FAZ/SZ vs. Perlentaucher – ein Streit um Urheberrechte


Heute wird vor dem OLG Frankfurt/M. in zweiter Instanz entschieden, ob Perlentaucher
gegen das Urheber-, Marken- und Wettbewerbsrecht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung verstösst.

Streitpunkt ist, dass Perlentaucher eine tägliche Bücherschau bereitstellt, in der die Buchbesprechungen aus den großen Tageszeitungen zusammengefasst und verlinkt werden.

Die Bücherschau liefert eine Zusammenfassung der Kritiken und gewährt einen Überblick, wie ein Werk in den verschiedenen Zeitungen besprochen wird.

Diese Rezensionsnotizen werden von Perlentaucher auch an Dritte, Internet-Buchhändler,verkauft. Die Kläger sehen darin eine Verletzung ihres Urheberrechts, Perlentaucher argumentiert hingegen, dass die kommentierten Zusammenfassungen eine eigene geistige Leistung darstellen, die dazu anregt, den Ursprungsartikel zu lesen, nicht aber die Lektüre selbigen ersetzt.

Aus Sicht der Kläger haben die Rezensionsnotizen einen ersetzenden Charakter, die größere Textteile aus den Originalartikeln enthielten. Ziel der Klage sei es nicht, die Notizen zu verbieten, FAZ und SZ wollen lediglich den Weiterverkauf untersagen.

Wobei lediglich in diesem Fall für Perlentaucher ein gravierender finanzieller Einschnitt wäre. Die Seite hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 2000 zu einer wesentlichen Informationsquelle im Bereich Feuilleton entwickelt, die sich aber nicht durch Werbeeinahmen allein tragen kann.

Das Verdienst von Perlentaucher ist es, die Aufmerksamkeit auf das gedruckte Medium (oder dessen Internetausgabe) zu lenken, dies sollte die Heraugeber der Zeitungen freuen. Perlentaucher ist eine der verlässlichen Stimmen, die Frank Schirrmacher in seiner Dankesrede zur Verleihung des Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache einfordert, umso trauriger, dass sich die FAZ als treibende Kraft in dieser kleingeistig anmutenden Klage darstellt.

So verteidigt auch die Frankfurter Rundschau in ihrer heutigen Ausgabe
Perlentaucher und weist auf die Bedeutung der Seite und die Pionierarbeit der Gründer Anja Seliger und Thierry Chervel hin, der Tagesspiegel fasst den aktuellen Stand zusammen.

Beide Seiten haben angekündigt, dass, wenn das OLG eine Revision zulässt, unabhängig vom heutigen Urteil vor dem Bundesgerichtshof zu gehen. Dieser soll dann eine grundsätzliche Entscheidung treffen über die Kriterien, die für Zusammenfassung fremder Werke zulässig sind.

Dazu auch Medienrauschen

Nachtrag: das OLG hat die Urteilsverkündung auf den 11.12.2007 verschoben.

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