Lieblingsfilme 2012


Meine fünf Lieblingsfilme des Jahres – in willkürlicher Reihenfolge.

Oh Boy

Mehr Tragödie als Komödie, großartige Schauspieler, allen voran Friederike Kempter und Michael Gwisdek. Unter der Oberfläche der Figuren verbergen sich nur mühsam die Brüche, Traumen, Verletzungen und die Einsamkeit. Immer wieder bricht das durch. Ziellos treibt Niko durch die Stadt, von Episode zu Episode, auf der Suche nach nichts, außer vielleicht nach einem Kaffee. Er trifft auf Menschen, die genauso kaputt sind wie er selbst. Dabei kommt es zu zahlreichen skurrilen Szenen, die immer die Balance zwischen Tragödie und Komik halten. Und das ist großes Schauspielkino, bis in die kleinste Nebenrolle umwerfend besetzt.

Lore

Mit Saskia Rosendahl und Nele Trebs hat “Lore” zwei beeindruckende Darstellerinnen aufzubieten. Eine Geschichte, die nichts erklärt und nichts wertet, die zeigt, was Indoktrination bewirkt und wie schmerzhaft es ist, sich der Realität zu stellen. Hat den Publikumspreis in Locarno abgeräumt und das ist wenig verwunderlich.

Was bleibt

Herrvorragend besetztes Drama um Fassaden, die bröckeln, um Verdrängung, um das, was Familie bedeuten kann.

Der Junge mit dem Fahrrad

In der ersten Einschätzung habe ich diesem Film unrecht getan, denn er geht einem lange Zeit nicht mehr aus dem Kopf, und nach und nach hab ich dann kapiert, wie toll er in seiner vermeintlich unspektakulären Erzählweise doch ist.

Gefährten

Ja, Kitsch und Pathos ohne Ende. Na und, das kann man über “Vom Winde verweht” auch sagen. Spielberg führt hier die große Oper auf und genau für solche Filme hat man das Kino erfunden.

Und einer noch:

Hugo Cabret

Eye Candy vom Allerfeinsten, für mich der Film bisher, der 3 D am besten eingesetzt hat. Leider kann die Handlung mit der Optik nicht mithalten.

Weichgespült. “The Iron Lady”


Zwei Oscars hat “The Iron Lady” bekommen, für die beste weibliche Hauptrolle und für das Make-up von Meryl Streep. Daran gibt es nichts, gar nichts zu kritisieren. Sonst aber doch einiges.

Der Film zeigt in Rückblenden den Aufstieg Margaret Thatchers, Tochter eines Kaufmanns, von der Abgeordneten der Konservativen zur britischen Premierministerin. Erzählt wird in Rückblenden, die an Demenz erkrankte Ex-Premierministerin erinnert sich an Stationen ihres Lebens. An ihrer Seite Mann Dennis, ein Kunstgriff, schnell wird erkennbar, dass er nur noch als Vorstellung existiert, in der Realität verstarb er Jahre vorher. Thatcher schwankt zwischen wachen Momenten und Demenzphasen, und der Film drückt hemmungslos auf die Mitleidstube. Und das ist ärgerlich.

Schon die Eingangsszene kann man perfide nennen. Der Zuschauer begegnet der alten, dementen Margaret Thatcher, die von Streep wunderbar liebenswert verkörpert wird, beim Einkauf von Milch. Nur verliert man dadurch jegliche Möglichkeit, die Film-Thatcher mit einem kritischen Blick zu betrachten. Das aber gibt das Drehbuch sowieso nur in kurzen Momenten her. Zu unkritisch betrachtet, zu distanzlos erscheint die Person. Die argentinische Junta nennt sie am Beginn des Falkland-Kriegs “faschistische Bande”, unerwähnt bleibt, dass sie mit der faschistischen Bande um Augusto Pinochet deutlich weniger Berührungsprobleme hatte. Man sieht sie mit Nelson Mandela tanzen, kein Wort darüber, dass sie den ANC als terroristische Organisation bezeichnete. Die brachialen Einschnitte in das soziale Netz und die gewalttätigen Auseinandersetzungen werden thematisiert, “The Iron Lady” lässt aber keinen Zweifel daran, dass Thatchers Weg der richtige war.

