Paulo Coelho hat mal wieder nichts zu sagen, redet aber trotzdem


Er hat sich mal wieder zu Wort gemeldet, der poetische Visionär, wie in Cicero nennt, der esoterisch-pseudophilosophische Abfallverwerter, wie ich ihn nenne.

Für den Band „German Dream. Träumen für Deutschland“ (dtv) haben ihn (und 29 andere) Wolfgang Blau und Alysa Selene zu seiner Vorstellung von einem deutschen Traum befragt. Das Gespräch ist gekürzt hier nachzulesen.

Herausgekommen ist nichts überraschendes. Coelho schwafelt, wie man es von ihm kennt, darüber, dass der kollektive Traum ein Land verändern kann, dass der Traum natürlich nur zu finden ist, wenn man in sich hineinschaut. Glücklicherweise hat Coelho den unschuldigen Blick nicht verloren,

Wahrscheinlich sehe ich Deutschland gerade deshalb deutlicher, weil ich selbst kein Deutscher bin. Ich sehe Deutschland mit der Unschuld eines Kindes, verstehen Sie? (Ist er nicht niedlich?)

Und erkennt so die Tatsache, dass Deutschland tapfer ist, in der Gegenwart und in unserer

tapfere[n] Art, in der ihr eure Vergangenheit nicht vergesst.

Und ein poetisches Mission Statement zaubert er auch noch aus dem Hut:

Alle Menschen haben das Recht, unterschiedlich zu sein. Sie sollten für ihre eigenen Werte einstehen und nicht danach streben, die Gedanken anderer Leute nachzuahmen. Sie sollten an ihren eigenen Träumen festhalten, und ihre Träume sind unterschiedlich.

Wow, ich bin beeindruckt. Also okay, ich wäre beeindruckt, wenn Coelho ein 13jähriger Gymnasiast wäre, der gerade seine Hermann Hesse-Phase begonnen hat (an dieser Stelle sei mal kurz angemerkt, dass Hesse und Coelho gern in eine Reihe gestellt werden und das miese dabei ist, dass Hesse sich dagegen nicht wehren kann)

Coelho ist aber kein 13jähriger Gymnasiast in der Hermann Hesse-Phase, er ist dummerweise einer der erfolgreichsten Autoren der Welt. Ein Blender, der Kalenderblattweisheiten und Philosophieschnipsel zu einer grauenhaften Belanglosigkeitssuppe verkocht und die Leute löffeln diese Suppe bereitwillig, ohne zu erkennen, dass diese keinen Nährwert besitzt, dass sie tote Kalorien zu sich nehmen. Und Coelho lacht sich vermutlich ins Fäustchen, dass ihm dieser Mist im Wortsinn abgekauft wird. Oder er hält sich tatsächlich für einen wichtigen Denker, und ich bin mir nicht sicher, welche Variante die schlimmere ist.

Denis Scheck hat versucht, dem Grauen ein Ende zu machen,

Seit Jahren schon spukt nun dieser aus dem proto-literarischen Urschleim gekrochene Einzeller der Erbauungsliteratur durch die Bestsellerlisten. Coelho ist so etwas wie der Graf Dracula des Schunds: ohne einen Funken eigenen Lebens, mästet sich dieser literarische Wiedergänger an fremdem Gedankengut, ein Vampyr des Esoterikbooms. Dieses Grauen muss ein Ende haben! Setzen wir also mal einen groben Keil auf einen groben Klotz und hoffen, damit diesem Untoten auf ewig den Rest gegeben zu haben. Probieren Sie das ruhig auch mal zu Hause aus, ein gutes Buch muss so was ganz mühelos aushalten.

Leider bisher vergebens.

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25 Gedanken zu “Paulo Coelho hat mal wieder nichts zu sagen, redet aber trotzdem

  1. Festgestellt haben das viele, nur kaufen und lesen ihn noch viel, viel mehr. Was mich an Coelho ärgert, ist, dass er so tut, als ob er wirklich etwas literarisch wertvolles schaffen und etwas zu vermitteln hätte. Und selbst intelligente Menschen fallen daruf rein.

