Wolf Biermann und der Demokratische Sozialismus


„Der Spiegel“ meint es ja nur gut. Irgendwie hat man beim planen der aktuellen Ausgabe festgestellt, dass noch zwei Seiten zu füllen sind und offenbar ist niemand etwas gescheites eingefallen. Und da hat man sich in der Redaktionssitzung wohl gedacht: Hey, der alte Biermann sitzt doch da allein in seinem Hamburger Kämmerlein und wartet drauf, dass er mal wieder einen gewichtigen Kommentar absondern kann. Lassen wir ihn doch was schreiben, da freut er sich und kann sich ein bisschen was dazu verdienen. Und eigentlich ist er doch drollig und man hat immer was zu lachen.

Gesagt getan, Wolf Biermann lässt sich nicht lange bitten, zumal es um sein Lieblingsthema geht, den Sozialismus, im konkreten Fall um den „Demokratischen Sozialismus“ und dessen Wiederbelebung durch Kurt Beck.

Und schon sabbelt er los, von Nationalsozialismus und Nationalkommunismus, von Ernst Thälmann und Martin Andersen Nexö, von einer weinenden Ruth Berlau, er bemüht die Bibel, Heine und Goethe und liefert einen schicken Kasperletheater-Vergleich. Seine Gedanken schwurbeln durch die Zeitgeschichte, ja, er zieht mal wieder richtig vom Leder.

Nun mag er ja im Kern nicht ganz unrecht haben, wenn er sich am Begriff des Sozialismus abarbeitet, der, ursprünglich in Verbindung mit ‚demokratisch‘ eine Tautologie, zum Synonym für Unterdrückung und Diktatur geworden ist. Und vielleicht tut sich die SPD tatsächlich keinen Gefallen, den Demokratischen Sozialismus als Schlagwort auf die Fahnen schreiben zu wollen. Damit wäre dann auch die Aussage schon vollständig.

Und trotzdem ist man versucht, ihm zuzurufen: Biermann, halt einfach mal das Maul! Du gehst uns in deiner Jammerlappen-Attitüde seit langem nur noch auf die Nerven. Wir wissen, man hat DIR übel mitgespielt, hat DICH aus der DDR rausgeworfen, DU bist das Daueropfer und DU vergisst seit 30 Jahren nicht, uns darauf hinzuweisen.

Wolf Biermann ist der Pawlowsche Hund, der bei den richtigen Stichworten anfängt, zu sabbern.

Der Beitrag „Comeback eines toten Hundes“ trieft vor lauter Egozentrik (immerhin fällt ihm außer sich selbst wenigstens noch Robert Havemann als kommunistischer Dissident ein), keine abgedroschene Phrase ist so abgedroschen, dass sie nicht nochmals gebracht werden kann (PDS = Partei Der Spitzel) und wenn es denn der Sache dient, dann wird aus Stalin mal flugs ein Apparatschik der PDS.

Ach Biermann, der letzte Satz lautet: Kurt Beck, lassen Sie dass! und auch Du solltest es lassen, geh endlich in Rente, Du hast sie Dir redlich verdient, die Rolle des ‚angry old man‘ füllen andere mit mehr Würde aus.

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