Auch an anderer Stelle verschenkt der Film Potenzial. Stets betonte Thatcher, dass sie, aus kleinen Verhältnissen stammend, um ihren Aufstieg kämpfen musste.  Der Weg von der Abgeordneten zur Premierministerin wird aber im Schnelldurchlauf abgehandelt. In der Erzählung konzentriert sich der Film auf zwei Figuren, Thatcher selbst und ihren Mann Dennis, von Jim Broadbent mit sichtlicher Freude verkörpert. Alle anderen sind lediglich Randerscheinungen, die kurz auftauchen, um sofort wieder zu verschwinden. Die Szenen zwischen Margaret und Dennis nehmen den größeren Teil der Handlung ein, zu viel, um die Politikerin mehr als in Umrissen zu zeichnen. Und das ist schade. “The Iron Lady” hätte eine differenzierte Betrachtung der vielleicht umstrittensten Figuren im Großbritannien des 20. Jahrhunderts werden können. So ist es eine wohlwollende, weichgespülte Huldigung mit nur wenig Kanten auf  eine Person, die zeitweise die meistgehasste  im Vereinigten Königreich war.

Fünf Lieblingsfilme 2011


1. Über uns das All

2. Der Gott des Gemetzels

3. Wer ist Hanna?

4. Nur für Personal

5. Nichts zu verzollen

 

 

 

Über Industrieschreiberei und Tantenerschrecker. Matthias Zschokke: Lieber Niels


Lieber Niels ist ein unerhörtes Buch. Eine Frechheit. Kollegenbeschimpfungen – das tut man nicht. Nicht öffentlich zumindest. Und veröffentlichen sollte man sie schon mal gar nicht. Matthias Zschokkes Mail-Wechsel mit seinem Freund Niels Höpfner – dessen Antworten im Buch nicht enthalten sind – sind voll von Auslassungen der unfeinen Art.

Lese gerade: Alain Sulzer bekommt den Prix Medicis etranger […] Offenbar wird auch dort nur mit Wasser gekocht. (6.11.08)

Dein Kommentar zu Sulzer ist herrlich. […] „Schwule in der Jury …“ […] So einfach wird’s sein. (6.11.08)

Unerhört. Unerhört amüsant.

Der vorliegende Band versammelt rund 1500 E-Mails, die Zschokke zwischen 2002 und 2009 an Niels geschickt hat. Es entfaltet sich ein Tagebuch eines Schriftstellers, das durch den Verzicht auf Rücksichtnahme auf sich und andere, durch Bissigkeit, viel Unverstandenfühlen und viel Humor zum Zeugnis des Literatenalltags und des Literaturbetriebs wird. Entscheidend dabei die Form des Briefwechsels, denn obwohl die Mails von Niels fehlen, ist dieser doch Motivator, Resonanzfläche und Reibungspunkt. Der daraus entstehende Dialog in Monologform zählt unzweifelhaft zu den schönsten Leseerlebnissen des Jahres.

 

Lieber lass ich’s ganz bleiben

Matthias Zschokke gehört zur großen Schar derer, die seit Jahren im Literaturbetrieb präsent sind und doch einem größeren Lesepublikum unbekannt sein dürften, der Autor dieser Zeilen gesteht, auch lediglich den Namen mal vernommen zu haben. Der 1954 in der Schweiz geborene, seit 1980 in Berlin lebende Autor hadert damit, natürlich. Und ist Realist genug, zu wissen, dass seine Vorstellung von Literatur nicht massentauglich ist.

Habe den Bestseller-Schmitt gelesen, Monsieur Ibrahim … Klebrig, anbiedernd, einfältig. Das also schafft es auf den Markt. […] Lieber lass ich’s ganz bleiben, als so etwas vorzulegen.

