Meine Lieblingsbücher der ersten Jahreshälfte


Auch wenn der Juni grad erst begonnen hat, während der Fußball-EM wird das Lektürepensum etwas eingeschränkt.

Meine Top 5

1. Clemens Meyer: Die Nacht, die Lichter.

Großartige Erzählungen eines großartigen Schriftstellers. Einfühlsam ohne Gefühlsduselei erzählt Clemens Meyer vom Scheitern, vom kleinen, aber flüchtigen Glück. Seine Figuren stehen am Rand der Gesellschaft und Clemens Meyer holt sie von dort in die Mitte der Literatur. Zu Recht mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.

Erschienen bei S. Fischer.

2. Carl-Henning Wijkmark: Die Jäger auf Karinhall.

Auf Karinhall versammeln sich 1936  Staatsgäste, Monarchen, ein kleinwüchsiger U-Boot-Kommandant, ein norwegischer Marathonläufer (der für die Briten spioniert), trotzkistische Attentäter und dutzende Prostituierte um Hermann Göring. Es beginnt eine mehrtägige Orgie, es wird gevögelt in allen denkbaren Konstellationen, gesoffen und gefressen und die Handlung treibt auf ein desaströses Ende zu. Der Roman ist skurril, drastisch und satirisch – ein großes Lesevergnügen und nichts für Zartbesaitete.

Erschienen bei Matthes & Seitz.

3. Jaume Cabre: Die Stimmen des Flusses

Ein Roman, in dem die Frage „Täter oder Opfer?“  fortwährend neue Antworten findet, in dem am Ende nichts so ist, wie es am Anfang scheint. Ein Verrat aus dem spanischen Bürgerkrieg beeinflusst das Leben der beteiligten Familien bis in die heutige Zeit. „Die Stimmen des Flusses“ ist ein Roman über die ewigen Themen Liebe und Hass, Verrat und Freundschaft, Gewalt und Religion. Und es ist ein wahrhafter Schmöker, spannend erzählt, keine einzige Seite der rund 660 Seiten langweilt.

Erschienen bei Insel.

4. Otto E. Ehlers: Samoa

Ein Stück deutscher Kolonialgeschichte,  Ehlers‘ Aufzeichnungen aus dem Jahr 1894. Der teils nationalistisch-deutschtümelnde, teils sehr sachliche Bericht aus dem damals noch nicht deutschen Samoa ist ein faszinierendes Dokument, stellenweise von einer Komik, die an Mark Twain erinnert.  Politisch folgenreich wurde „Samoa“ zu einem großen Erfolg. Ehlers wurde auf seiner nächsten Expedition, die ihn nach Papua-Neuguinea führte, vermutlich Opfer von Kannibalismus.

Erschienen bei LILIENFELD.

5. Ira Strübel & Kathrin Passig:  Strübel & Passig

Die gesammelten taz-Kolumnen aus den Jahren 1996-2003. Komisch, intelligent, komisch – besser können Kolumnen kaum sein. Ob Literaturwissenschaft für Einbrecher („Mit Büchern im Schuber können Sie gar nichts falsch machen.“) oder Frauenkondome („Das Einführen ist so ähnlich wie das Einführen einer Katze in einen Katzentransportbehälter: Hat man das eine Ende glücklich verstaut, springt einem das andere Ende wieder entgegen und umgekehrt.“), Strübel und Passig liefern immer wieder neue Blicke auf die Tücken und  den Unsinn des Alltags.

Erschienen im Verbrecher Verlag.

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