Amélie Nothomb: Liebessabotage


Die Geschichte einer unglücklichen Liebe vor dem Hintergrund eines Weltkriegs – dies sind die Komponenten aus denen große Literatur, unerträglicher Kitsch und der zweite Roman von Amélie Nothomb entstehen. Ein Roman über eine Liebe homerischen Ausmaßes in einem Krieg mit unvorstellbaren Grausamkeiten. Die namenlose Heldin kämpft als Aufklärerin auf Seiten der Alliierten und verliebt sich unsterblich in die Italienerin Elena. Elena ist wunderschön, ihr Blick wie destillierter Raffael und Curare zugleich – eine Verbindung, von der man in Sekundenschnelle tot umfallen konnte. Die Liebe zu Elena bleibt unerfüllt, sie wird gedemütigt, Elena gehört zu den Wesen, denen es ein Bedürfnis ist, geliebt zu werden. Nicht, zu lieben: zu lieben war nicht ihre Sache.

Die Wege der beiden Protagonisten trennen sich kurz nach der Kapitulation der Alliierten.

Es ist ein äußerst komischer Roman, den Amélie Nothomb im Jahr 1993 veröffentlichte und dies liegt vor allem an zwei wesentlichen Elementen. Die beiden Hauptakteure sind sechs und sieben Jahre alt und der Weltkrieg tobte, von der Öffentlichkeit relativ unbeachtet, zwischen1972 und 1975 im Diplomatenghetto San Li Tun in Peking. Die Front verlief zwischen Franzosen, Italiener, Belgiern, Rumänen, Chilenen und Kämpfern vom afrikanischen Kontinent, die als Alliierte gegen den gemeinsamen Feind kämpften, der aus den Ostdeutschen bestand. Durchschnittsalter der Kriegsteilnehmer: 10 Jahre. Es war auch kein ideologisch gefärbter Krieg, als den ihn die Erwachsenen begriffen (sie hatten verboten, auch gegen die westdeutschen Diplomatenkinder zu kämpfen), es war ein Krieg, der entsteht, wenn sich Kinder zahlreicher Nationen, abgeschirmt von der Außenwelt in einem hässlichen Viertel, langweilen. Während die Ostdeutschen den Kampf durch Robustheit und Kraft führen, zeichnen sich die Alliierten durch Raffinesse aus. Gefangene werden getaucht, und zwar in einen Bottich, der fleißig mit Urin und Tinte befüllt wird. Und als die biologische Kriegsführung dann noch um die Kotzkohorte (man hatte entdeckt, dass einige Kämpfer eine besondere Gabe besaßen, Feen mussten sich über die Wiege dieser Auserwählten gebeugt haben und ihnen die Fähigkeit verliehen haben, sich beinahe auf Kommando zu erbrechen) erweitert wurde, neigte sich der Krieg seinem (unfreiwilligen) Ende. Es kommt noch zu einem kurzen Folgekrieg, in dem Alliierte und Ostdeutsche gemeinsam gegen die Nepalesen kämpften, mit einem der schönsten Kriegsgründe in der Geschichte der Menschheit, dieser endet aber mit einer vernichtenden Niederlage. Nach vielen Jahren erfährt die Heldin, was aus Elena wurde, eine Femme fatal.

Elena sei Dank, weil ich von ihr alles über die Liebe gelernt habe.

Und Elena sei Dank, weil sie ihrer Legende treu geblieben ist.

Amélie Nothomb verarbeitet im Roman autobiographische Elemente, als Tochter belgischer Diplomaten verbrachte sie ihre Kindheit in Japan, China, den USA und Laos.

Liebessabotage ist wunderbar konstruiert, stellenweise unglaublich komisch, intelligent – kurz gesagt: perfekte Unterhaltungsliteratur im besten Wortsinn.

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