Schmitt und Zschokke sind beide zum Zeitpunkt des Mail-Verkehrs Autoren des  Ammann Verlags, der im letzten Jahr aufgelöst wurde. Zschokke fühlt sich von Egon Ammann schlecht betreut, beklagt die Langsamkeit, mit der Ammann auf seine Manuskripte reagiert, ganz anders als bei der Verlags-Cashcow Schmitt. Trotzdem kann, ja will er sich nicht endgültig vom Verleger trennen, schön die Passagen, in denen beschrieben wird, wie es das Schlitzohr Ammann immer wieder schafft, seinen Autor zu besänftigen, anzutreiben.

Von der Literaturkritik fühlt er sich nicht gewürdigt – und wenn doch, dann von zweitklassigen Kritikern. Die Zeit darf ruhig verreißen, aber gefälligst Iris Radisch und nicht irgendjemand.

Keinesfalls soll hier aber der Eindruck entstehen, Lieber Niels sei eine 760-seitige Jammertour. Zschokke besitzt die Eigenschaft – und hierin unterscheidet sich Lieber Niels deutlich Raddatz‘ Tagebüchern, die sich bei der Lektüre als Vergleich aufdrängen -, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Und gar so schlecht ergeht es dem Autor dann auch nicht. Es lässt sich schon irgendwie aushalten in diesem Literaturbetrieb. In den Zeitraum des Mail-Wechsels fallen längere Stipendienaufenthalte in Budapest, Amman und New York, Zschokke ist regelmäßig zu Gast auf champagnervernichtenden Empfängen und den einen oder anderen Preis gibt es auch.

Gleichwohl, geben wir es zu, lesen wir gern die vernichtenden Urteile, etwa über Philip Roth.

Das ist ja ganz und gar entsetzlich! Grauenhaft. Und die ganze Welt macht diesen Beschiss mit?! […] Ich bin einmal mehr schockiert über uns Europäer, die nichts Besseres zu tun wissen, als diese Industrieschreiberei auch noch nachzuahmen. (25.4.08)

Immer wieder kommt es dabei auch zu komischen Brechungen. Wenn er über Christ Wolf schreibt,

Als ich einmal mit Christa Wolf zusammen eingeladen war, las ich vorher alle Bücher von ihr, weil ich dachte, das gehöre sich so – und starrte sie daraufhin den ganzen Abend wütend an, weil ich die Bücher so grauenvoll gefunden habe. (23.1.06), mag man sich das bildlich vorstellen.

 

Tantenerschrecker

Nicht nur mit Literatur setzt sich Matthias Zschokke auseinander. Er ist auch ein begeisterter Theatergänger, liebt die Oper. Umso weniger scheut er sich auch hier, sein Urteil kundzutun. Wenn über eine Aufführung von Jonathan Meese zu lesen ist,

Meeses Dramaturgie hatte es darauf abgesehen, seinen Tanten einen Schreck fürs Leben einzujagen. In der Aufregung hatte er aber nicht (more…)

Hollywood als unmoralische Anstalt. Kenneth Anger “Hollywood Babylon”


„Die Möglichkeiten des Films zur moralischen Erziehung und Beeinflussung sind grenzenlos. Deshalb muss seine Integrität geschützt werden“, predigte Will H. Hays 1922 den versammelten Studiobossen, und während er sprach, „grinsten die Gründungsväter des Filmlands, als müssten sie Scheiße fressen“. Als Präsident der Motion Picture Producers and Distributors of America, der Behörde zur Einstufung von Filmen, führte er einen bigotten Kampf gegen Unmoral im Film. Auf der Leinwand zeigte sein Kreuzzug zumindest eine Zeit lang Erfolg. Den Blick hinter die Leinwand zeigt Kenneth Anger.

 

Bereits in seiner Kindheit hatte der 1927 in Santa Monica geboren engen Kontakt mit Hollywood.  So spielte er als Kind in Reinhardts „Sommernachtsraum“ eine Rolle. Hat er zumindest behauptet, stimmt aber nicht, wie man heute weiß. Als Avantgarde-Filmemacher beschäftigte er sich früh mit Homosexualität als Thema und gilt als Pionier des New American Cinema. Dem Okkultismus und den Lehren Aleister Crowleys zugewandt, inspirierte Kenneth Anger Mick Jagger zu „Sympathy for the devil“.

