Mihail Sebastian „Voller Entsetzen, aber nicht verzweifelt – Tagebücher 1935-44“


Die posthum Mitte der neunziger Jahre erschienenen Tagebücher des rumänischen Autors Mihail Sebastian, Verfasser von Romanen, Stücken, Theater- und Literaturkritiken, sind ein eindrucksvolles Zeugnis des langsam, aber stetig anschwellenden Antisemitismus im Rumänien der dreißiger und vierziger Jahre. Sebastian, 1907 in Braila als Sohn jüdischer Eltern geboren, gehörte der sogenannten ‚Jungen Generation‘ um Nae Ionescu, den er als seinen Mentor betrachtete, an, einer Gruppe, die jenseits abgestandener Konventionen die geistige Existenz suchte. Zunächst als unpolitische Gruppierung agierend, beschreibt Sebastian den zunehmenden Antisemitismus und die Begeisterung für den Faschismus, der sich auch zahlreiche Mitglieder, unter anderem Eliade und Ciorin, nicht entzogen.
In seinen Tagebüchern läßt sich der Wandel fast minutiös nachvollziehen. Wie in Deutschland auch sind es erst kleinere Repressalien, dann der Verlust der Einnahmequellen, die dann in Zwangsarbeit, antijüdischen Progromen und ständiger Angst vor Deportation gipfeln. Derartig präzise Beobachtungen und Wiedergabe von Erlebtem, der Versuch, geistig nicht abzusterben stellen „Voller Entsetzen, aber nicht verzweifelt“ in eine Reihe mit den Tagebüchern von Victor Klemperer.
Neben all dem Schrecken gibt es aber auch immer wieder Momente privaten Glücks, Sebastian ist schönen Frauen ebensowenig abgeneigt wie diese ihm, auch wenn seine Liebe zur Schauspielerin Leni Caler, die ihn während des gesamten Zeitraums durch Höhen und Tiefen führt, letztendlich unerfüllt bleibt.
Die Tagebücher sind aber auch als ‚Werkstattprotokoll‘ von Interesse, sie geben Einblick in den Schaffensprozeß von Sebastians literarischer Arbeit, von den Schwierigkeiten, der Erleichterung nach Beendigung eines Werkes.
Mihail Sebastian wird nicht deportiert, Rumänien hatte davon Abstand genommen, die Juden aus dem Altreich zu deportieren, ein Glück, dass die Juden in Bessarabien, der Bukowina und Transnistrien nicht hatten, er stirbt aber 1945 bei einem Autounfall.
„Voller Entsetzen, aber nicht verzweifelt“ ist bei Claassen erschienen:
http://www.ullsteinbuchverlage.de/claassen/buch.php?id=5421&…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s