Clemens Meyer: Als wir träumten


Der Roman erzählt die Geschichte einer Gruppe von Jugendlichen, die in Leipzig-Reudnitz in den Nachwendejahren aufwachsen. Ihr Alltag ist trost- und perspektivlos, ihr Stadtteil, dessen Zentrum die lokale Brauerei ist, verfällt (Reudnitz gehört auch heute zu den Teilen Leipzigs, die nicht wirklich vom Aufstreben Leipzigs profitiert haben) und die Mitglieder der Clique geraten zunehmend in den Strudel aus Alkohol, Drogen, Gewalt und Kriminalität, der unweigerlich im Knast oder auf dem Friedhof endet. Meyer verschafft denjenigen Gehör, die zwischen zwei Gesellschaftssystemen aufwuchsen und die in keinem von beiden eine Heimat fanden, die schließlich am untersten Ende der Gesellschaft strandeten. Er erzählt von Träumen und wie sie platzen, vom Scheitern der Boxkarriere, von der illegalen Diskothek (zu Beginn der 90er gab es zahlreiche illegale Clubs und Bars in der Stadt), vom Wiederfinden der alten Liebe in einem Bordell und von der stetigen, aber trügerischen Hoffnung, doch noch einen Platz in einem besseren Leben zu finden. Trotzdem finden sich immer wieder Momente des kleinen, privaten Glücks, die sich allerdings ebenso schnell verflüchtigen wie sie aufgetaucht sind.
„Als wir träumten“ ist eine Zeitgeschichte der frühen 90er, aus der Sicht derer, die an der Veränderung zerbrechen. Clemens Meyer, der in diesem Roman auch autobiographische Elemente verarbeitet, wertet nicht, er verurteilt nicht, er erhebt nie den pädagogischen Zeigefinger seinen Figuren gegenüber. Und er findet die richtige Sprache, brutal, rotzig und schnörkellos, seine Figuren sind ehrlich und direkt gestaltet. Der Roman funktioniert als Milieustudie und Sittenbild, er ist traurig, wütend und hoffnungslos, er zollt den Verlierern den Respekt, den sie von der Gesellschaft nie bekommen haben. Er zeichnet den Übergang von einer totalitären Gesellschaft in eine Gesellschaft der grenzenlosen Freiheit, an der man teilhaben, aber auch zerbrechen kann.
„Als wir träumten“ ist der erste Roman des 1977 geborenen Clemens Meyer. Aufgewachsen im Osten von Leipzig, dort spielt auch der Roman, arbeitete er nach seinem Abitur als Bauhelfer, Möbelträger und Wachmann. Zwischen 1998 und 2003 studierte Meyer am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.
„Als wir träumten“ erschien im Jahr 2006 und wurde von den meisten Kritikern und von den Lesern begeistert aufgenommen. Für den Roman wurde Clemens Meyer mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Ebenfalls 2006 las er beim Bachmannpreis in Klagenfurt, bekam viel Lob von der Jury, allerdings keinen Preis. Nicht die beste Entscheidung der Jury. Den dort vorgetragenen Text „Reise zum Fluss“ findet man hier zum Download:
http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/texte/stories/1175…
„Als wir träumten“ ist bei S. Fischer erschienen und sowohl als Hardcover als auch als Taschenbuch erhältlich.

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