Klar, über England, respektive die Engländer, wissen wir eigentlich alles. Sie trinken warmes Bier in Massen, sind nie ohne Regenschirm unterwegs und im Fußball haben die Three Lions nur einen einzigen Erfolg mit tatkräftiger Unterstützung eines sowjetischen Linienrichters errungen; aber Humor, den können sie.
Holger Ehling, langjähriger England-Korrespondent für verschiedene Zeitungen und Fernsehsender, hat mit „England, glorious England“ ein vergnügliches Kompendium geschrieben, das den Untertitel „Annäherung an eigenwillige Verwandte“ trägt, schließlich gab es ja – neben der Tatsache, dass die Angeln und die Sachsen germanischen Ursprungs sind – eine Reihe hannoveraner Georgs, die England regierten, und das Haus Windsor hieß bis 1917 Sachsen-Coburg-Gotha.
Er kratzt an der Oberfläche der Klischees und der Stereotypen, umreißt dabei auch die wechselseitigen Beziehungen zwischen England und seinem „old enemy“, also uns, die wir uns immerhin rühmen können, von den Engländern überhaupt zur Kenntnis genommen zu werden, ein Privileg, das große Teile der Welt nicht besitzen.
Ehling will nicht in Konkurrenz treten zu tiefschürfenden akademischen Werken, im Plauderton handelt der Autor die englische Geschichte ab, stellt englische Helden und Architekturwunder vor, beschäftigt sich mit dem Privatleben, den Marotten und seltsamen Freizeitbeschäftigungen. Ganz wichtig natürlich der englische Humor, Blackadder, Georges Mikes – von dem der Satz stammt, „Die Kontinentaleuropäer haben ein Sexleben, die Engländer haben Wärmflaschen“ – und Sir Humphrey, die Figur aus „Yes, Minister“, sind Ehlings Haushelden und begegnen dem Leser auf Schritt und Tritt. Humorvoll ist auch der Grundton des Buches, der Versuch, deutschen Lesern die Cricket-Regeln darzulegen, kann auch nur mit Humor in Angriff genommen werden, ein Humor, der sich an dieser Stelle des unausweichlichen Scheiterns bewusst ist. Jeder Kontinentaleuropäer, der einmal versucht hat, diese Regeln zu verstehen, kann nur zu dem Schluss kommen, dass alle Engländer (und die meisten anderen Angehörigen des Commonwealth) ein bestimmtes Gen teilen, das Cricket-Gen, das dem Rest der Welt einfach fehlt.
Das Kapitel über den englischen Humor räumt ein wenig mit der Vorstellung auf, dass der Engländer sich ausschließlich über Monty Python oder Rowan Atkinson amüsiert, also die Kronjuwelen dessen, was unter englischem Humor verstanden wird. Er ruft auch die „Benny Hill Show“ ins Gedächtnis, unterschlägt ganz gentlemanlike den Brachialhumor der „Carry on“-Reihe“ oder den kürzlich verstorbenen Norman Wisdom, dessen Slapstick subtil zu nennen auch niemand auf die Idee käme. Und auch die sich großer Beliebtheit erfreuenden „Knock knock who’s there“-Witze rufen bei nicht Eingeweihten eher ein Kopfschütteln hervor (mehr…)
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