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      • Frage: Was lässt euch die Testosteron-Organe eigentlich mehr schrumpfen:
        Die Tatsache, dass Paulo Coelho – im Gegensatz zum Verfasser dieses Textes- positiv, aktiv und kreativ mit seinen Selbstzweifeln an die Öffentlichkeit geht und daraus mehrfach als gestärkter, einsichtigerer (und offensichtlich reicherer )Mann hervorgeht?
        Oder die Tatsache, dass ein Mann mutig in der Lage ist, mit Worten das eigene Innenleben darzustellen..und zwar so, dass Millionen von Menschen es sowohl nachvollziehen als auch daraus für ihr eigenes Leben inspiriert werden?
        Welche Art von Übermensch möchte der Verfasser darstellen, um darüber zu urteilen, welche Literatur den einzelnen Menschen zu inspirieren hat?

        Der Verfasser prangert an, Coelho bediene sich „Zitatenklau“ und zitiert anschließend Denis Scheck „ohne einen Funken eigenen Lebens, mästet sich dieser literarische Wiedergänger an fremdem Gedankengut…“.

        Doch tut er nicht Ähnliches? Indem er sich anmaßt (ohne einen Funken eigener Kenntnisse zu dieser Person) an Hand von literarischen Quellen über den Gesamtmenschen Paulo Coelho zu (ver-)urteilen und haltlose Vermutungen (s.Text oben) über die allgemeinen Absichten des Autors anstellt?

        Alles in allem langweilige, schlecht recherchierte Aussagen und zu impulsive Verallgemeinerung nehmen diesem Artikel jegliche professionelle Ausdrucksstärke.

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  2. Es ist schon traurig, wie Menschen, die keinen ähnlich erfolgreichen Werdegang vorweisen können, über Paulo Coelho schimpfen.
    Ich frage mich vor allem folgende Dinge:
    a) anstatt etwas vernünftiges zu tun, schreiben Leute wie ihr sinnlose und angreifende Texte ins Internet
    b) sollte man seine Zeit nicht sinnvolder nutzen(?), wisst ihr nicht, was ihr besseres anstellen sollt (schreibt doch mal ein Buch!!!, viell. habt ihr damit mehr Erfolg als Coelho)
    c) wen interessiert dieses Geschwafel überhaupt
    d) warum lasst ihr Coelho nicht einfach seine Bücher schreiben wie er es will, es zwingt euch niemand, sie zu lesen

    Nunja, dann schließe ich mit einem Zitat von Smoel ab: „…etwas literarisch wertvolles schaffen…“sollte eure Maxime sein. 😉

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  3. Paulo Coelho ist ein brillianter Autor. Um seine Bücher zu verstehen, braucht der Leser selbstverständlich Herz und einen feinen, wachen Verstand, der über den Tellerand reicht. Wem beides fehlt, der hinterlässt dann namenlos solche neidvollen Unwahrheiten.

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  4. Ihre Ausführungen sind der blanke Hass. Deswegen ist es gut, dass es solche Autoren wie Coelho gibt. Der ist wenigstens auch nicht so leicht zu durchschauen, sonst würden sich nicht so viele Menschen Gedanken um seine Worte machen.

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  5. Den letzten 3 Pro-Cuelho-Kommentatoren empfehle ich, die Psychiatrie in Laibach/Slowenien zu besuchen, da kommen sie dem verehrten Schreiber mit seinen gottgeilen und vernebelten Botschaften am nächsten….ihr habt doch im Leben noch nie was hinterfragt…ihr würdet doch auch Dieter Bohlen, wenn’s sein muß, als Kanzler wählen…
    Tipp: lauft mal einen Marathon mit , am besten unter 4 Stunden und unterhaltet euch danach mit Karasek..die isotonischen Drinks gibt’s gratis dazu und machen die Birne frei..:-)

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  6. An den Autor:
    Beschäftigen Sie sich erstmal mit Ihrer Persönlichkeit, bevor Sie andere angreifen. Wer so etwas schlechtes schreibt ist nicht im Reinen mit sich selbst, wenn er das wäre würde er alle so akzeptieren wie Sie sind und nicht mit so viel Hass und Neid einen Artikel verfassen über einen Menschen, der viele andere inspiriert und mit seiner Literatur bereichert hat.

