Große Erwartungen. Carlos Ruiz Zafón „Das Spiel des Engels


Gelungener Genre-Mix mit kleinen Schwächen

sfv_zafon_engelSieben Jahre ist es her, da sorgte Carlos Ruiz Zafón mit seinem Roman „Der Schatten des Windes“ für internationales Aufsehen. Rund 6 Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft und einige Verlage damit glücklich gemacht. Seinen deutschen Verlag hat er gewechselt, S. Fischer hat echte Überzeugungsarbeit geleistet. Die 3 Millionen EUR, die der Verlag Ruiz Zafón gezahlt haben soll, hatten vielleicht auch ein bisschen Einfluss auf die Entscheidung.

Mit den Nachfolgern von Bestsellern ist das ja immer so eine Sache, oft genug enttäuschen sie. Dies, soviel vorweg, ist hier nicht der Fall.

„Das Spiel des Engels“ ist der zweite von vier geplanten Romanen, die den Friedhof der vergessenen Bücher als verbindendes Element haben und die miteinander verknüpft sein sollen, aber jeweils ohne Kenntnis der anderen Teile zu lesen sind. Wir begegnen einigen Figuren, die wir bereits kennen, auch die Buchhandlung Sempere und Söhne ist wieder ein zentraler Ort des Romans. Zeitlich ist der Band ungefähr 10 Jahre vor „Der Schatten des Windes“ eingeordnet, die Handlung spielt in Barcelona zwischen 1917 und ca. 1930.

David Martín ist Verfasser von erfolgreichen Schauerromanen, die er unter Pseudonym und für wenig Geld am Fließband schreibt. Seine Kindheit war freudlos, die Mutter verließ die Familie, der Vater verbot ihm, Bücher zu lesen. Ertappte er seinen Sohn beim Lesen, war Prügel die Folge. Zuflucht bot einzig der Buchhändler Sempere, Großvater von Daniel, der später den Spuren von Julian Carax folgen wird. Als Achtjähriger wird David Zeuge der Ermordung seines Vaters, Opfer einer, wie sich später herausstellen wird, Verwechslung. Viel Tragik schon in den ersten Jahren und so verwundert es dann auch nicht, dass ein Dickens-Roman, „Große Erwartungen“, David Martín sein Leben lang begleitet. Dickens ist ja schließlich der Meister trauriger Kindheitsbeschreibungen und Ruiz Zafóns Anleihen sind unverkennbar. Als junger Mann findet David seine Mutter wieder und steckt ihr heimlich einen seiner Romane, den einzig ernsthaften, zu. Sie entsorgt das Buch im Mülleimer.

Martín beginnt als Laufbursche bei einer unbedeutenden Zeitung und erhält eines Tages vom stellvertretenden Chefredakteur, einem Mann, der die Theorie vertrat, verschwenderisch gebrauchte Adjektive und Adverbien seien etwas für Perverse (mehr…)

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