Heiliger Zorn


Santiago Roncagliolo „Roter April“

Felix Chacaltana, stellvertretender Bezirksstaatsanwalt, wird aus Lima zurück in seine Heimatstadt Ayacucho versetzt. Die Heimkehr begründet er damit, dass er sich um seine Mutter kümmern wolle. Diese ist allerdings seit vielen Jahren tot, Chacaltana hat sich in seinem Haus eine Scheinwelt erschaffen, in der die tote Mutter allgegenwärtig ist.

In Ayacucho wird bald nach seiner Ankunft, während des Karnevals, eine verstümmelte Leiche gefunden. Schnell muss Chacaltana feststellen, dass außer ihm offenbar niemand Interesse hat, dieses Verbrechen aufzuklären. Als Mann mit festen Prinzipien versucht der stellvertretende Bezirksstaatsanwalt, entsetzt von der Grausamkeit des Mordes, den Täter ausfindig zu machen. Dabei gerät er zwischen die Fronten der regionalen Machthaber, des Geheimdienstes und des omnipräsenten Militärs.

Weitere Morde folgen, zu allen Opfern hatte Cacaltana kurz vor ihrer Ermordung Kontakt. Ein entsetzliches Puzzle zeichnet sich ab und zahlreiche Spuren führen zur Terrororganisation Leuchtender Pfad, die doch eigentlich besiegt wurde.

Vor dem Hintergrund von Karneval und religiösen Riten entwickelt sich ein grauenhaftes Szenario, in dem alte Wunden aufgerissen und alte Rechnungen beglichen werden.

Roncaglioglo zeichnet ein Bild der peruanischen Gesellschaft zwischen Terror, Korruption, Gewalt, zwischen Bürgerkrieg und zaghafter (oder scheinbarer?) Demokratisierung, in der sich Chacaltana zu zerreiben droht. Im Laufe der Zeit verliert er seine Naivität, die Gewissheit über das Richtige und das Falsche, die Gewissheit darüber, wem er vertrauen kann und wem nicht, er selbst verändert sich, seine moralischen Prinzipien werden in Frage gestellt – sein Handeln wird davon beeinflusst.

„Roter April“ ist ein spannender, teilweise sehr brutaler Roman, der ein schnelles Tempo vorlegt. Roncagliolo verbindet Elemente des Thrillers, der Gesellschaftsbeschreibung und des Schelmenromans – Chacaltanas Ermittlungsberichte sind von stellenweise sehr anrührender Komik – zu einem rundum gelungen Leserlebnis.

Santiago Roncagliolo wurde 1975 in Lima geboren, „Roter April“ ist sein erster auf deutsch vorliegender Roman, erschienen bei Suhrkamp.

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