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  7. Hui. Wahrlich, dass Literatur noch solche Emotionen wachrufen kann. Erstaunlich. Vielleicht muss man darüber wieder froh sein, dass es solche Autoren wie PC. gibt. Ja, solche literarischen Reibebäume sind vielleicht das Salz in der Suppe eines Kritikers.

    Übrigens, der Link zum Denis Scheck führt ins Nirvana. Hat ARD kalte Füße bekommen? Hui.

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    • Ich glaube, die ARD archiviert Sendungen nur über einen bestimmten Zeitraum (oder darf die Sendungen nur für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung stellen). Und der dürfte abgelaufen sein.

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  8. An den Autor: Sie sind bestimmt keine 13 Jahre alt mehr, oder? Scheinen aber immer noch nicht, EINFACHE und wichtige Dinge im Leben verstanden zu haben. Nicht jeder war so privilegiert, mit natürlicher Dummheit und Blindheit geboren zu werden und nie was dagegen zu machen.
    Ein bisschen Ethik schadet übrigens auch nicht, oder was meinen Sie?

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  9. Der Mann darf schreiben was er will – man verbietet ja auch nicht ASTRO.TV oder die Hirnlos-Beschallung mit Schlager-Sülze – nur muß man eines sagen dürfen: Alle genannten Beispiele haben eines gemeinsam – es handelt sich um schlichte Geldschneiderei und nicht etwa um Ausdruck von Kultur. Das in Anbetracht eines weltweit kollabierenden Weltwirtschaftssystems, welches auf eben dieser Grundlage funktioniert, zu sagen, hat nichts mit Neid zu tun.

    Daß den meisten der Coelho-Esoterik-Jünger hier nichts besseres einfällt, als seine literarischen / künstlerischen Fähigkeiten mit Verkaufszahlen untermauern zu wollen, ist bezeichnend für den geistigen und kulturellen Horizont einer Welt, in der Leute wie Coelho überhaupt soetwas wie Beachtung finden…

    Das Mißverständnis ist dies: Was diese oft traurige, die Schwachen einnebelnde, Welt betrifft ist Coelho nicht Teil der Lösung sondern Teil des Problems!

    Fakt ist:
    Der Mann wird von einer erschlagenden Mehrheit der weltweiten Literaturkritik verachtet.

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    • Nur weil viele seine Bücher nicht verstehen, bedeutet nicht, dass er Teil des Problems ist. In dieser zynischer, selbstgefälligen Welt können seine Bücher wirklich Lösung sein. Schade, dass die Evolution des menschlichen Verstandes so langsam ist. Und dass er in Deutschland nicht so beliebt ist, heisst nicht, dass die weltweite Literaturkritik ihn verachtet. Seit mehreren ist er Mitglied Academia Brasileira de Letras.

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  10. Ich bin mir sicher, dass die meisten Leute, die hier in einer übermäßigen Derbheit über Paulo Coelho ablassen, schlicht und ergreifend nicht mit Emotionen umgehen können oder wollen, sich dazu noch in Rationalität flüchten und dies auch noch mit Intellektualität verwechseln (natürlich zu den eigenen Gunsten). Die derart übertriebenen und teils herabwürdigenden „Abwehrhaltungen“, die man hier in diesem Forum von Kritikern liest, zeugen allerdings gleichwohl davon, dass Coelhos Botschaften als sehr gelungen zu bezeichnen sind. Denn wer derart negativ (über)reagiert, hat schlicht und ergreifend Angst davor, seine Programmatur einmal selbst in Frage zu stellen oder gar seine Seele zu öffnen, was für dessen Umfeld gut sein mag, schließlich man weiß ja nie was wirklich drin ist.

