Die Nobelpreisrede der Doris Lessing


Man könnte es kurz machen und die Rede wie folgt zusammenfassen:

Auf der einen Seite der reiche Norden, der in seinem Überfluss keinen (oder wenig) Gebrauch mehr von Büchern und Bibliotheken macht, in der das Internet eine ganze Generation mit seinen Belanglosigkeiten verführt hat, sodass selbst einigermaßen vernünftige Leute zugeben, dass man sich nur schwer losreißen kann, wenn man einmal süchtig ist, und es sein kann, dass auf einmal ein ganzer Tag mit Bloggen und Bluggen und so weiter vergangen ist.

Auf der anderen Afrika, voller Bildungshunger, aber ohne Bücher und Bibliotheken.

Machen wir es aber nicht ganz so kurz.

Die Schilderung der mangelhaften Ausstattung afrikanischer Schulen nimmt den größten Teil ihrer Rede ein. Dieser stellt sie ein Anekdote gegenüber, in der sie eine Londoner Schule besucht, eine gute  Schule, deren Name allgemein bekannt ist. Und auch in dieser privilegierten Schule höre ich, was ich immer höre, wenn ich Schulen oder selbst Universitäten besuche.
„Sie wissen ja, wie das ist. Viele Jungen haben noch nie gern gelesen, und die Bibliothek wird bei Weitem nicht ausgenutzt.“

Und dann stimmt sie ein in den Kulturpessimismus, in der die Menschen trotz guter Ausbildung nichts mehr jenseits der Grenzen ihres Faches wahrnehmen, die sich nur in einer einzelnen Sache auskennen (zum Beispiel mit Computern) , die nichts von der Welt wissen, die nichts gelesen haben. Gilt natürlich nur für die jüngeren Menschen, die älteren wissen noch viel mehr.

Und irgendwie stimmt ihre Rede traurig, traurig, weil sie natürlich Recht hat, wenn sie mangelnde Chancengleicheit zwischen Nord und Süd beklagt, wenn sie anmerkt, dass Schreiben, ein Schriftsteller […] nicht aus einem Haus ohne Bücher [kommt] (und damit eben nicht aus den beschriebenen Schulen in Simbabwe), über eine nichtvorhandene Verlagslandschaft auf dem afrikanischen Kontinent, selbst im relativ wohlhabenden Nordafrika kann davon kaum die Rede sein.

Traurig ist diese Rede aber auch, weil Doris Lessing der Versuchung erliegt, dem afrikanischen Dilemma einfach und plakativ den übersättigten Norden gegenüberzu stellen, in dem das Internet schuld an eigentlich allem ist. Und das ist zu simpel und zeugt von Unkenntnis (das ist einer 88jährigen Dame als solches nicht vorzuwerfen, ein wenig mehr Reflexion darf es dann aber schon sein, wenn man es zum Übel erklärt). Eine der Belanglosigkeiten, die sich im Netz so finden, war dann auch die Nobelpreisrede der Doris Lessing, die den Preis aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich entgegennehmen kann.

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