircea erkundet sich selbst und mein Gesichtsausdruck ähnelt dem Theo Huxtables, der sich einmal in einer Folge der Cosby-Show die Macbethlektüre ersparen will, eine Schallplattenaufnahme besorgt und schon an der Hexenszene scheitert. Nachdem seine Eltern auch durchschauten, „Nächte mit Cărtărescu I“ weiterlesen

Ornithologie als Mittel zur Geschichtsschreibung – Marcel Beyer „Kaltenburg“


Ornithologie finde ich ja mindestens so spannend wie Synchronschwimmen oder Schnittmusterbögen. Und nun ein Roman, dessen Titelheld Ornithologe ist. Man erfährt viel über Vögel, insbesondere über Dohlen, über die Wissenschaft Ornithologie ganz allgemein, über das Abbalgen von Vogelkörpern und stellt sich sehr schnell die Frage: Will ich dies wissen? Die Antwort: Irgendwie schon!

Im Zentrum steht die (fiktive) Figur des international renommierten Ornithologen Ludwig Kaltenburg, die Geschichte wird erzählt von Herman Funk, nach Kriegsende Schüler an Kaltenburgs Institut in Dresden-Loschwitz. Bereits als kleiner Junge lernte Funk Ludwig Kaltenburg kennen, ein Freund der Familie, bis es zu einem plötzlichen Zerwürfnis „Ornithologie als Mittel zur Geschichtsschreibung – Marcel Beyer „Kaltenburg““ weiterlesen

»Da war alles nur Dreck und Verderben.« Churchills Bericht über den Sudan-Feldzug


1898 bemüht sich der junge Winston Churchill um einen Offiziersposten, um an der Rückeroberung des Sudan teilzunehmen. Vom Oberkommandierenden Sir Horatio Herbert Kitchener zunächst abgelehnt, gelingt es Churchill, durch die weitreichenden Beziehungen seiner Familie eine Schwadron der 21st Lancers, einer Kavallerieeinheit, als Offizier zu führen. Die Reisekosten muss der junge Churchill selbst tragen. Obwohl nicht unvermögend, deckt er seine Unkosten mit Beiträgen für die Morning Post. Aus den überarbeiteten Beiträgen und zahlreichen Ergänzungen entsteht 1899 der Bericht, der im Juni als Band 282 unter dem Titel „Kreuzzug gegen das Reich des Mahdi“ in der Anderen Bibliothek erschien.

Mehr bei Glanz&Elend.

 

TUBUK DELUXE – Klasse statt Masse


Bertelsmann setzte auf Masse und möchte sich jetzt von der Buchklubsparte trennen, TUBUK setzt auf Klasse und startet mit einem neuen Buchklub. Der im Frühjahr gestartete Online-Buchhändler hat sich der Förderung von Independent-Verlagen verschrieben und belebt jetzt das angestaubte Prinzip „Buchklub“ neu. Unter dem Namen TUBUK DELUXE wird aller drei Monate ein besonderes Buch aus dem Sortiment ausgewählt und an die Mitglieder verschickt, aktuell ist es Jörg Fausers „Rohstoff“. Der monatliche Mitgliedsbeitrag liegt bei durchaus erschwinglichen 6 EUR, die Mitgliedschaft kann in jedem Quartal gekündigt werden.

TUBUK führt über 30 unabhängige Verlage im Sortiment, u.a. zeter & mordio, weissbooks, Blumenbar und den Lilienfeld Verlag.

Facebook, XING und Co. müssen zittern


Kann Lars Hinrichs noch ruhig schlafen? Mächtige Konkurrenz zieht heran und könnte die Social Network-Platzhirsche bald verdrängen. Niemand geringerer als David Hasselhoff schickt sich an, den Markt zu erobern. Und der hat ja bekanntlich auch die Mauer zum Einsturz gebracht (naja, vermutlich ist sie dann doch lieber freiwillig gefallen), dagegen ist so ein Social Network nur noch Kinderkram.

Wissen, wo’s langgeht: Strübel & Passig


Ob Literaturwissenschaft für Einbrecher ( „Ein Fernseher wiegt etwa 40 Kilo und bringt beim Hehler um die 100 Euro ein. Ein einziges Compact Oxford English Dictionary […] lässt sich dagegen mit seinen fünfeinhalb Kilogramm in einer Hand abtransportieren und wird gebraucht ab 200 Euro gehandelt. […] Mit Büchern im Schuber können Sie gar nichts falsch machen.“) oder „Wissen, wo’s langgeht: Strübel & Passig“ weiterlesen