Als Filmemacher nur einem kleinen Kreis von Cineasten bekannt, erreichte Anger ein weit größeres Publikum mit seiner zweibändigen Skandalchronik „Hollywood Babylon“.

 

Der 1. Band erschien 1959 (oder 1960 – die Jahreszahl variiert) in Paris. Einen amerikanischen Verlag fand „Hollywood Babylon“ erst 1975. Nicht, dass man es bis dahin nicht aufmerksam las, ein Raubdruck existierte bereits 1966, erhältlich in der Pornoabteilung. Zu den eifrigsten Lesern gehörten allerdings zahlreiche Anwälte und Richter, sodass schlussendlich eine bereinigte Version auf den US-Markt kam.

1985 erschien der 2. Teil der Skandalchronik.

 

Nun ist bei Zweitausendeins eine Neuauflage der beiden vergriffenen Teile in einem Band erschienen.  Ungekürzt und unbearbeitet – und zu einem Preis, der sich kaum von dem für beide Bände im Jahr 1985 unterscheidet. Die teilweise recht krude Rechtschreibung wurde ebenso beibehalten wie die nicht immer nachvollziehbaren Unterstreichungen im Text, die dem Leser häufig Rätsel aufgeben. Optisch wirkt der Textkorpus wie eine Art Hypertext, der Leser ertappt sich unweigerlich dabei, hinter den Unterstreichungen Links zu erwarten, die weiterführende Erläuterungen bieten.

 

Die Lust am Skandal, am Sex, am Tragischen bestimmt den Text. Eines der ersten Kapitel widmet sich dem Stummfilmstar Fatty Arbuckle, dessen Karriere endete, nachdem er angeklagt wurde, im Zuge einer Orgie das Starlet Virginia Rappe unter Zuhilfenahme einer Champagnerflasche zu Tode vergewaltigt (more…)

Zerbrechliche Kampfmaschine – “Wer ist Hanna”


Hanna (Saoirse Ronan) ist das letzte Überbleibsel eines Experiments, in dem durch Genmanipulation eine Generation Supersoldaten gezüchtet werden sollte. Nach der Beendigung flieht der CIA-Agent Erik (Eric Bana) mit Hanna und ihrer Mutter nach Finnland, in die Nähe von Kuusamo. CIA-Agentin Marissa Wiegler (Cate Blanchett) tötet Hannas Mutter während der Flucht, Erik und das Kind entkommen.

Zu zweit allein im Wald wird Hanna von ihrem Vater, so glaubt sie, ausgebildet im Kämpfen, Jagen und Töten. Alles, was sie von der Außenwelt weiß, erfährt sie aus einem Lexikon, ein Buch mit Grimms Märchen ist das Einzige, was an eine normale Kindheit erinnert. Eines Tages schaltet Hanna das Ortungsgerät ein und die Jagd auf Vater und Tochter beginnt.

Regisseur Joe Wright inszeniert diese – sind wir ehrlich – ziemlich banale Story bildgewaltig und verzichtet dabei auf effektheischende Unterstützung von technischem Schnickschnack.

Dafür gibt es Bilder zu sehen, die – kongenial untermalt vom Chemical-Brother-Sound – beeindrucken, kontrastierend zueinander stehen. Vom verschneiten finnischen Wald führt der Film in ein Betongefängnis in Marokko, aus dem Hanna in bester Actionmanier und unter Zurücklassung etlicher Leichen flieht, über Spanien und Frankreich nach Berlin. Düsterkeit prägt die Aufnahmen.

Der Film findet das richtige Tempo, furiose Kampfszenen wechseln sich mit ruhigen Momenten ab, in denen Wright seine Titelheldin erwachsen werden lässt. Anrührend und komisch zugleich ist es, wenn Hannas lexikalisches Wissen von der Welt auf die Realität trifft und Hanna erfährt, was es mit einem macht, wenn man Freundschaft schließt.