    Jedoch die allerkleinsten Geister hier treten dann aber am liebsten mal so richtig zu.

    Je höher die Angst oder Unsicherheit, desto extremer die Reaktion. Kommt einem doch sicherlich bekannt vor…., ach ja, … und desto größer der Hass.

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  11. Paulo Coelho ist nunmal Trivialliteratur auf dem Niveau von Groschenromane verbunden mit den Weisheiten aus Glückskeksen.
    Aber natürlich ist jeder der das nicht toll findet emotional behindert, negativ denken, neidisch oder sonstwie verachtenswert. Das ist ja eine beliebte Masche, ähnliche argumentationen (wenn auch sprachlich auf noch niedrigerem Level) finden und fanden sich ja zuhauf in unsäglichen Nachmittagstalkshows.

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  12. Ich meinte natürlich: „Groschenromanen“ & „negativ denkend“.
    Die Frage ist auch, weshalb so viele Leute offensichtlich starke Probleme haben mit Kritik umzugehen (oder mit Kritik an Dingen die sie mögen).
    Das ist doch nicht so schwer? Man kann da problemlos sachlich bleiben ohne den Autor der Kritik angreifen zu müssen wie es u.a. hier dauernd passierte. Das bringt doch niemanden weiter.

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  13. Coelhos Bücher sind als Lebenshilfe wie Balsam für die Seele. Das macht er ähnlich wie einst Hesse, nur dass sich C’s Bücher viel leichter weglesen und vielmehr Hoffung transportieren, als die düstere Romantik Hesses. Die Parallelen in den Büchern C’s zu denen H’s lassen es als übergeordnete Synchronizität erscheinen, wenn C. die Weltseele und deren richtungsweisende (Lebens-)Zeichen beschreibt, so wie H. durch die Archetypenlehre C.G.
    Jungs inspiriert war, welche auch ein analoges kollektives Unterbewusstsein voraussetzt, das die Psychen aller Menschen miteinander in Verbindung setzt.

    Ein Schlüsselerlebnis zu dieser Erkenntnis hatte ich heute, als ich die ersten 30 Seiten von „Der Zahir“ las. Dort erwähnt er an einer Stelle die Hauptfigur aus seinem Roman „Der Alchimist“, welche mich spontan an eine Parallelfigur zu Hesses „Siddhartha“ erinnerte. Den Einstieg zur Erkenntnis gewisser Analogien von Themen Coelhos zu Hesses Werk fand ich mit der Ähnlichkeit von „Aleph“ zu dem „Magischen Theater“ (im Steppenwolf)…

    So würde ich gern Coelho selbst einmal fragen, ob die Ähnlichkeiten in den Geschichten nach C.G. Jung sinnvoller Zufall – eine Synchronizät – ein Zeichen gesendet aus der Weltseele (mit Paulo Coelho als Vermittler) an die Menschheit bzw. geneigte Leserschaft sind und/oder nur eine romantische Inspiration und Interpretation, welche Paulo Coehlo aus den Werken Hermann Hesse’s schöpfte und somit Hesses Werke auf seine subtile Art Tribut zollt, er vielleicht sogar ein heimlicher inspirierter Hesse-Fan ist.

    Evtl. liessen sich die jeweiligen Motive auch noch genauer erörtern, so war Hesse mit seiner Schizophrenie dem Wahnsinn nahe und Coelho kann man vielleicht im positiven Sinne als „wahnsinnig“ gläubig bezeichnen. Sich somit beide im Grenzbereich zwischen Genie und Wahnsinn mit Ihrer Weltanschauung beweg(t)en und aus der selben ewigen Quelle schöpf(t)en.

    Auch Köhlmeier spricht von einem vergleichenden „Coelho- und Hesse-Effekt“ (http://goo.gl/7GtLVf).

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