Der Wettbewerb zur besten Leserezension des Jahres auf Lovelybooks ist beendet, am Montag werden die Sieger verkündet. Eigentlich habe ich mit dieser Plattform nicht viel zu schaffen, zu unterschiedslos wird dort Gutes und Schlechtes gleichermaßen abgefeiert. Und bevor das Argument kommt, dass Geschmäcker halt verschieden seien: Nein, es gibt objektive Qualitätskriterien, die unabhängig von dem, was gern unter Geschmack, also Gefallen, verallgemeinert wird, funktionieren.
Aber eitel genug, um – nach Anfrage – in einer Jury zu sitzen, bin ich dann doch und sowieso der Meinung, das mein qualitatives Urteil jeder Jury zu Zierde gereicht.
325 Rezensionen, in drei Kategorien, wurden eingereicht, in äußerst unterschiedlicher Qualität. Es gab dort eine kleine Anzahl von wirklich guten Beiträgen, einige gute und vieles, was nicht den Anforderungen entspricht, die an eine Rezension zu stellen sind. Vieles ging über eine Empfehlung nicht hinaus, vieles bestand aus einer „Tolles Buch, weil ich musste viel lachen, weinen, sonst was“-Argumentation. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Der Wettbewerb trägt aber nun das Wort Rezension im Titel. Und rezensieren bedeutet eben mehr als nur „Meine Meinung“. Es bedeutet auch, einen Text auf Kriterien wie Handlungsaufbau oder sprachliche Mittel zu untersuchen und daraus eine Bewertung abzuleiten. Dabei ist es völlig unerheblich, ob es sich um einen Fantasyroman, einen Historienschinken oder um Literatur im engeren Sinn handelt.
Ich hatte mir erhofft, auf Rezensionen zu Büchern, von denen ich genau weiß, dass ich sie niemals lesen werde, zu stoßen, von denen ich hätte sagen können, dass sie sich kritisch (und kritisch meint nicht zwangsläufig negativ) mit dem Text auseinandersetzen. Solche Rezensionen habe ich aber nicht entdecken können. Schade.
Aber schlussendlich blieben ein paar Rezensionen übrig, die, mit ganz unterschiedlichen Herangehensweisen, selbst vor dem kritischsten Auge bestehen können. Dafür hat es sich gelohnt.
Und drei davon sind dann auch auf die Shortlist gelangt. Der Sieger steht bereits fest, ich kenne ihn noch nicht, weiß aber, wem ich die Daumen drücke.
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