Saoirse Ronan ist eine wunderbare Besetzung für die Rolle der Hanna. Blass und zerbrechlich wirkt sie und trotzdem immer unter Spannung. Zur Kämpferin erzogen, ist sie doch vor allem eins: ein junges Mädchen, das allein und trotz allem Überlebenstraining unvorbereitet ins Erwachsenwerden rast. Cate Blanchett als Gegenpart wirkt wie eine erwachsene Version von Hanna, die alles Menschliche hinter sich gelassen hat. Unvergleichlich ihr grausames Lächeln. Tom Hollander glänzt als schwuler Killer, Martin Wuttke hat einen kurzen, aber einprägsamen Auftritt. Hat man den Eindruck, dass fast alle Rollen ihren perfekten Darsteller haben, wirkt Eric Banas Auftritt austauschbar.

„Wer ist Hanna“ ist eine Mischung aus Spionagethriller, Actionfilm, Coming-of-age-Geschichte und Roadmovie. Und er ist ein Märchen. Märchenhafte Elemente allenthalben. Es beginnt fernab der Zivilisation in einem Märchenwald, das Zuhause eine Holzhütte, die jedem Hexenhaus zur Ehre gereichen würde. Treffpunkt in Berlin ist Wilhelm Grimms Haus, ein Hexenhaus im verrotteten Berliner Plänterwald. Dort findet auch der Showdown statt. Cate Blanchett als Hexe entsteigt einem riesigen Wolfsrachen.

Das Märchenhafte ist es auch, das über die eine oder andere Logiklücke hinwegsehen lässt. Hanna hat noch nie einen Lichtschalter gesehen oder bedient, kann aber kurze Zeit später problemlos im Internet nach Informationen suchen? Geschenkt, das macht den Film nicht schlechter. Überraschend ist er sowieso nicht durch die Geschichte. Überraschend ist die Umsetzung, die über 111 Minuten gehaltene Balance zwischen poetischen, kargen Bildern und Actionspektakel und die „Wer ist Hanna“ zu einem Film macht, der spielend Genregrenzen überschreitet und dabei eine ganz eigene Ästhetik findet.

Wer ist Hanna?

Regie: Joe Wright, UK/USA/D 2010, 111 Minuten.

Das ganze Land ist ein Garten Gottes, und die Gegenden um Dessau ein wahres Paradies. Hoppe&Küster: Das Gartenreich Dessau-Wörlitz


Hansjörg Küster und Ansgar Hoppe: Das Gartenreich Dessau-Wörlitz. Landschaft und Geschichte.

Der Kontrast konnte für den Reisenden des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts kaum größer sein. Von Preußen kommend, durch weite Flächen Ödland, musste ihm das kleine Fürstentum Anhalt-Dessau wie ein Wunder vorkommen. Das ganze Land ist ein Garten Gottes, und die Gegenden um Dessau ein wahres Paradies. Mit diesen Worten beschrieb Andreas Riem, Berliner Theologe, seine Eindrücke im Jahr 1796. Goethe fand für das Gartenreich die Worte unendlich schön, nannte es an anderer Stelle ein wohladministriertes und zugleich äußerlich geschmücktes Land, […] durch Kunst verherrlichte Gegend.

Einzigartig war die Kulturlandschaft Anhalt-Dessau und Vorbild für Landschaftsgestaltung weit über die Grenzen der anhaltinischen Fürstentümer hinaus. Eine konsequentere Symbiose zwischen wirtschaftlicher Nutzung und ästhetischen sowie philosophischen Prinzipien als im Gartenreich Dessau-Wörlitz lässt sich bis heute nicht finden. Die Idee, die Grundlage für die Gestaltung der Landschaft gewordenen Aufklärung war, erschließt sich dem Besucher bis zum heutigen Tag, auch wenn der Aspekt der (land-)wirtschaftlichen Nutzung im Laufe der Zeit durch zunehmende Verstädterung an Bedeutung verlor.

