Willem Elsschot: Käse


Frans Laarmans ist der typisch kleinbürgerliche Angestellte, beschäftigt auf einer Werft in Antwerpen, den der Traum vom Aufstieg in höhere Gesellschaftsschichten begleitet. Wie aus heiterem Himmel bekommt er eines Tages durch Mijnheer van Schoonbeeke, einem Freund seines Bruders, das Angebot, für eine große niederländische Firma die Vertretung in Belgien zu übernehmen. Auf die Frage, womit diese Firma handelt bekommt er Käse zur Antwort, „Das geht immer, denn essen müssen die Leute ja doch.“ Geld müsse nicht investiert werden, die Kosten für den Käse würden erst einige Zeit nach der Lieferung beglichen und der Käse verkauft sich von selbst. Laarmans wird Generalvertreter für Belgien und das Großherzogtum Luxemburg, läßt sich krankschreiben und richtet sich zu Hause ein Büro ein, weil man dann keine zusätzliche Miete zu zahlen hat und die Familie das Telefon mitbenutzen kann. Den sozialen Aufstieg vor Augen bestellt er 10.000 Edamer, vollfett. Erst als die Lieferung eintrifft, Gewicht 20 Tonnen, bekommt er erste, leise Zweifel. Ein zusätzliches Problem ist, das Laarmans Käse eigentlich widerlich findet. Man ahnt es, die Sache geht natürlich gründlich schief und als sein Vorgesetzter, Herr Hornstra aus Amsterdam seinen Besuch ankündigt um die Rechnungen zu begleichen, wird Frans Laarmans panisch.
„Käse“ ist ein wunderbarer, kleiner Roman über das Scheitern von Träumen, den verzweifelten Versuch des kleinen Mannes, ein Stück vom großen Kuchen abzubekommen, ein Werk, in dem Tragik und Komik dicht beieinander liegen.
Elsschot beschreibt präzise, wie sich Frans Laarmans durch die Geschäftswelt stümpert, mit welch von vornherein zum Scheitern verurteilten Versuchen er das Geschäft ankurbeln will, ohne das ein Zweifel an der Sympathie, die er für seinen ‚Helden‘ hat, besteht.
Willem Elsschot ist das Pseudonym für Alfons de Ridder, (* 7. Mai 1882 in Antwerpen, † 31. Mai 1960 ebenda), der in Antwerpen eine Werbeagentur führte. In seinem Roman „Leimen“ verarbeitet er seine Erfahrungen in der Werbebranche, ebenfalls ein tragisch-komischer Roman über die zweifelhaften Praktiken eines Werbekaufmanns.
In Deutschland relativ unbekannt, viele Jahre waren seine Romane hier nicht erhältlich, ist Elsschot in Belgien und den Niederlanden ein moderner Klassiker, seine Werke erfreuen sich großer Beliebtheit.
http://www.unionsverlag.ch/info/title.asp?title_id=2250

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