Wie verändern wir die Vorstellung vom menschlichen Körper?


Die ersten künstlichen Menschen tauchen in der griechischen Mythologie auf und wurden von Hephaistos gefertigt (Homer, Ilias, XVIII). Auch Daidalos konstruierte Statuen, die lebensecht wirkten (überliefert von Diodor). Die Versuche, mechanische Lebewesen zu erschaffen, finden einen ihrer Höhepunkte im 17. und 18. Jahrhundert, indem es Uhrmachern gelang, Androiden (aner, andros = Mann, Mensch) zu schaffen, die Tätigkeiten ausführten, die bis dahin Menschen vorbehalten waren. Besonders der Flötenspieler, ein Android von Jacques de Vaucanson, sorgte für Aufsehen. Er konnte die Lippen und die Finger naturgetreu bewegen und zwölf Stücke spielen. Auch die mechanische Ente sorgte für Aufsehen.

Im Bereich menschliches, biologisches Leben (Retorte) waren es vor allem die Alchemisten, die derartige Versuche unternahmen. Ein der bekanntesten Rezepturen stammt von Paracelsus, der ca. 1530 das Sperma in einem kürbisartigen Gefäß mit Hilfe von Pferdemist einem Fäulnisprozess unterzieht. Bei gleich bleibender Wärme und mit Menschenblut genährt, sollte nach 40 Tagen ein Kind entstehen, das allerdings viel kleiner als ein auf ‚klassischem’ Weg geborenes ist (homunculus – Menschlein). Als Mediziner wollte Paracelsus nicht auf das Sperma bei der künstlichen Zeugung verzichten. Goethes Wagner legt seinen Versuchen das rein alchemistische Verfahren zugrunde. Der Glaube, einen rein synthetischen Menschen zu erschaffen, wurde zur Zeit Goethes von vielen geteilt, da 1828 dem Chemiker Friedrich Wöhler die synthetische Herstellung von Harnstoff gelungen war.

Viktor Frankenstein verwendete bei der Schaffung seiner Kreatur hingegen menschliches Material. Mary Shelley verwendete in Frankenstein einige Elemente des Prometheus-Mythos. In der Figur des Viktor Frankenstein zeigt sich aber ein bedeutender Unterschied zum Prometheus als Menschenschöpfer. Dieser fühlte sich für seine Kreaturen verantwortlich, während Frankenstein sein Ziel, Leben zu erschaffen, ohne Berücksichtigung der Bedürfnisse seiner Kreatur verfolgt. Hier findet sich die ethische Komponente, welche die Diskussion um die Gentechnik heute dominiert.

Der Mensch besitzt mittels Biotechnologie die Fähigkeit, eine zweite Schöpfungsgeschichte in Gang zu setzen, auf synthetischer Basis, ausgerichtet auf menschliche Produktion. Mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms besteht die Möglichkeit, erstmals zu Ingenieuren des Lebens selbst zu werden. Biotechnologie ist in der Lage, genetische Codes von biologischen Lebewesen nach unseren ‚Bedürfnissen’ zu manipulieren, Prothesen können Körperfunktionen optimieren.

Neben dem zunehmenden Einsatz von Hochleistungsprothesen hat die Technik Einzug in den Körper gehalten, der Körper ist nicht mehr Oberfläche für Prothesen, die Prothesen werden Teil des Körpers. Neben den dinglichen Körperveränderungen spielen genbasierte Medikamente eine zunehmende Rolle und es ist nur eine Frage der Zeit, bis körpereigene Zellen gentherapeutisch verändert werden. Ein Artikel von Jörg Auf dem Hövel mit dem Titel: Projekt Übermensch: Upgrade ins Nirvana beschäftigt sich mit der Frage, wohin diese Entwicklungen führen.

Enhancement, die Erweiterung von Basisfunktionen, setzt an dem Wunsch nach Optimierung und Vervollkommnung des menschlichen Körpers an. Und hier liegt, neben dem berechtigten Wunsch, Krankheiten heilen zu können und sie ggfs. zu verhindern, die Gefahr der größenwahnsinnigen Übermenschen.

Mit den Chancen, Risiken und Problemen beschäftigt sich der Blog Übermensch, auf den ich an dieser Stelle hinweisen möchte.

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