Alan Bennett: Handauflegen


Im Zentrum dieses sehr vergnüglichen Kurzromans steht der Gedenkgottesdienst für Clive Dunlop, gestorben im Alter von 34. Versammelt ist eine illustre Gesellschaft aus Politikern, Fernsehsternchen und -köchen, Schauspielern, Anwälten, Schriftstellern, Verlegern, diversen Ehegatten und -gattinen und vermeintlichen Verwandten. Clive Dunlop erfreute sich bei Männern und Frauen großer Beliebtheit, seine Profession war die Massage (die Art Massage, hinter der in Kleinanzeigen ‚nicht medizinisch’ steht und deren Umfang von ihm sehr großzügig definiert wurde). Es wird zu Beginn der Veranstaltung viel darüber gerätselt, ob die anderen Gäste wohl aus demselben Grund wie man selbst anwesend sind.

Die Stimmung ist entsprechend gedrückt, allerdings nicht allein aufgrund seines Ablebens, sondern vor allem aufgrund der Tatsache, dass Clive sehr jung gestorben ist und man sich so seine Gedanken darüber macht, woran er starb, in diesem schrecklichen Gedanken sind alle vereint.

Der Gottesdienst wird von Pater Joliffe durchgeführt, der vor zwei Problemen steht. Auch er kannte Clive Dunlop privat und die Durchführung der Veranstaltung wird von den kritischen Augen eines Mitglieds der obersten Kirchenführung beobachtet, eine mögliche Beförderung steht ins Haus.

Immer wieder abgelenkt durch die Gedanken an den Verstorbenen versucht Pater Joliffe die Balance zwischen würdigem Gottesdienst und den Würdigungen der Freunde und Bekannten zu halten, immer gepaart mit den Schwierigkeiten der Gäste, nicht gegen die angemessene Verhaltensweise in einer Kirche zu verstoßen.

>>Sie können ruhig rauchen<< flüsterte sie.

Ihr Begleiter schüttelte den Kopf >>Ich glaube nicht.<<

>>Aber ich sehe kein Verbotsschild. Oder ist das eins?<<

Sie suchte nach ihrer Brille und blinzelte ein Symbol an, das an einer der Säulen zu sehen war.

>>Ich glaube<< , sagte ihr Begleiter, >> das ist eine der Stationen des Kreuzwegs.<<

>> Ach wirklich? Auf jeden Fall bin ich ganz sicher, dass am Eingang ein Aschenbecher stand.<<

>>Das war Weihwasser.<<

Nachdem der Dankesgottesdienst ohne Pannen fast beendet ist, schlägt die Stimmung aber um, es wird noch richtig fröhlich. Die Anwesenden verlassen bestens gelaunt die Kirche, nachdem sie erfahren haben, woran Clive Dunlop NICHT gestorben ist.

Ein komisches, boshaftes und sehr kurzes Buch.

Alan Bennetts (http://www.museum.tv/archives/etv/B/htmlB/bennettalan/bennettalan.htm)

„Handauflegen“ ist bei Wagenbach erschienen.

http://www2.txt.de/cgi-bin/WebObjects/TXTSVWagenbach.woa/37/wo/6HrKu1LRqfgkx2gfC4/4.5.7.0.0.13.5.1

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