Glückliche Kindheit – Astrid Lindgrens hundertster Geburtstag


Gibt es einen einzigen, der sie nicht kennt, den Michel (den die restliche Welt Emil nennt), die Pippi, den Karlsson? War jemand noch nie in Bullerbü, Katthult oder auf Saltkrokan?

Wohl kaum. Wie keine andere hat Astrid Lindgren einen Kosmos unterschiedlichster Figuren geschaffen, die in das kollektive Gedächtnis der Menschen eingegangen sind. Und niemand musste gezwungen werden, sich den Werken zu nähern. Freiwillig hat man sich in der Kindheit in die Welt Astrid Lingrens begeben und ist als Erwachsener regelmäßig wieder dorthin zurück gekehrt.

Sie hat mit Bullerbü oder Katthult Sehnsuchtsorte geschaffen, die Idealvorstellung eines Schwedens, dass in der Realität so nie existierte, in das man aber lieber flüchtet als in das Schweden der psychopathischen Mörder Hanning Mankels oder Arne Dahls. Diese Orte versetzen uns in einen Idealzustand von Kindheit.

Viele ihrer Figuren entzogen sich der biederen Zeit, in der sie erschaffen wurden, die anarchistische Pippi Langstrumpf oder der rechthaberische Egozentriker Karlsson entsprachen wohl kaum den gesellschaftliche Konventionen.

Indem sie Pippi Langstrumpf die braven Tommi und Annika als Gegenpol an die Seite stellte, zwei Figuren, die sich in zunehmenden Maße von braven, angepassten Kindern zu selbstständigen Menschen entwickeln, markierte Astrid Lindgren den Sieg der Fantasie über die Vernunft, über Angepasstheit, über einengende Regeln. Das Geheimnis ihres Erfolges liegt darin begründet, dass sie nie den moralischen Zeigefinger erhoben hat, ihre Figuren werden zu eigenständigem Denken und Handeln aufgefordert, ohne dass ihnen vorgeschrieben wird, was Gut und Böse ist.

Kinder sind durchaus in der Lage, zwischen Gerechtigleit und Unrecht zu unterscheiden und Astrid Lindgren hat sie durch ihre Bücher darin bestärkt. Niemand musste Michel einen Anstoss dafür liefern, dass er die Leute aus dem Armenhaus zum Weihnachtsessen einlud, er wusste einfach, dass es richtig ist, ohne dass es eines Moralbegriffs bedurfte. Und als Alfred fast gestorben wäre, da war es Michel, der ihn durch den Schneesturm zum Doktor brachte, einfach so, weil Alfred sein Freund war und es egal war, dass der Weg gefährlich ist. Die Erwachsenen hatten dies aus Vernunftsgründen nicht getan.

Gute Kinderliteratur kann man nur schreiben, wenn man Kindern auf derselben Ebene wie Erwachsenen begegnet und Astrid Lindgren befand sich immer auf einer Ebene mit denen, für die sie schrieb. Dadurch hat sie unzählige Kinder begeistert, nicht nur für ihre eigenen Bücher, sondern für das Lesen und die Literatur im Allgemeinen und dies ist wohl ihr größter Verdienst.

1994 erhielt sie für ihr Engagement für Toleranz und Humanität den Alternativen Nobelpreis. Dass die Schwedische Akademie nie dazu durchringen konnte, ihr den Nobelpreis für Literatur zu verleihen, gereicht der Akademie nicht zu Ehre, Astrid Lindgren selbst dürfte dies aber nicht gestört haben.

Heute vor 100 Jahren wurde Astrid Lindgren geboren.

Nach ihrem Tod im Jahr 2002 wurde von der schwedischen Regierung der Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis gestiftet und mit umgerechnet 540.000 EUR dotiert.

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