Indie-Verlage: Kinzelbach Verlag


Vor 25 Jahren gründete Donata Kinzelbach ihren gleichnamigen Verlag, der seit einem Vierteljahrhundert eine Sonderstellung in der deutschen Verlagslandschaft einnimmt. Von Beginn an spezialisierte sich die Verlegerin auf Romane und Erzählungen von Autoren aus den Maghrebstaaten Algerien, Marokko und Tunesien. Nicht erst seit dem Arabischen Frühling 2011 ist die nordafrikanische Region eher durch politische Unruhen oder als Billig-Destination für Pauschalurlauber bekannt. Wenig weiß man hierzulande aber über die zeitgenössische Literatur. Diese Lücke versucht Donata Kinzelbach zu schließen. Für ihr Engagement wurde sie 2008 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Zu den Autoren gehören Tahar Ben Jelloun, Mohammed Kafir-Eddine und Driss Chraibi.

Donata Kinzelbach im Internet

Maïssa Bey „Nachts unterm Jasmin“

Ein 15-jähriges, schwangeres Mädchen, Dida, liegt in Algier im Krankenhaus. Sie wurde von Islamisten in ein Lager entführt, vergewaltigt, ihre Familie ermordet. Nach ihrer Flucht quälen sie die Erinnerungen, an ihren 2 Jahre alten Bruder, der am Fuß aus dem Elternhaus gezerrt und getötet wurde. An ihren älteren Bruder, der sich den Islamisten anschloss, dann aber mit einem Mädchen vor ihnen floh. Beide wurden eingefangen, gefoltert, ebenfalls ermordet. Dida steht vor der Frage, wie sie weiterleben kann, allein und mit der Schande der Vergewaltigung. Eine Rückkehr in ihr Dorf ist nicht möglich, selbst wenn ihr Vater und ihre Brüder noch am Leben wären, „hätten sie mich umgebracht. Der Ehre wegen.“ Die Erzählung „Nacht und Stille“ ist eine von elf in diesem Band versammelten. Die 1950 geborene Maïssa Bey setzt sich mit der Frau in der algerischen Gesellschaft auseinander, mit dem Patriarchat, religiösem Zwang, archaischen Strukturen. Die Handlung tritt dabei hinter Reflexionen zurück. Bey gibt denen eine Stimme, die um ihre Selbstbestimmung kämpfen, denen, die an der von Männern dominierten Gesellschaft zerbrechen, denen, die ihre Hoffnungen und Träume nicht aufgegeben haben. In einer poetischen Sprache, kunstvoll, aber nicht gekünstelt, lässt Maïssa Bey ihre Protagonistinnen zu Wort kommen.

Nachts unterm Jasmin

Maïssa Bey

ISBN 978-3-927069-98-5

164 Seiten, Euro 19.00

Erzählungen a.d. Französischen von Christine Belakhdar

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Aziz Chouaki „Stern von Algier“

Moussa ist Musiker, er träumt von einer internationalen Karriere, Michael Jackson ist sein Vorbild. In seiner Musik vereint Moussa westliche Elemente mit maghrebinischen Rhythmen. Anfangs hat er Erfolg, Auftritte in den Clubs von Algier. Sein Weg wird von zwielichtigen Gestalten begleitet, Drogen spielen eine wichtige Rolle in seinem Leben. Im Erfolg wird er nicht glücklich, zu groß der Gegensatz zwischen Glitzerwelt und Armut, auch in der Liebe scheitert er. Das größte Drama aber: Der Roman spielt am Beginn der neunziger Jahre, in einem Algerien, in dem islamistische Fanatiker immer größeren Einfluss gewinnen und das Land bald in ein Jahre andauerndes Massaker stürzen. Im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, zwischen westlichen Einflüssen und religiösem Fanatismus, steuert Moussa unweigerlich auf eine Katastrophe zu. Dramatisch das Ende dieses Romans. Aziz Chouaki wurde 1951 geboren, studierte Literatur und trat als Rockmusiker auf. In den neunziger Jahren floh er nach Frankreich, wo er bis heute lebt. „Stern von Algier“ ist ein Roman, der durchaus distanziert exemplarisch die politische Situation in Algerien am Beispiel eines Mannes erzählt. Durch die – vermeintliche – Distanz ermöglicht Chouakri, dass der Leser ein eigenes Bild entstehen lassen kann. Die Sprache wird durch Sätze dominiert, die rasant daherkommen, fast schon stakkatoartig. Eindringlich.

Stern von Algier

Aziz Chouaki

ISBN 978-3-927069-92-3

198 Seiten, Euro 18.00

Roman a.d. Französischen von Barbara Gantner

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Abstimmung über Hotlist-Kandidaten beginnt


Bis zum 15. August kann jeder aus 30 Titeln seinen Favoriten auswählen.

Alles weiter auf der Hotlist-Seite.

Bedauerlich in diesem Jahr finde ich, dass bereits eine Vorauswahl getroffen wurde. Unter den Titeln, die nicht nominiert sind, finden sich nämlich etliche Perlen, die die Chance der Leserabstimmung verdient hätten.

Preis der Independent Verlage – Nominierungen


Der Preis der Independent Verlage geht ins zweite Jahr. Fünfzehn Titel kommen auf die Hotlist2010, aus der dann der Preisträger gewählt wird.

Acht Titel werden durch eine Jury bestimmt, sieben Titel durch das Lesepublikum. Die Publikumsabstimmung läuft bis 10. August, alle weiteren Informationen finden sich auf der Hotlist-Seite, die Abstimmung selber findet auf den Seiten von “Der Freitag” statt.

Ich habe mich noch nicht für (m-)einen Favoriten entscheiden können, bis zum 10. August wird das aber noch.

Die Situation der Indie-Verlage. Voland & Quist über Risiken und Chancen


Im Voland & Quist Verlagsblog ist eine spannende Betrachtung zum Ist-Zustand der Indie-Verlage zu finden. Besondere Bedeutung misst V & Q dabei dem Internet zu:

Da wir unabhängigen Verlage kaum Einfluss darauf haben, ob wir im Buchhandel oder in den Feuilletons stärker wahrgenommen werden, müssen wir andere Wege finden, mit Lesern direkt in Kontakt zu treten. Man kann und muss das auf Messen, Buchmärkten, Lesefestivals usw. tun – und ergänzend dazu vor allem über das Internet. Hier stehen wir im Moment fast gleichberechtigt neben den großen Verlagen: Bei Facebook z.b. haben Voland & Quist oder mairisch mehr Fans als KiWi oder Klett-Cotta, ein Blog ist im Netz so nah wie der andere, professionelle Webpräsenzen kosten weniger als eine große Anzeige in der FAZ.

Indie-Verlage seien näher an ihrem Zielpublikum,  ein Vorteil den großen Publikumsverlagen gegenüber.

Der ganze Artikel im Voland & Quist Verlagsblog.

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