Hört man den begriff Gartenreich, dann denkt man als erstes an die Parklandschaft in Wörlitz, mit Gotischem Haus, der Felseninsel Stein mit ihrem rauchenden Vulkan, an die Kanäle und die – für uns als Kinder besonders reizvolle – Kettenbrücke.

Wörlitz aber ist nur ein Teil der gesamten Landschaft. In ihrer Gesamtheit erschließen die Autoren Hansjörg Küster und Ansgar Hoppe Landschaft und Geschichte des Gartenreichs. Und sie spannen dabei einen weiten Bogen, der im Tertiär beginnt und mit einem Ausblick auf zukünftige Nutzung endet.

Küster, Professor für Pflanzenökologie an der Leibniz Universität Hannover, hat in zahlreichen Publikationen die Entwicklungsgeschichte von Landschaften aufgezeigt. Ansgar Hoppe ist Biologe und Landschaftsforscher, ebenfalls an der Universität Hannover. Die Autoren entwerfen im vorliegenden Band ein beeindruckendes Gesamtbild, aus unterschiedlichsten Blickwinkeln entsteht eine Landschaft als Gesamtkunstwerk. Im Vorwort legen Küster und Hoppe dar, wie sie den Begriff Gesamtkunstwerk definieren.

Ein Kunstwerk entsteht nicht allein durch Menschenhand, so wie ein Edelstein nicht erst durch den Schliff edel wird. Er ist auch seiner Natur nach kostbar. Landschaftskunst nimmt demnach das geographisch und ökologisch Vorhandene und wandelt es, ohne seine ursprüngliche ‚Natur’ grundlegend zu verändern.

Großen Raum nimmt dann auch die geographische Entstehungsgeschichte der Landschaft ein, die heute vor allem die kreisfreie Stadt Dessau-Rosslau und Teile des Landkreises Wittenberg umfasst.

Die prägenden Elemente der Landschaft (more…)

Der Chemie-Nobelpreis und die Kunst


Was man mit den Erkenntnissen eines Chemie-Nobelpreises noch anfangen kann zeigt der brasilianische Künstler Eduardo Kac auf seinen Seiten. Das GFP Bunny sorgte 2000 für einen ziemlichen Medienwirbel und eine Diskussion über das, was Kunst darf.

Wired beschäftigte sich ebenfalls mit diesem Thema.

Literweise Kunstblut, leckere Fleischpasteten und ein singender Johnny Depp


Sweeney Todd – Der neue Film von Tim Burton

Johnny Depp, Helena Bonham-Carter und Alan Rickman als dilettierende Musicaldarsteller, düstere Kulissen, lecker Fleischpasteten und literweise rote Farbe – Tim Burton beweist mal wieder, dass er keine schlechten Filme drehen kann!

Prädikat: absolut sehenswert!

Und da andere bessere Filmkritiken schreiben können, sei diese zur Lektüre empfohlen.

Dänisches Nationalmuseum will Mohammed-Karikaturen erwerben


Das Dänische Nationalmuseum will die umstrittenen Mohammed-Karikaturen erwerben, die im Jahr 2006 für teils gewalttätige Proteste mit über 100 Toten sorgten. Die Karikaturen seien Teil der dänischen Geschichte geworden. Bis auf eine Karikatur sind alle noch im Besitz ihrer Zeichner.

Aufgabe des Nationalmuseums ist das Sammeln und die Bewahrung von Dokumenten und Objekten, die für die dänische Geschichte von Bedeutung sind. Die Finanzierung des Ankaufs ist noch nicht gesichert, nicht geklärt ist auch, ob die Karikaturen Teil der Dauerausstellung werden. Dazu ein Podcast mit Andreas Platthaus, stellvertretender Feuilleton-Chefredakteur der FAZ. Neben dem Nationalmuseum hatten auch das Museum für Dänische Papierzeichnungen und das Dänische Medienmuseum Interesse am Erwerb der Karikaturen.

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