Julia Franck: Die Mittagsfrau


Ein Bahnhof in Pommern, kurz nach Ende des 2. Weltkriegs. Peter wird von seiner Mutter Helene verlassen, nachdem sie aus Stettin geflohen sind.

Bautzen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Helene und ihre Schwester Martha verbringen ihre Kindheit in der Provinzstadt in der Lausitz. Zunächst idyllisch, erlischt diese Idylle mit dem Beginn des 1. Weltkriegs. Die jüdische Mutter zieht sich immer mehr zurück, sie verliert die Fähigkeit, lieben zu können., der Vater verliert im Krieg beide Beine und stirbt kurz nach seiner Rückkehr. Helen und Martha sind zunehmend auf sich allein gestellt und ziehen Anfang der zwanziger Jahre zu einer Tante nach Berlin. Martha stürzt sich in dass Großstadtleben, lebt in einer lesbischen Beziehung mit Leontine, wird morphiumabhängig, Helene verlobt sich mit dem Philosophiestudenten Carl. Als dieser bei einem Unfall stirbt, erstarrt sie in der Erinnerung an ihn. Später heiratet sie Wilhelm, einen Ingenieur und begeisterten Nationalsozialisten, der sie mit neuen Papieren versorgt, die ihre jüdische Abstammung verschleiern. Die Ehe wird zur Hölle, Wilhelm entpuppt sich als Tyrann, der seine Frau nur noch als Dienstboten toleriert. Nach einer ehelichen Vergewaltigung wird Helene schwanger, Peter wird geboren und Wilhelm verlässt seine Frau und seinen Sohn, den er nie als seinen Sohn betrachtet hat. Das Kriegsende erleben Helene und Peter in Stettin.

Soweit die Handlung des Romans, der mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Diese Entscheidung ist nicht so recht verständlich. Julia Franck packt ein bisschen zu viel in die Handlung. Dies hat zur Folge, dass viele Figuren, vor allem die männlichen, blass und klischeebehaftet bleiben. Die Sprache ist gewöhnungsbedürftig und mir ist die Gewöhnung nicht wirklich gelungen. Oftmals recht blumig, verschwurbelt und altbacken, trifft Franck nicht den richtigen Ton, wenn beispielsweise über die Ausschweifungen im Berlin der goldenen Zwanziger berichtet wird. Viele für die Handlung elementaren Dinge werden eher um- als beschrieben, verlieren dadurch an Bedeutung. Die Entwicklung der Figuren ist aus diesem Grund recht schwer nachvollziehbar, zu sehr konstruiert und in sich nicht stimmig. Dies ist schade, umso mehr, als dass der Roman durchaus auch eindrucksvolle Elemente enthält. Seine großen Momente hat der Text in der Schilderung der Ehe mit Wilhelm, dass Abstumpfen, die Brutalität und Emotionslosigkeit. Hier zeigt sich die ganze Klasse, die auch schon in Francks Erzählband Bauchlandung zu finden war. Auch der Prolog, der aus der Sicht Peters erzählt wird, ist durchaus wohlgeraten.
Die Mittagsfrau ist ein Roman, der nicht so recht weiß, wie er dorthin kommt, wo er hinkommen soll, ein Roman, der zu selten über die Mittelmäßigkeit hinausgeht, mit einigen herausragenden Passagen, insgesamt aber zu wenig.

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