Raymond Queneau „Zazie in der Metro“


Raymond Queneau „Zazie in der Metro“
Der 1959 erschienene Roman ist ein Großstadtroman, ein Roman über Paris. Zazie, eine kleine Rotzgöre (Beigbeder schrieb über sie „Zazie ist wie Lolita zwölf Jahre alt, vögelt jedoch nicht so viel, auch wenn sie die ganze Zeit ‚am Arsch‘ sagt. ), besucht mit ihrer Mutter Paris. Die Mutter gibt Zazie bei ihrem Onkel Gabriel ab, sie selbst möchte die Zeit in Paris ohne ihre Tochter verbringen. Gleich nach der Ankunft muss Zazie feststellen, dass ihr größter Wunsch, Metro fahren, nicht in Erfüllung gehen wird, diese wird nämlich grad bestreikt. Gabriel nimmt sie mit nach Hause und dort lernt sie Abertine, Gabriels Frau, Turandot, den Besitzer der Kneipe unter der Wohnung, Mado, Kellnerin und Laverdure, den Papagei, der nur einen Satz spricht, nämlich „Du quasselst, du quasselst, das ist alles, was du kannst“, kennen.
Die Figuren könnten grotesker kaum sein, so arbeitet z.B. Onkel Gabriel als Stripperin in einem ‚homosechsuellen‘ Nachtklub. Auf ihren Streifzügen durch Paris, allein oder in Begleitung, lernt Zazie viele weitere Personen kennen, die eins gemeinsam haben: sie sind alle völlig durchgeknallt und irren durch Paris, auf der Suche nach irgendwas, sei es Glück, Erfolg, Geld, Sex oder Liebe.
Der Reiz des Romans liegt nicht allein in der Handlung, der man Queneaus Verbindung zu den Surrealisten deutlich anmerkt. Queneau ist ein Sprachakrobat, ein Virtuose, er wirbelt die Syntax durcheinander dass es eine wahre Freude ist. Ein Großteil des Buches ist in wörtlicher Rede verfasst, ein bunter Mix aus Hochsprache, Anglizismen, Slang und Alltagssprache, von Eugen Helmle wunderbar übersetzt.
Raymond Queneau (* 21. Februar 1903 in Le Havre, † 25. Oktober 1976 in Neuilly bei Paris) gehörte zu den ersten Unterzeichnern des Manifests der Künstlergruppe ‚Pataphysik, die sich auf Alfred Jarry berief und der unter anderem auch Boris Vian angehörte. Später gründete er Oulipo, die „Werkstatt für Potentielle Literatur“, die als Mitglieder u.a. Marcel Duchamp, Italo Calvino, Oskar Pastior und Georges Perec hat (die Mitgliedschaft bleibt auch nach dem Tod bestehen) und die sich zum Ziel gesetzt hatte, durch kreative Beschränkung und selbst auferlegtem Formzwang neue Darstellungsformen zu entwickeln.
Queneau war seit 1951 Mitglied der Akademie Goncourt.
„Zazie in der Metro“ wurde 1960 von Louis Malle verfilmt.
Der Roman wurde vor einigen Jahren in Frankreich auf Platz 36 der fünfzig besten Bücher des 20. Jahrhunderts gewählt und ist sicher der einzige, der mit dem Wort ‚Fonwostinktsnso‘ beginnt.

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