Ein Städtchen in der Nähe des Gardasees, Provinz Mantua, heute leben dort rund 2600 Einwohner. Am 24. Juni 1859 Schauplatz einer Schlacht zwischen Österreich auf der einen und Piemont-Sardinien sowie Frankreich auf der anderen Seite. Als Heerführer standen sich Kaiser Franz Joseph von Österreich und Napoléon III. gegenüber, die über mehr als 200.000 Soldaten gebieten. Die Front zog sich über eine Länge von knapp 20 Kilometern, am Ende des Tages waren über 6000 Soldaten tot, weitere 30000-40000 verwundet. An den Folgen der Verwundungen starben anschließend mehr Soldaten als in der Schlacht.
Österreich verlor die Schlacht und in der Folge auch die Lombardei, für die Habsburgermonarchie war die Niederlage der Anfang vom Ende, für Italien ein wichtiger Schritt zur nationalen Einheit.
Das sind die nüchternen Fakten.
Der zufällig anwesende Henry Dunant ist über die katastrophalen Versorgungszustände nach der Schlacht derart entsetzt, dass er das Buch „Eine Erinnerung an Solferino“ veröffentlicht. Darin unterbreitet er Vorschläge, wie künftig Verwundete von neutralen Freiwilligen versorgt und geschützt werden können. Diese Vorschläge führen zur Gründung des Roten Kreuzes und zu den Genfer Konventionen.
Ulrich Ladurner, Auslandskorrespondent der ZEIT, schreibt in dem vorliegenden Band eine private Geschichte des Schauplatzes. Die Reise nach Solferino ist gleichsam eine Reise in die Vergangenheit seiner Familie. Ladurners Urgroßvater nahm als einfacher österreichischer Soldat an der Schlacht teil, in seinem die Zeiten überdauernden Tagebuch hielt er die Eindrücke seiner Militärzeit fest. Jahre vor seinem Tod überreichte der Vater des Autors das Tagbuch mit den Worten Damit du weißt, woher du kommst, aber erst nach dessen Tod schlägt er es auf und beginnt zu lesen. Der Entschluss, an den Ort zu reisen, an dem das Tagebuch meines Urgroßvaters seinen grausigen Höhepunkt erreichen sollte, fasst Ulrich Ladurner exakt 150 Jahre nach der Schlacht von Solferino.
Er begibt sich auf Spurensuche und entwirft einen ganz eigenes Bild, in dem historische Fakten und die Vorstellung davon, wie der Einzelne Solferino erlebt haben könnte, sich verbinden.
Spazierend bewegt sich Ulrich Ladurner durch die Straßen und Gassen. Inschriften liefern ihm Bruchstücke, hinter denen sich Einzelschicksale verbergen. In Gesprächen setzen sich ein Bild zusammen, (more…)
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